Formel 1

Nico Rosberg: „Hamilton wird bald zurückschlagen“

Der deutsche Pilot Nico Rosberg über die Probleme seines Weltmeister-Kollegen, die neuen Regeln und den Rekord von Michael Schumacher.

Nico Rosberg (l.) kann beim Großen Preis von Spanien in Barcelona den fünften Sieg in dieser Saison landen

Nico Rosberg (l.) kann beim Großen Preis von Spanien in Barcelona den fünften Sieg in dieser Saison landen

Foto: Andreu Dalmau / dpa

Barcelona.  Fünf Siege am Stück zum Saisonstart, das schafften in fast 70 Jahren Formel 1 bisher nur Michael Schumacher (2004) und Nigel Mansell (1992) – am Sonntag kann Nico Rosberg beim Großen Preis von Spanien mit den späteren Weltmeistern gleichziehen. Saisonübergreifend liegt Mercedes-Pilot Rosberg übrigens bei sieben Siegen in Folge, die Bestmarke hält hier Sebastian Vettel (2013) mit einer Neuner-Serie. Davor zeigt sich der Deutsche im Gespräch mit der Berliner Morgenpost, wie man es von einem WM-Dominator erwartet: bestens gelaunt, selbstsicher, aber auch sehr realistisch.

Berliner Morgenpost: Wenn Sie in den vergangenen Tagen erwachten, dachten Sie da manchmal: träume ich? Oder ist die Siegesserie schon ganz real geworden?

Nico Rosberg: Das ist schon eine außergewöhnliche Situation. Klar, man fragt sich schon manchmal – aber ich denke, da steckt ein hartes Stück Arbeit dahinter, und plötzlich hat alles gepasst.

Machen Sie jetzt etwas anders als früher?

Es kommt natürlich die Erfahrung der vergangenen Jahre dazu, die hat mich mit Sicherheit stärker gemacht. Auch durch das Duell mit Lewis Hamilton. Das hat uns beide weitergebracht – und auch das gesamte Team. Wir haben uns gegenseitig gepusht.

Hat sich das Verhältnis zum Weltmeister und Mercedes-Kollegen durch Ihre Erfolge verändert?

Das ist ganz neutral, geht manchmal auf und manchmal ab. Und es ist von gegenseitigem Respekt geprägt. Lewis ist genauso fokussiert und entschlossen wie immer. Er wird zurückschlagen. Es ist also nicht so schwer, die Füße unter dem Boden zu behalten, man muss nur realistisch sein

Fürchten Sie technische Rückschläge wie sie zuletzt Hamilton getroffen haben? Der Titelverteidiger hat deswegen schon drei der fünf in dieser Saison erlaubten Motoren verbraucht und muss nun sogar eine weitere Strafe im Saisonverlauf fürchten.

Das sind Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, daher beschäftige ich mich auch nicht mit solchen Überlegungen. Ganz im Gegenteil, ich habe so großes Vertrauen ins Team, dass es alle Probleme lösen kann, wenn sie auftreten.

Was für eine Gefühl ist es, einen Rekord Michael Schumachers erreichen zu können?

Ich würde mich deshalb niemals auf einer Ebene mit Michael sehen, aber es ist schon cool, darüber nachzudenken. Ich hätte nicht damit gerechnet.

Ist der Vorsprung von Mercedes geringer geworden, wie so viele Experten behaupten?

Ja, besonders durch Ferrari. Auch wenn Sotschi eine Ausnahme war. Ferrari ist mit Sicherheit näher dran an uns als in der Vergangenheit.

Welche der kommenden Strecken könnte für Mercedes besonders günstig oder kritisch sein?

Wir haben da einen ganz guten Durchschnitt, keine Strecken, die besonders kritisch oder auch günstig sind. Der Red-Bull-Ring (am 3. Juli, d.Red.) könnte für uns schwierig werden…

Aber nicht für Sie nach den zwei Siegen dort…

Ja, das stimmt, für mich war Spielberg eine Heimstrecke. Aber ich kann nicht erklären, warum (lacht). Wahrscheinlich wegen der Unterstützung meiner österreichischen Fans für mich als Viertel-Österreicher! (Rosberg verbrachte einen Teil seiner Kindheit mit den Eltern in Zell am See – die Redaktion) Ich habe ja in Zell damals Eishockey gespielt und erst kürzlich beim Laureus in Berlin wieder. Das ist ein wirklich cooler Sport für mich!

Beschäftigen Sie sich mit Statistiken, mit möglichen neuen Regeln oder Sicherheitsfragen?

Ja, schon. Diese Dinge interessieren mich.

Was halten Sie vom Cockpitschutz, der in der Formel 1 in zwei, drei Jahren eingeführt werden soll?

Das offene Cockpit ist bei Unfällen die größte Gefahr für uns. Es ist gut, dass dazu geforscht wird, wir beschäftigen uns auch bei Mercedes damit. Andererseits soll die Ästhetik der Autos nicht zerstört werden. Aber ich möchte auf Jackie Stewart in den späten 1960er-, frühen 1970er-Jahren verweisen, der ein Kämpfer für mehr Sicherheit war und der viel Kritik ausgesetzt war. Irgendwie ist die Situation heute eine Kopie, genau gleich.

Ist die in dieser Saison neue Beschränkung des Funkverkehrs mit der Box für Sie ein Problem?

Es ist anders. Mein Display hat viel mehr Details, die ich beachten muss. Was mir bisher der Ingenieur am Funk sagte, muss ich jetzt selbst am Display beobachten. Das ist schon eine Herausforderung, die uns von einer angestrebten Perfektion entfernt. Es wurde jetzt für den Fahrer komplizierter, aber ich finde das auch gut.

Wie hat sich Ihr Leben durch die nun acht Monate alte Tochter Alaia verändert?

Das ist jetzt ganz anders, die Verantwortung… (lacht) Meine Liebe hat sich verdoppelt! Das ist das größte Geschenk, das es gibt.

Stehen Sie in der Nacht auf, wenn die Kleine schreit?

Ja, auch. Ich helfe mit. Aber ich kann sagen, wir haben großes Glück mit ihr.