Formel 1 in Belgien

Alonso übersteht Horrorcrash in Spa unverletzt

Das Trio Romain Grosjean, Lewis Hamilton und Fernando Alonso sorgte in Spa für den bislang heftigsten Crash dieser Formel-1-Saison.

Vier Sekunden nach dem Start war Michael Schumacher seine Rolle als Hauptdarsteller des Großen Preises von Belgien los. Der in den vergangenen Tagen omnipräsente Jubilar verlor seinen Sonderstatus noch vor der ersten Kurve seines 300. Grand Prix an das Trio Romain Grosjean, Lewis Hamilton und Fernando Alonso, das für den bislang heftigsten Crash dieser Formel-1-Saison sorgte.

Der junge Lotus-Pilot bedrängte McLaren-Star Hamilton, ihre Boliden verkeilten sich und rasierten anschließend nur knapp am Helm des Gesamtführenden Alonso vorbei. Alle drei blieben unverletzt, schieden aber aus und ebneten Jenson Button damit den Weg zum zweiten Saisonsieg vor Sebastian Vettel.

Grosjean für Monza gesperrt

„Ich kann es kaum glauben“, jubelte Button nach der Zieldurchfahrt: „Das hier ist ein ganz besonderer Kurs für uns Fahrer. Es war kein einfaches Jahr für mich, umso glücklicher bin ich über den Sieg.“ Sein Teamkollege war weniger gut gelaunt. Als Hamilton nach dem Unfall zurück in die Boxengasse ging, gestikulierte er wutentbrannt in Richtung Grosjean. Der ebenfalls in den Unfall involvierte Sauber-Pilot Sergio Perez forderte noch während des Rennens eine Strafe für Grosjean: „Ich hoffe, dass die Renn-Kommissare reagieren werden.“ Im Gegensatz zu dem Mexikaner verlor Hamilton zusätzlich wichtigen Boden im Kampf um die WM-Krone. Die Jury sprach später eine Sperre von einem Rennen (Monza) für Grosjean plus 50.000 Euro Geldstrafe aus.

Der eigentliche Gewinner nach 44 turbulenten Runden heißt Sebastian Vettel. Der Titelverteidiger, der nach der Qualifikation noch über die Gründe für seinen enttäuschenden zehnten Startplatz gerätselt hatte, pflügte nach dem Restart in Runde fünf durch das Feld wie zu besten Weltmeister-Zeiten. Weder sein Teamkollege Mark Webber noch der Drittplatzierte Kimi Räikkönen konnten ihm folgen.

„Wir hatten heute eine fantastische Strategie. Es war die richtige Entscheidung, nach meinem Boxenstopp auf der Strecke zu bleiben, obwohl es auch nach hinten hätte losgehen können“, sagte der Red-Bull-Pilot, der nach zwei frustrierenden Rennen in Hockenheim und Budapest sein Lächeln wiedergefunden hat: „Das war ein wunderbarer Abschluss.“

Nicht einmal ein riskantes Manöver von Schumacher, der nach der Hälfte des Rennens einen sehr eigenwilligen Weg in die Box nahm und damit fast eine Kollision mit seinem einstigen Lehrling provoziert hätte, brachte Vettel aus dem Rhythmus. Satte 17 Zähler macht er auf Ferrari-Frontmann Alonso gut und verwandelt damit acht Rennen vor Schluss eine beinahe entschiedene WM zurück in eine spannende: „Das war heute richtig gut für die Punkte. Jetzt hoffe ich natürlich, dass es so weitergeht.“ Der Spanier dagegen saß nach dem Start-Crash geschockt in der Ferrari-Box und starrte ins Leere, als er realisierte, wie knapp er an einer üblen Kopfverletzung vorbeigeschrammt war. Als Vettel später auf das Podium kletterte, war Alonso schon längst verschwunden.

Die Spitzenposition im Gesamtklassement behielt der Mann aus Oviedo, doch sein Vorsprung auf die Verfolger Vettel (24 Punkte zurück), Webber (32) und Ex-Weltmeister Räikkönen (33) ist erheblich geschmolzen. Der Grand Prix von Belgien wurde für den Spanier zu dem Wochenende, vor dem er sich im Vorfeld gefürchtet hatte. „In zwei, drei Rennen kannst du alles verlieren“, hatte er am Donnerstag geunkt. Soweit ist es freilich noch nicht, doch zumindest seine imposante Serie von 23 Top-Ten-Ergebnissen hintereinander ist gestoppt und Schumachers Bestmarke von 25 Punkte-Resultaten in Serie aus dem Jahr 2003 vorerst gerettet.

Der 43-Jährige landete am Ende seines Jubiläums-Rennens auf Rang sieben und profitierte dabei vor allem von zahlreichen Unfällen seiner Kollegen: Insgesamt fünf der vor ihm gestarteten Fahrzeuge schieden aus. Bereits am Abend zuvor, als er Freunde und Sponsoren zu einem kleinen Umtrunk ins Motorhome seines Rennstalls Mercedes eingeladen hatte, wirkte der Kerpener wieder einmal unzufrieden mit seinem Boliden.

Schumacher: „Nur Hasenfutter“

Nach der Zieldurchfahrt sagte er wenig euphorisch: „Wir mussten erkennen, dass wir mit den älteren Reifen Hasenfutter waren. Sieben Runden vor Schluss hat dann auch noch mein sechster Gang den Geist aufgegeben.“

Teamchef Ross Brawn stellte zwar einige Technikneuerungen für den Rest der Saison in Aussicht. Allerdings sollen die erst nach dem kommenden Rennen in Monza zur Verfügung stehen. In Nord-Italien droht Mercedes am kommenden Sonntag somit eine weitere Ernüchterung.

Schumachers Stallgefährte Nico Rosberg fuhr in Spa von Startplatz 23 auf Rang elf vor, blieb jedoch zum vierten Mal in diesem Jahr ohne zählbaren Erfolg. Force-India-Fahrer Nico Hülkenberg hingegen schaffte mit Position vier seine beste Saison-Platzierung. Nicht unwichtig für die anstehenden Vertragsverhandlungen.