Zweiter Weltmeistertitel

Sebastian Vettels unglaubliches Formel-1-Jahr

Perfektionist Sebastian Vettel verpasste zwar seinen zehnten Saisonsieg in der Formel 1. Ein souveräner dritter Platz hinter Button und Alonso war aber mehr als genug, um die WM-Party steigen zu lassen. Zum Feiern hat der doppelte Weltmeister aber eigentlich gar keine Zeit.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Vettel ist Weltmeister

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Sebastian Vettel ließ sich von den noch gut 10.000 Fans auf der Haupttribüne feiern, als Vater Norbert vor der Red-Bull-Box bereits zum wummernden Techno-Song „We did that move“ tanzte. Zuvor hatte sich sein Sohn bei jedem Teammitglied bedankt und dann mit dem neuerdings doppelten Vettel-Finger den Pokal präsentiert.

„Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Ich bin ein wenig sprachlos. Das Jahr war unglaublich bis jetzt“, sagte der alte und neue Formel-1-Weltmeister nach dem dritten Platz beim Großen Preis von Japan, der zur erfolgreichen Titelverteidigung reichte.

"Hatten eine fantastische Saison“

Vor den Feierlichkeiten musste der jüngste Doppel-Weltmeister aller Zeiten einen wahren Interview-Marathon absolvieren. Nach mehr als einer Stunde ging es endlich vor die Red-Bull-Box, wo das Team, natürlich mit den neuen Weltmeister-Shirts ausgestattet, ungeduldig auf seinen Champion wartete. „Wir hatten eine fantastische Saison als Team, wir haben immer dann alles gegeben, wenn es nötig war. Jeder bei Red Bull kann stolz auf sich sein“, sagte Vettel.

Bewegende Worte gingen dabei an Physiotherapeut Tommi Pärmärkoski, den Vettel öfter sieht als Freundin und Familie. „Ich möchte mich bei einem der wichtigsten Menschen in diesem Jahr bedanken, bei Tommi, meinem Trainer und Physiotherapeuten. Mit ihm verbringe ich so viel Zeit“, sagte Vettel.

In der Box und abseits des ganzen Trubels war dann sein Vater der erste Gratulant. „Es ist gigantisch“, sagte Norbert Vettel mit Tränen in den Augen: „Ich bin nicht Doppel-Weltmeister, ich bin nur Vater. Es ist extrem, das Ganze mitzuerleben. Ich war das ganze Rennen über sehr nervös“. Doch Grund dazu bestand eigentlich nicht.

"Ich wollte den einen Punkt holen“

Perfektionist Vettel verpasste zwar den angepeilten zehnten Saisonsieg. Ein souveräner dritter Platz hinter dem Sieger Jenson Button im McLaren und Fernando Alonso (Ferrari) war aber mehr als genug, um die WM-Party bereits in Suzuka und damit vier Rennen vor dem Ende der Saison steigen zu lassen.

"So fühlt sich das also an, wenn man hinten ist“, sagte Vettel mit einem Grinsen. Natürlich habe er das Optimum rausholen wollen, „aber ich wollte nicht das Rennen gewinnen. Ich wollte den einen Punkt holen, das habe ich geschafft“.

Für Vettel war der WM-Triumph auf seiner erklärten Lieblingsstrecke natürlich „etwas ganz Besonderes. Den Titel hier zu holen, ist auf der anderen Seite auch lustig. Auf einmal musst du es realisieren und es genießen“, sagte Vettel. Und das fiel dem 24-Jährigen offenbar schwer.

"Werde das sicher irgendwann realisieren“

Bei seiner Ehrenrunde wurde Vettel zunächst von seinem einstigen Vorbild Michael Schumacher, der als zweitbester Deutscher Sechster wurde, eskortiert. Danach stieg Vettel aus seinem Auto und sprang den erstbesten Teammitgliedern in die Arme, die er finden konnte. Bei der anschließenden Siegerehrung war er aber weit weniger emotional als noch in der vergangenen Saison bei seinem ersten WM-Triumph im Finale in Abu Dhabi.

„Ich brauche sicher noch eine Weile, um zu verstehen, dass ich jetzt zweimaliger Weltmeister bin. Wenn ich ein paar ruhige Momente habe, heute Abend, morgen, oder auch in den nächsten Wochen, werde ich das sicher irgendwann realisieren“, sagte Vettel. In der Stunde der Titelverteidigung wollte Vettel nichts davon hören, dass diese Saison trotz aller Dominanz ein Spaziergang gewesen sei: „Es ist immer leicht, von außen zu sagen, dass es einfacher war.“

Keine Verschaufpause nach dem Titelgewinn

In seiner Heimatstadt Heppenheim ging seit den frühen Morgenstunden ebenfalls die Post ab. Mehr als 2000 Fans feierten ihren Helden vor einer Großbildleinwand. Dann gab es noch ein Autokorso durch die Stadt und schließlich Freibier.

Ein Überraschungsbesuch in seinem Heimatort wird aber frühestens nach dem Korea-Grand-Prix am kommenden Sonntag möglich sein. „Wir hatten in dieser Hinsicht auch gar nichts geplant“, sagte Vettels Pressesprecherin Britta Roeske.

Nach der Suzuka-Sause geht es für den 24-Jährigen bereits einen Tag später weiter zu einem Sponsorentermin nach Yokohama. Am Dienstag wird Vettel in der Hauptstadt Tokio entspannen und den Triumph kurz sacken lassen, ehe er am Mittwoch nach Korea reist.