Grand Prix von Brasilien

Rosberg und Hamilton als Meister des Rollenspiels

Ex-Chef Norbert Haug ist sich sicher: Das öffentliche Bild der Rivalen Rosberg und Hamilton ist verzerrt. Jeder spiele nur eine Rolle.

WM-Spitzenreiter Nico Rosberg (Mitte) achtet auf jeden Handgriff an seinem Mercedes

WM-Spitzenreiter Nico Rosberg (Mitte) achtet auf jeden Handgriff an seinem Mercedes

Foto: imago sportfotodienst / imago/LAT Photographic

Sao Paulo/Stuttgart.  Neulich hat Nico Rosberg gezeigt, dass auch er es auch kann. Nach dem US-Grand-Prix rockte der 31-Jährige im „Pete’s“, einem Nachtclub in Austin. Auf Facebook postete er ein Video der Gesangseinlage.

Eigentlich sind solche Auftritte die Sache von Lewis Hamilton. Der Brite gilt als das Feierbiest der Formel 1 schlechthin, jettet um die Welt, um bei Galas und Filmpremieren über die roten Teppiche laufen zu können. Sogar seine Bulldogge hat einen eigenen Social-Media-Auftritt. Rosberg gilt dagegen als seriöser Familienvater, der zuhause bei Frau Vivian und Tochter Alaa entspannt und sich auf die nächsten Rennen vorbereitet.

Norbert Haug kann über diese Kategorisierung der Mercedes-Piloten nur schmunzeln. Als ehemaliger Motorsportchef des Konzerns kennt er beide Fahrer schon lange. Und damit sehr gut. „Ich halte es für einen kompletten Blödsinn, wie die Fahrer dargestellt werden“, sagt er. Als gelernter Journalist weiß er aber auch, dass genau diese Einteilung in gut und böse zum Geschäft gehört: „Jeder spielt da nur seine Rolle.“

Rosberg ist pfiffig und lustig

Er selbst hat Rosberg im kleinen Kreis schon häufig anders erlebt, als er in der Öffentlichkeit dargestellt wird. „Der Nico ist ein total pfiffiger, ein lustiger, aber auch sehr konzentrierter Kerl. Ich kann mir keinen besseren Typen vorstellen“, so Haug. Die Aufforderung, dies mit Anekdoten zu verdeutlichen, ignoriert er. „Ich will private Dinge privat lassen.“ So ist das halt, wenn man einen seit Kindestagen kennt.

Ebenso lange kennt auch Arno Zensen den WM-Führenden. Der Teamchef von Rennteams Rosbergs kann sich gut an einen Trip nach Helsinki erinnern. Keke Rosberg fuhr 1995 noch DTM. Der Publikumsliebling musste ununterbrochen Autogramme schreiben. Auch der zehnjährige Nico an seiner Seite wurde um die ein oder andere Unterschrift gebeten. Nach kurzer Zeit, so erinnert sich Zensen heute, sagte der Filius: „Wenn ich mein ganzes Leben Autogramme schreiben muss, dann will ich nicht so bekannt werden wie mein Vater.“

Die Chance dazu ist wohl vertan. Und wenn es mit dem WM-Titel klappt, dann gehört die Familie Rosberg zu einem ganz erlesenen Kreis. Erst einmal ist es einem Sohn gelungen, wie sein Vater Weltmeister zu werden. Dies gelang 1996 Damon Hill, dessen Vater Graham 1962 und 1968 Champion war.

Vater Keke war bekannt für seine Sprüche

In beiden Fällen ist man geneigt zu sagen, dass eher der Senior ein „wilder Hund“ war. Keke hat als Rennfahrer noch bis kurz vorm Start geraucht, hat nicht nur bei Feiern Alkohol getrunken. Für knallige Sprüche war er ebenso immer zu haben.

Heute würde so ein Auftreten für einen riesigen Sturm der Entrüstung sorgen. Deshalb ist heute auch viel mehr Zurückhaltung angesagt. „Nico weiß, dass, wenn er einen markigen Spruch raushaut, er in der heutigen Medienwelt zehn Tage damit zu tun hat“, sagt Haug. Auch sei die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren heute viel aufwändiger und komplexer. Für Party-Ausflüge bleibt da oft auch einfach weniger Zeit.