Saisonfinale in Sao Paulo

Weltmeister Vettel nimmt das finale Handicap gelassen

Beim letzten Formel-1-Rennen des Jahres bremst ein Defekt Sebastian Vettel. Doch der Weltmeister findet es nicht angemessen, wenn ich mich ärgern würde".

Am Ende gab es gnädig Streicheleinheiten für den Schattenmann dieser Saison. Mark Webber, die klare Nummer zwei des Red-Bull-Rennstalls, durfte das Ziel beim Finale in Interlagos einmal als Sieger überqueren. Das ungewohnte Glücksgefühl hatte er allerdings seinem Stallgefährten Sebastian Vettel zu verdanken. Der deutsche Weltmeister musste das Rennen in der zweiten Hälfte im Schongang zurücklegen, ihn plagte ein Getriebeproblem.

Den Dreikampf um die Vizeweltmeisterschaft entschied der Brite Jenson Button für sich. Der McLaren-Pilot landete direkt vor seinem schärfsten Konkurrenten Fernando Alonso im Ferrari auf Rang drei. Webber schob sich durch seinen insgesamt siebten Sieg und den zweiten in Sao Paulo nach 2009 in der Gesamtwertung noch an Alonso vorbei auf Rang drei (258).

Vettel nahm das technische Handicap gelassen. „Es wäre nicht angemessen, wenn ich mich ärgern würde“, sagte er. „Wir können nach einem fantastischen Jahr stolz auf uns sein. Der Doppelerfolg ist ein tolles Ende des Jahres.“ Seinen letzten wichtigen Rekord hatte er sich am Samstag abgeholt. Da stellte er in der Qualifikation die 15. Bestzeit der Saison auf, eine mehr als der Brite Nigel Mansell 1992.

Auch sonst bewies Vettel historisches Gespür. „Ich fühle mich wie Senna 1991“, sagte Vettel noch während des Rennens über den Boxenfunk. Der legendäre Brasilianer Ayrton Senna war damals bei seinem ersten Heimsieg in Sao Paulo lange Zeit nur mit dem sechsten Gang gefahren und musste nach dem Rennen völlig erschöpft aus dem Auto gezogen werden.

Laut Motorsportchef Helmut Marko standen Vettel schon ab der fünften Runde nicht mehr alle sieben Gänge zu Verfügung. „Unglaublich, mit welchem Speed er trotzdem das Rennen zu Ende gefahren ist“, lobte Marko. Der zweite und teilweise auch der dritte Gang streikten, ein klares Handicap bei normalerweise rund 3000 Schaltvorgängen während eines Rennens wie in Brasilien. „Es wurde immer schlimmer und ich musste immer früher hoch schalten“, sagte Vettel. McLarern-Pilot Lewis plagten bei schwül-heißen Bedingungen ähnliche Schwierigkeiten. Er musste sein Auto in der 48. Runde mit Getriebeschaden abstellen.

Jubeln durfte Force-India-Pilot Adrian Sutil, der mit dem hervorragenden sechsten Platz sein bestes Saisonresultat einstellte und in der Gesamtwertung noch um zwei Plätze auf den neunten Rang kletterte. Die erste Top-10-Platzierung war vor Saisonbeginn sein großes Ziel gewesen. Offen ist aber noch seine Zukunft. Bei Force India streitet er sich mit Teamkollege Paul di Resta und Testfahrer Nico Hülkenberg um zwei Cockpits.

Für Timo Glock endete ein katastrophales Final-Wochenende, bei dem er im Qualifying schon auf dem 24. und letzten Platz gelandet war, vorzeitig durch eine Panne seines Virgin-Teams. Unmittelbar nach dem ersten Boxenstopp in Runde 22 löste sich am Auto des Hessen beim Losfahren das linke Hinterrad. „Ich weiß nicht, wie man einen Stopp so verhauen und mich dann auch noch losschicken kann. Wie man nach zwei Jahren noch so einen Fehler machen kann“, schimpfte Glock: „Nach so einem Rennen bin ich schon froh, dass die Saison vorbei ist.“

Vettel hatte beim Start die Führung behauptet und gleich die nächste Bestmarke eingesammelt. Er blieb vor Webber und holte sich zum 17. Mal in diesem Jahr in einem Rennen mindestens eine Führungsrunde. Das hatte vor ihm nur Michael Schumacher 2004 geschafft.

Mercedes-Pilot Michael Schumacher rutschte zu Beginn von Rang zehn auf elf ab. Zu Beginn der zweiten Runde holte er sich aber die Position zurück. Doch beim Versuch, Bruno Senna zu verdrängten, kollidierte er mit dem brasilianischen Renault-Piloten.

An Sennas Auto wurde der Frontflügel leicht beschädigt, bei Schumacher ging der rechte Hinterreifen kaputt. Er schleppte sich an die Box und kam nach dem Reifenwechsel als Letzter mit einer Runde Rückstand zurück auf die Strecke. Senna kassierte für die Aktion eine Durchfahrtsstrafe.

Vettel hatte sich an der Spitze dagegen schnell von Webber abgesetzt und einen Vorsprung von rund drei Sekunden herausgefahren. Button verlor seinen dritten Platz an Alonso. Dann musste bei Vettel nach dessen Defekt die Motorleistung gedrosselt werden, und Webber verringerte den Rückstand in großen Schritten. Zu Beginn der 30. Runde ließ Vettel ihn passieren. Den Vorsprung vor Verfolger Alonso hielt der Weltmeister danach aber konstant.