GP von Europa

Schumacher steht nach 2093 Tagen wieder auf dem Podium

Alonso siegt in Valencia, Räikkönen wird Zweiter. Michael Schumacher gelingt nach langer Durststrecke ein überraschendes Comeback.

Foto: Getty

Es war eine verdammt lange Zeit, die Michael Schumacher nicht mehr auf einem Formel-1-Siegerpodest gestanden hat – genauer 2093 Tage. Am 1. Oktober 2006 war ihm das zuletzt in Shanghai gelungen – damals als Sieger.

„Danke, Jungs, das ist großartig. Wow!“, funkte Schumacher nach der Zieldurchfahrt als Dritter an die Mercedes-Box. In Valencia teilte er sich den Jubel mit seinen „alten Bekannten“ Fernando Alonso und dem zweitplatzierten Finnen Kimi Räikkönen (Lotus). Zehn WM-Titel – Schumacher sieben, Alonso zwei, Räikkönen einen – waren auf dem Podest versammelt.

Vettel war zum Heulen zumute

Und die drei Routiniers lagen sich bei der Siegerehrung in den Armen. Schumi und Kimi schauten sich wie verliebt in die Augen. Und Ferrari-Star Alonso, von Startplatz elf zum Sieg gerast, als erster Fahrer in dieser Saison zum zweiten Mal erfolgreich, kämpfte nach 1:44:16,649 Stunden Renndauer vor seinen rund 100.000 frenetisch jubelnden Landsleuten sogar vergeblich mit den Tränen.

Zum Heulen war auch Titelverteidiger Sebastian Vettel zumute. Der Red Bull des 24-Jährigen wurde in Runde 34 immer langsamer, ehe der Blondschopf seinen Dienstwagen abstellen musste.

„Wir wissen noch nicht genau, was das Problem war. Es war wahrscheinlich eine Kombination aus dem Safety Car, und vielleicht ein ähnliches Problem wie Mark am Freitag schon hatte. Es ist ein bisschen scheiße gelaufen“, sagte Vettel bei RTL.

Es war sein erster Ausfall seit dem 13. November 2011 in Abu Dhabi. Vettels Teamchef Christian Horner sagte: „Wir haben im Moment die Lichtmaschine im Verdacht.“

Schumacher auf Wolke sieben

Der völlig frustrierte Vettel war doppelt geschädigt. Nach einer fulminanten Fahrt von der Spitze weg, wurde sein Vorwärtsdrang vom Safety-Car gebremst. Vettel kritisierte vor allem die Entscheidung der Rennleitung, nach einer Kollision zwischen Heikki Kovalainen (Finnland, Caterham) und Jean-Eric Vergne (Frankreich, Toro Rosso) das „SC“ überhaupt auf die Strecke zu schicken.

„Man hat gesehen, dass wir die Schnellsten da draußen waren. Das Safety hätte man sich sparen können. Da ging es glaube ich darum, das Feld einzubremsen“, so der Heppenheimer.

Und der sonst so besonnene Deutsche legte nach: „Wichtig ist, dass jeder gesehen hat, wie es heute ausgesehen hätte, wir sind bis dahin allen ungestört davongefahren. Das gibt mir Zuversicht, obwohl das Ergebnis nicht so ist, wie wir es gerne gehabt hätten.“

Michael Schumacher schwebte derweil auf Wolke sieben. Bei der Pressekonferenz vergaß er vor lauter Entwöhnung sogar, dass er Deutsch sprechen durfte.

Er begann seinen Dank ans Teams auf Englisch, um dann umzuschwenken. „Das üben wir jetzt ein paar Mal, dann klappt das wieder. Danke an die, die mir vertraut haben. Das hier und die Poleposition in Monaco sind so ganz spezielle Momente in der Formel 1. Wir haben hart gearbeitet und wir werden auch wieder ganz oben stehen.“

Alonso nah am Wasser gebaut

Teamkollege Nico Rosberg war mit Rang sechs ebenfalls zufrieden. „Oh Mannomann war das ein Rennen“, sagte der 26-Jährige und lobte dann den Teamgefährten, der zuvor in sieben Rennen fünfmal ausgefallen war: „Wenn man bedenkt, wo er losgefahren ist (Platz zwölf, d.R.) und wie er aufgeholt hat.“

Bei Mercedes gab es noch einige bange Minuten zu überstehen. Es kam die Meldung auf, Schumacher habe verbotenerweise unter gelber Flagge den verstellbaren Heckflügel, der in dieser Konfiguration das Überholen erleichtert, benutzt.

Fernando Alonso, vom dreimaligen Weltmeister Niki Lauda als „harter, arroganter Hund, der aber Emotionen zeigen kann, wenn seine Arbeit belohnt wird“ beschrieben, war passend zur Strecke am Hafen von Valencia nah am Wasser gebaut.

„Das war vielleicht mein schönster Sieg. Es ist schwierig in Worte zu fassen, wie ich mich fühle“, stammelte der Spanier: „Den Heim-Grand-Prix zu gewinnen, ist etwas Einzigartiges. Ich fühle mich sehr stolz, dass wir sportlich vorn sind.“

Der Weltmeister von 2005 und 2006 liegt mit 111 Punkten in der WM-Gesamtwertung jetzt vor dem in Valencia sechstplazierten Australier Mark Webber im zweiten Red Bull (91), dem britischen McLaren-Fahrer Lewis Hamilton (88) und Vettel, der es auf 85 bringt.

Keine Zeit für Vertragsgespräche

Hamilton benötigte nach dem achten WM-Lauf der Saison 2012 wie Vettel ein Beißholz. Nach einer vom Williams-Mann Pastor Maldonado (Venezuela) verschuldeten Kollision schied er aus. Wütend hämmerte der Champion von 2008 auf sein Lenkrad und warf seine Handschuhe auf die Straße. Für den hinter den Streithähnen liegenden Schumacher war es dagegen Glück.

Mit dem Rückenwind der Poleposition von Monaco und dem ersten Podestplatz seit seinem Comeback 2010 dürfte der 43-Jährige die anstehende Entscheidung, seinen Vertrag bei Mercedes zu verlängern, in neuem Licht betrachten. Die Silberpfeile sind in einer Saison, die sich durch eine lange vermisste Leistungsdichte auszeichnet, näher an die Spitze herangerückt.

Für Mercedes-Sportchef Norbert Haug besteht dennoch kein Grund zur Eile. „Wir fahren gute Ergebnisse ein und konzentrieren uns auf die nächsten Rennen. Über Verträge sprechen wir, wenn die Zeit dafür reif ist.“

Das nächste WM-Rennen wird am 8. Juli in Silverstone ausgetragen.