Punktlos in Sepang

Das Lächeln bei Sebastian Vettel ist vorbei

Der Große Preis von Malaysia zeigt, dass die Zeit der großen Dominanz von Sebastian Vettel vorbei ist. "Die aktuellen Kräfteverhältnisse sind neu für ihn", sagt Adrian Sutil zu Morgenpost Online.

Narain Karthikeyan war zufrieden mit sich und der Welt, als er nach dem Formel-1-Rennen von Sepang durch die Boxengasse lief. Es sei sehr kompliziert gewesen, das Auto bei dem unbeständigen Wetter auf der nassen Strecke zu halten, sagte er, und dass noch viel Arbeit vor ihm und dem HRT-Team liege: „Aber es überwiegt die Freude, dass ich überhaupt ins Ziel gekommen bin.“

Die indische Presse huldigte ihrem Fahrer: „Ihm ist das Rennen sehr gut bekommen.“ Die Anschuldigungen von Seiten des Red-Bull-Rennstalls, der 35-Jährige habe nach Jenson Button auch Weltmeister Sebastian Vettel die Punkte geklaut?

Die Strafe, die der Automobil-Weltverband Fia anschließend nachträglich gegen ihn verhängte und er damit auf den letzten Rang zurückfiel? Die Schmähungen, die der frustrierte Deutsche ihm hinterherschickte? Wurden mit keinem Wort erwähnt.

17 Zähler Rückstand

Auch die Bewertung eines Autorennens ist offensichtlich eine Frage der Perspektive. Während die Inder treu zu ihrem Piloten halten, hatte sich Vettel auch Stunden nachdem er die Ziellinie als Elfer überfahren hatte, noch nicht beruhigt.

„Wie im echten Leben gibt es auch hier ein paar Gurken, die rumfahren “, schimpfte der Heppenheimer, dem Karthikeyan bei einer harmlosen Überrundung den Hinterreifen aufgeschlitzt hatte: „Da muss er überlegen, ob Autofahren für ihn der richtige Job ist.“ Der Titelverteidiger fiel von Rang vier zurück und verpasste damit wichtige Gutschriften im WM-Klassement.

Viel mehr als die 17 Zähler Rückstand auf den neuen Spitzenreiter Fernando Alonso (Ferrari) und zwölf bzw. sieben Punkte Rückstand das Lewis Hamilton und Jenson Button (beide McLaren) dürfte Vettel wurmen, dass seine Dominanz ein jähes Ende gefunden hat. In seinen Tiraden gegen Karthikeyan schwang auch die Enttäuschung darüber mit. Die Zeit seiner Alleinfahrten ist vorbei , das steht schon nach den ersten beiden von 20 Saisonrennen fest.

„Die aktuellen Kräfteverhältnisse sind neu für ihn“, sagte Adrian Sutil, Vettels Ex-Kollege, im Gespräch mit „Morgenpost Online“: „Daran muss er sich erst gewöhnen. Wenn du ein überragendes Auto hast, ist es leicht, deine Stärken auszuspielen. Schwieriger wird es, wenn das Auto nicht so läuft und du gegen gleichwertige oder stärkere Gegner kämpfen musst. Und dann passieren eben mal Dinge wie jetzt am Sonntag.“

Und die zehren offensichtlich an seine Nerven. Wo sonst sein Lächeln strahlt, war bis zur Abreise aus Sepang nur ein schmaler Strich zu sehen, so fest hatte Vettel seine Lippen aufeinandergepresst.

Erste Sorgenfalten

Nach dem durchwachsenen Qualifying beim Saisonauftakt in Melbourne hatte der 24-Jährige noch gut gelaunt und überzeugt von der eigenen Stärke auf ein kurzfristiges Abstimmungsproblem mit seinem Boliden verwiesen. Den Grand Prix beendete er als Zweiter. Soweit, so planmäßig .

Erst der erneut mittelmäßige sechste Startplatz in Malaysia bei wiederholter Dominanz von McLaren zauberte die ersten Sorgenfalten herbei. Auch Vettels Teamkollege Mark Webber konnte über die Renndistanz nicht mit den Briten mithalten, das war auch schon in Australien so gewesen.

Flucht in die Zukunft

Nachdem in Malaysia zudem die Harmonie mit den Reifen schlechter funktioniert hatte als bei Konkurrenten wie Ferrari, die zu allem Überfluss damit zugleich auch noch WM-Ambitionen angemeldet haben, trat Red Bull die Flucht in die Zukunft an.

„Wir wissen, wo wir uns verbessern können, und versuchen, das bis China in den Griff zu bekommen“, sagte Teamchef Christian Horner. Red-Bull-Berater Helmut Marko ist überzeugt, dass nur Kleinigkeiten fehlen, und formuliert für den dritten Saisonlauf eine klare Zielvorgabe: „Wir müssen um den Sieg fahren können.“

Bis zum nächsten Rennen in China bleiben dem Weltmeisterteam noch bis zum 15. April Zeit, um zur alten Qualität zurückzufinden. Es drohen drei arbeitsame Wochen zu werden.