Formel 1

Vettel will sich in Suzuka den Hattrick holen

Sebastian Vettel kann in Japan den Formel-1-Titel perfekt machen. Ihm fehlt nur noch ein Punkt, um für seinen Verfolger Jenson Button uneinholbar zu sein.

Nach einer Runde im höchsten Riesenrad der Welt drehte Sebastian Vettel auch noch ein wenig am Partyrädchen. Für die echte WM-Sause mit seinen Red-Bull-Jungs kann sich der Formel-1-Titelverteidiger aber kaum einen besseren Ort als Suzuka in zwei Wochen vorstellen. „Ich liebe diese Strecke, und die vergangenen zwei Jahre waren für mich außergewöhnlich“, sagte Vettel, der auf dem Kurs in Japan 2009 und 2010 den Sieg einfuhr: „In gewisser Weise wäre es schön, den Hattrick zu haben.“ Denn dann würde sich der 24-Jährige in seinem 77. Formel-1-Rennen zum zweiten Mal binnen eines Jahres zum Weltmeister krönen.

Einen mickrigen Punkt braucht der Heppenheimer nur noch, um für den letzten verbliebenen Verfolger Jenson Button uneinholbar zu sein. Ein einziger zehnter Platz in den ausstehenden fünf Rennen - angesichts der bisherigen Saisonbilanz lächerlich einfach: Neun Siege, vier zweite Plätze und einmal Rang vier stehen in 14 Rennen zu Buche. 587 von insgesamt 839 Runden fuhr Vettel in diesem Jahr bereits dem unterlegenen Feld vorneweg. Zum Vergleich: McLaren-Mann Button, Weltmeister vor Vettel 2009, kommt in seiner gesamten Karriere auf 601 Führungsrunden.

Vettels Vorstellung in der Nacht von Singapur war eine weitere Demonstration der Stärke und eine Demontage der Konkurrenten. Vor dem chancenlosen Button zauberte er zum dritten Mal in seiner Karriere nach Suzuka 2009 und Valencia 2010 einen Start-Ziel-Sieg auf den Asphalt. „Vettel, Punkt und Schluss“, schrieb die Sportzeit „Marca“ aus der spanischen Heimat des schon geschlagenen Fernando Alonso.

Der Ferrari-Pilot ist nach Platz vier in Singapur wie auch Vettels-Teamkollege Mark Webber (Dritter) und McLaren-Mann Lewis Hamilton (Fünfter) endgültig raus aus dem WM-Rennen. Vettel hat sie im Eiltempo vor die Tür gesetzt. „Der 24-jährige Deutsche dominiert die Formel-1-Saison in fast schon beängstigender Manier“, meinte die „Kleine Zeitung“ aus Österreich.

Während der Heppenheimer im gleißenden Flutlicht von Singapur noch auf schwächelnde Konkurrenten für eine vorzeitige Krönung angewiesen war, hat Vettel das Heft des Handelns in Japan ganz allein in seiner Hand. „Für uns gibt es keinen Grund, vom Gas zu gehen. Wir haben im Moment unglaublich viel Spaß, denn wir haben einen guten Lauf“, sagte er nach seinem dritten Sieg in Serie.

Würde Vettel auch die restlichen fünf Rennen in Japan, Südkorea, Indien, Abu Dhabi und Brasilien gewinnen, wäre der nächste Eintrag in die Formel-1-Geschichtsbücher fällig. Dann würde der jüngste Titelträger auch die Bestmarke von Kumpel und Rekordchampion Michael Schumacher knacken: Der Kerpener gewann 2004 im Ferrari 13 Saisonrennen.

Aber Vettel, der nach einem Termin im über 160 Meter hohen Riesenrad Singapur Flyer mit dem hauseigenen Red-Bull-TV-Sender mit dem Team feierte, will vor allem seiner Devise treubleiben. „Ich glaube, wir haben uns das ganze Jahr bemüht, nicht abzuheben. Das sollten wir auch jetzt nicht zulassen“, betonte der Überflieger: Es habe auch schon im Fußball Mannschaften gegeben, die kurz vor Schluss wie der sichere Sieger ausgesehen hätten. Wie einst Bayern München im Champions-League Finale gegen Manchester United, erinnerte Vettel: „Bumm, bumm – und das Ding war verloren.“

Allerdings musste auch der mit 309 Punkten vor Button führende WM-Primus mit Blick auf die eigene, zweite Krönung einräumen: „Statistisch gesehen liegt es nicht mehr allzuweit in der Ferne.“ Der heiß geliebte Kurs in Suzuka kommt da gerade recht.