Grand Prix von Brasilien

Rosberg braucht Geduld auf dem Weg zu Titel

Nico Rosberg kann in Brasilien Weltmeister werden. Doch auf Startplatz zwei hinter Rivale Hamilton darf er nicht zu viel riskieren.

Nico Rosberg ist mit einem Sieg beim Grand Prix von Brasilien Formel-1-Weltmeister

Nico Rosberg ist mit einem Sieg beim Grand Prix von Brasilien Formel-1-Weltmeister

Foto: Sebastiao Moreira / dpa

Sao Paulo.  Für die vorzeitige Erfüllung seines Kindheitstraums muss Nico Rosberg in Brasilien wohl seine Fähigkeiten als „Regengott“ beweisen. Der Mercedes-Pilot, der beim Großen Preis von Brasilien mit einem Sieg aus eigener Kraft erstmals Formel-1-Weltmeister werden kann, wurde in der Qualifikation für den Großer Preis in Sao Paulo Zweiter hinter seinem Teamkollegen und einzig verbliebenen WM-Rivalen Lewis Hamilton (England). Allerdings könnten die Karten angesichts eines prognostizierten Regenrisikos aber komplett neu gemischt werden.

Um 0,102 Sekunden war Rosberg (1:10,838 Minuten) langsamer als der bärenstark fahrende Hamilton, der sich in 1:10,736 Minuten die 60. Pole seiner Karriere sicherte und damit gute Chancen hat, auch Rosbergs zweiten WM-Matchball abzuwehren. Allerdings schwächelte der 51-malige Grand-Prix-Sieger, der in Brasilien noch ohne Erfolg ist, in dieser Saison häufiger beim Start als Rosberg. „Ich habe natürlich mein Bestes gegeben, das hat nicht gereicht. Die Pole ist nicht alles, ich habe für morgen noch alle Chancen“, sagte Rosberg, der in den beiden Vorjahren das Rennen in Brasilien jeweils gewann, allerdings als Pole-Setter.

Und auch wenn er das heutige Rennen „wie jedes andere“ angehen will, weiß er doch: Schon hier in Interlagos den Sack zuzumachen wäre weit angenehmer, als es auf eine Entscheidung im letzten Saison-Rennen in Abu Dhabi (27. 11.) ankommen zu lassen. Denn in einem Herzschlag-Finale kann viel passieren – und viel schief gehen.

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Hamilton mit viel Erfahrung bei engen Saisonfinals

Hamilton hat viel positive Erfahrung mit finalen Entscheidungen. Vor zwei Jahren setzte er sich schon einmal in den Emiraten gegen Rosberg durch, als dieser bei Rennmitte Probleme mit der Energierückgewinnung bekam und aussichtslos zurückfiel. Es war das einzige Rennen mit Ecclestones umstrittener Idee der doppelten Punkte.

Hamilton war auch in seinem zweiten Formel-1-Jahr (2008) sehr glücklich, als er in der vorletzten Kurve im letzten Rennen – in Interlagos – Timo Glock im Toyota überholen konnte und seinen McLaren-Mercedes als Fünfter ins Ziel brachte – was den vorzeitigen Jubel in der Ferrari-Box über den Rennsieger und vermeintlichen neuen Champion Felipe Massa je verstummen ließ. Williams-Pilot Massa wird heute einen emotionalen letzten GP vor seinen Fans bestreiten und die F1-Karriere in Abu Dhabi beenden.

Wer viel Erfahrung mit Entscheidungen in den letzten Runden der Saison hat, ist Fernando Alonso. Darum sagt er auch: „Es kann noch viel passieren und Nico den Titel verlieren.“ Der Asturier würde Rosberg jedoch als verdienten Champion sehen: „Nur letztes Jahr dominierte Lewis. Sonst waren beide auf gleichem Niveau und wechselten einander beim Siegen ab. Jetzt ist Nico richtig konstant geworden. Doch ich muss ihn warnen: Ich war auch mehrfach in seiner Position und verlor den Titel.“

Ärger um Wolffs Anruf bei Verstappens Vater

Insbesondere Regen könnte ein Faktor werden, doch Rosberg will mit Geduld Vollgas geben. „Für mich spielt trocken oder nass keine Rolle. Ich habe mich früher auch bei Regen in Interlagos wohl gefühlt“, sagte der WM-Führende.

Um weitere externe Faktoren auszuschließen, hat Mercedes-Motorsportchef Christian „Toto“ Wolff zudem mit Jos Verstappen, Vater des für seine kompromisslose Fahrweise bekannten Red-Bull-Piloten Max, telefonierte. Medienberichten zufolge hat Wolff auf den Ex-Rennfahrer eingewirkt, seinen Sohn zur gemäßigten Fahrweise in Zweikämpfen mit den Titelkandidaten zu bewegen. Laut Wolff war es ein „rein freundschaftliches Gespräch“.

Bei Red Bull sorgte es allerdings für Ärger. Der Motorsport-Beauftragte Helmut Marko schäumte: „Ich habe so eine Einmischung noch nie erlebt. Den Vater eines Fahrers anzurufen, um ihn zu manipulieren. Das ist schlechter Stil.“ mit sid