Formel 1

Ecclestone kauft den Nürburgring - oder doch nicht?

Nach der Insolvenz soll der Nürburgring privatisiert werden. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone interessiert sich für die Strecke.

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Formel-1-Boss Bernie Ecclestone will offenbar den insolventen Nürburgring kaufen. Konkrete Bedingungen und Preisvorstellungen soll er aber auf Anfrage nicht mitgeteilt haben, berichtet die Zeitung „Rheinpfalz“.

Dem Bericht zufolge ist der 83-Jährige aber nicht bereit, Formel-1-Rennen in der Eifel auf eigenes Risiko zu veranstalten. Er habe auch kein Angebot auf Verzicht der Fahrerfeldgebühren bei einem möglichen Rennen im kommenden Jahr gemacht, sagte Ecclestone.

Genau das hatten die privaten und mittlerweile gekündigten Nürburgring-Pächter Kai Richter und Jörg Lindner aber behauptet. Ihren Angaben zufolge wurde mit Ecclestone ein Konzept gefunden, bei dem künftig Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring ohne Zuschüsse des Landes auskommen.

Linder selbst sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, dass er mit der privaten Nürburgring Automotive GmbH (NAG) bei einer Ausschreibung des Nürburgrings mitbieten werde. „Wir werden uns, wenn eine Ausschreibung auf dem Tisch liegt, Gedanken darüber machen, ob und in welcher Form wir uns an dieser Ausschreibung beteiligen - selbstverständlich“, wird Lindner zitiert.

Die staatliche Nürburgring GmbH als Besitzgesellschaft der Rennstrecke mit angrenzender Immobilie hatte am Freitag Insolvenz beantragt. Der vorläufige Gläubigerausschuss hatte daraufhin einem Verfahren in Eigenverantwortung zugestimmt.

Der Sanierungsgeschäftsführer des Unternehmens und der Tochterfirmen, Thomas B. Schmidt, kündigte am Mittwoch an, dass langfristig eine Privatisierung des Nürburgrings vorgesehen ist. Diese könne aber erst erfolgen, wenn die Trennung von der NAG vollzogen sei. Dann solle weltweit auf die Suche nach Investoren gegangen werden.

Warnungen waren bekannt

Einem neuen Bericht zufolge hatte es möglicherweise schon frühzeitig Warnungen vor hohen Verlusten bei der Nürburgring GmbH gegeben. Die für die rheinland-pfälzische Landesgesellschaft tätigen Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young hätten bereits in einem internen Papier vom Juli 2010 Verluste über insgesamt 191,9 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 vorhergesagt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Unter Umständen seien sogar Zusagen des Landes nötig, als Geldgeber einzuspringen, habe es in den Unterlagen geheißen.

Die Warnungen der Wirtschaftsprüfer wären damit zu einem Zeitpunkt gekommen, als sich Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) noch zuversichtlich in Sachen Nürburgring zeigte, heißt es in dem Zeitungsbericht. Im Wahlkampf für die Landtagswahl 2011 habe er erklärt, die weltbekannte Rennstrecke in der Eifel sei "auf dem Weg zu einem Erfolgsmodell".

Unklar ist dem Bericht zufolge allerdings, ob das Papier der Nürburgring GmbH überhaupt deren Aufsichtsrat und der Landesregierung vorlag. Das Innenministerium in Mainz hatte demnach nun erklärte, die genannten Zahlen "nicht verifizieren" zu können.

Die Nürburgring GmbH gehört zu 90 Prozent dem Land und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler. Die Gesellschaft selbst hatte ihre Geldprobleme zuletzt vor allem mit ausbleibenden Pachtzahlungen begründet, deretwegen sie ihre Kreditraten nicht mehr habe zahlen können.

Die Nürburgring GmbH hat ein Darlehen bei der landeseigenen ISB-Bank über 330 Millionen Euro offen sowie ein Darlehen beim Land Rheinland-Pfalz über 83 Millionen Euro. Das Land wollte der Gesellschaft mit weiteren 13 Millionen Euro unter die Arme greifen und hatte einen dazu notwendigen Antrag bei der EU-Kommission gestellt.

Weil aus Brüssel eine Entscheidung zum Hilfsgeld weiter aussteht, wäre der Betrieb bald pleite und ging daher in die Insolvenz.