Formel 1

Hamilton holt sich den vierten WM-Titel

Lewis Hamilton reichte zum Titelgewinn ein neunter Platz. Vettel fährt auf Platz vier.

Lewis Hamilton feiert seinen Titel

Lewis Hamilton feiert seinen Titel

Foto: Eduardo Verdugo / dpa

Mexiko-Stadt.  Na bitte, die Formel 1 kann noch richtig Drama, auch wenn vor einem Grand Prix schon alles entschieden scheint. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel müssen nach einem Crash in der ersten Kurvenkombination beim Großen Preis von Mexiko das Rennen von ganz hinten aufnehmen. Max Verstappen gewinnt den drittletzten WM-Lauf vor Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen, aber das interessiert niemand. Am Ende der Aufholjagd ist der Heppenheimer Vierter, Hamilton kommt auf Platz neun ins Ziel. Das reicht dem Silberpfeil-Piloten, um vorzeitig seinen vierten Weltmeistertitel einzufahren, 56 Punkte Vorsprung. Fiesta, bitte!

Hamilton schlägt beide Hände vors Visier, fährt freihändig die Gerade entlang – direkt in die Formel-1-Geschichte. Vier Titel, er liegt damit gleichauf mit Sebastian Vettel und Alain Prost. Übermütig lässt er seinen Silberpfeil kreisen, Fußballstar Neymar gratuliert über Boxenfunk. „Viva Mexiko“, brüllt Hamilton ins Rund, „ich hab getan, was ich konnte. Es war nicht das Rennen, das ich mir erhofft hatte, aber ich habe nicht aufgegeben. Das krönt unglaubliche fünf Jahre bei Mercedes.“

Dass die erste Kurve das Rennen entscheiden würde, ist Sebastian Vettel schon vor dem Start des drittletzten WM-Laufs klar, in das er aus der 50. Pole-Position seiner Karriere geht. Er ahnt noch nicht, dass die Curva uno auch das Titel-Rennen entscheidet – gegen ihn. Am Ende der langen Geraden im Autodromo Hermanos Rodriguez hat der Ferrari noch leicht die Nase vorn, aber dann versucht der Niederländer Max Verstappen mit dem in der dünnen Höhenluft extrem schnellen Red-Bull-Renault aus dem Windschatten heraus innen vorbeizugehen. Vettel kann eine Berührung vermeiden, aber kurz darauf fliegen Splitterteile. Lewis Hamilton, der aus Position drei einfach nicht auf Halten fahren kann, sondern kein Halten mehr kennt, ist linksaußen gleichauf, als es wieder scharf rechts geht, schlitzt der Frontflügel von Vettels Ferrari Hamiltons Hinterrad auf. Der Brite verliert sofort an Tempo. Auch Vettel muss den fünften Platz am Ende der Runde aufgeben, mit neuer Front und von Rang 19 nimmt er das Rennen wieder auf. Hamilton kommt etwas später rein, der platte Reifen wird getauscht, als Letzter kommt er auf die Piste zurück. Nach dem ersten Schock-Moment wird nun klar: der Titelgewinn ist zum Greifen nah. Über Funk fragt der Brite: „Hat Vettel mich absichtlich getroffen?“ Die Rennleitung entscheidet: keine Ermittlungen, normales Startchaos.

Mit diesem Titel wird er zum erfolgreichsten Briten

Vettel kämpft verbissen um seine Chance, er muss unbedingt Zweiter werden, um seine Hoffnungen noch am Leben zu erhalten. Der schon überrundete Hamilton klagt bald: „Ich komme nicht ran.“ Eine Zitterpartie beginnt, die Mercedes-Teamchef Toto Wolff an den angespannten Gesichtszügen abzulesen ist. Aber kurz vor der Rennhälfte, als Vettel Siebter ist, ist es noch eine gute Minute Abstand auf den zweiten Rang für den Ferrari, doch Vettel riskiert alles, muss es auch. Er lässt beim Boxenstopp die ultrasoften Reifen aufziehen, die schneller sind, aber sich auch schneller abreiben. Er fährt zunächst eine beste Runde nach der anderen. Doch als er auf Platz vier angelangt ist und den Rückstand nach vorn hört, resigniert er: „Mamma mia! Das ist ein bisschen zu viel.“ Selbst für ihn. Hamilton hat beim Halt die konservativere Mischung gewählt. Er will zu Ende fahren, möglichst in die Punkte. Den zehnten Rang erreicht er in Runde 57, dann liefert er sich noch ein wildes Duell mit dem Ex-Kollegen Fernando Alonso. Eine Frage der Ehre. Minimalziel und Maximalsieg erreicht.

„Danke, Danke, Danke, Danke. Vier Mal Danke“, funkt Team-Oberaufseher Niki Lauda dem Weltmeister ins Auto. Lewis Hamilton ist mit seinem vierten Titel der erfolgreichste Brite. „Ich brauche erst mal Zeit, um das sacken zu lassen“, sagt er. Hamilton löst damit Jackie Stewart ab. Der sagt im Rennstadion von Mexiko: „Ein würdiger Nachfolger. Nach 44 Jahren war es auch mal Zeit für einen Wechsel.“ Die Bestmarke für die meisten Pole-Positions in der Formel 1 hat Hamilton Michael Schumacher schon abgenommen. Da bietet sich die Mutmaßung an, ob Hamilton so lange fahren will, bis er sieben Titel gewonnen hat. Bei solchen Fragestellungen macht sich der sonst so selbstbewusste und immer unter Körperspannung stehende Rennfahrer ganz klein: „Es ist doch schon hart genug, von Saison zu Saison zu denken. Ich kann nur sagen, dass ich momentan so gern fahre wie noch nie und vielleicht auch besser denn je. Ich für mich habe mir nicht das Ziel gesetzt, sieben Titel zu holen.“ Was nicht ist, kann ja noch werden. Hamilton ist 32, Zeit genug hat er also noch.


© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.