Kommentar

Ein Hoch auf die Beharrlichkeit des Nico Rosberg

Nico Rosberg ist Formel-1-Weltmeister. Er hat bewiesen, wie unberechtigt die Zweifel an ihm waren, meint Raik Hannemann.

Nico Rosberg feiert seinen WM-Titel mit seiner Frau - und einer Champagnerdusche

Nico Rosberg feiert seinen WM-Titel mit seiner Frau - und einer Champagnerdusche

Foto: Srdjan Suki / dpa

Seit drei Jahren schon produziert die Formel 1 beschleunigte Langeweile. Gut 90 Prozent der Rennen in der Hybrid-Ära hat Mercedes überlegen gewonnen, in dieser Saison wieder 19 von 21. Mehr Dominanz gab es nie. Und jetzt holt mit Nico Rosberg auch noch einer den Weltmeister-Titel, den selbst der Impresario Bernie Ecclestone nicht sonderlich schätzt.

Sein Triumph würde „dem Sport nicht unbedingt helfen“, hatte der 86-Jährige im Saisonverlauf über den Deutschen geätzt, der talentiertere Lewis Hamilton sei auch dank schillerndem Privatleben der medienwirksamere Botschafter. Dass der Brite auch 2016 noch ein Saisonrennen mehr gewann als sein Teamkollege und nur wegen technischer Defekte den Titel-Hattrick verpasste, wird man sicher noch öfter hören als Argumente contra Rosberg.

Viel zu schnell wird so aber vergessen, dass es im Sport nie nur um pures Talent an sich und Schlagzeilen geht, sondern immer auch um andere Werte. Harte Arbeit und Beharrlichkeit zum Beispiel: Rosberg wollte nie nur Statist sein wie die meisten anderen Piloten im Feld, auch deswegen hat er im vierten gemeinsamen Silberpfeil-Jahr Hamilton nun endlich bezwungen, das Image als ewiger Zweiter damit abgestreift.

Dafür hat er viel Fähigkeit zur Selbstoptimierung beweisen müssen, mit Detailversessenheit hat er seine Defiziten weggearbeitet. Rosberg überwand so eine Schwäche bei den Starts, optimierte zuletzt sogar Atmung und Schlafrhythmus mit Experten der Weltraumbehörde Nasa. Und nie verlor der Tüftler den Glauben an sich und hielt bis zur Zieldurchfahrt eisern an seiner Taktik fest, sich ohne Tamtam auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Weitere Titel würden niemanden mehr verwundern

„Ich war 1989 in einer ähnlichen Situation, als jeder auf Ayrton Senna blickte. Das ist mental extrem schwer zu bewältigen. Nico hat meine volle Sympathie, ich weiß, wie sich das anfühlt“, lobte ihn Alain Prost, heute 61 Jahre alt. Der Franzose erhielt in der Formel 1 damals dann den Spitznamen „Professor“ und gewann den Titel trotz angeblicher Defizite letztlich viermal. Wer weiß, womöglich löst der Titelgewinn ja auch noch weitere Bremsen, und auch bei Rosberg kommen weitere WM-Triumphe hinzu. Wundern dürfte es bei seiner Einstellung ab jetzt aber niemanden mehr.