Qualifying in Spa

Michael Schumacher vom eigenen Reifen überholt

Ausgerechnet beim 20. Renn-Jubiläum in Spa startet der Rekordweltmeister nach einem Unfall als Letzter. Sebastian Vettel sichert sich die Pole Position.

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Es gibt Situation in einem Rennfahrerleben, die verheißen nichts Gutes. Rechts überholt zu werden beispielsweise. Und zwar nicht vom Gegner, sondern vom eigenen Reifen.

So ist es Michael Schumacher auf seiner ersten Runde im Qualifying zum Großen Preis von Belgien in Spa passiert. Der Deutsche krachte wenig später an die Begrenzung, schied als Erster aus und startet am Sonntag (14 Uhr/RTL und Sky live) ausgerechnet in seinem Jubiläumsrennen als Letzter. Vor 20 Jahren hatte Schumacher in Spa sein erstes Formel-1-Rennen absolviert.

„Plötzlich ist ein Rad an mir vorbeigerollt, da habe ich mich gewundert“, beschrieb Schumacher die Szene in der 2. Minute des Qualifyings.

Ein Hinterreifen hatte sich gelöst, Schumachers Mercedes fuhr in die Leitplanke, der Kerpener blieb unverletzt. „Dass sich das Auto auf drei Reifen nicht so gut fahren lässt, dürfte klar sein“, sagte Schumacher. Auch seinen Mechanikern machte er – zumindest öffentlich – keinen Vorwurf: „Wir werden versuchen rauszufinden, was passiert ist, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Aber wir sind letztlich alle nur Menschen.“

Die Serie aus Pleiten, Pech und Pannen setzt sich also fort – in seinem 281. Rennen bleibt Schumacher lediglich der 24. Startplatz. Nico Rosberg, neben Schumacher zweiter Mercedes-Pilot, fuhr hingegen auf einen beachtlichen fünften Rang.

Den Sieg werden wohl dennoch die anderen Piloten ausfahren. Allen voran Sebastian Vettel, der die vierwöchige Sommerpause mit einem starken Signal an die Konkurrenz beendete. Mit seiner letzten Runde sicherte sich der deutsche Weltmeister und überlegene WM-Führende die neunte Pole Position der Saison und geht am Sonntag als Erster in den Grand Prix .

Zweiter wurde McLaren-Fahrer Lewis Hamilton vor Vettels Teamgefährten Mark Webber, der am Morgen seines 35. Geburtstags die Vertragsverlängerung bei Red Bull bekannt gegeben hatte. Der Australier wird mindestens ein weiteres Jahr in einem Team mit Vettel fahren. „Ich möchte weiter in der Spitze der Formel 1 fahren, daher war es keine Frage, für ein weiteres Jahr bei Red Bull zu bleiben“, sagte Webber.

Ob Vettel diese Nachricht auch freut, ist nicht überliefert. Enge Freunde sind die beiden Piloten jedenfalls nicht, in ihren knapp drei gemeinsamen Jahren lieferten sie sich einige Duelle auf und abseits der Rennstrecken. Diese Konkurrenz-Situation führt aber durchaus zu starken Leistungen wie jetzt in Spa. „Das war ein ganz schwieriges Qualifying, da hätte alles passieren können. Ich wusste, dass die letzte Runde die wichtigste sein würde. Da hat alles gepasst“, sagte Vettel.

Es hatte zunächst geregnet, dann trocknete die knapp sieben Kilometer lange Strecke ab. Der Heppenheimer fuhr seine schnellste Runde auf Slicks. Sollte es heute, wie vom Wetterbericht vorgesehen, trocken bleiben, startet Vettel nach zuletzt drei sieglosen Rennen als großer Favorit. Zumal sein Wagen auf den Geraden ordentlich Tempo zugelegt hat. Ein neuer, kleinerer Heckflügel macht es möglich.

„Er hat eine fantastische Runde hingelegt“, sagte Rivale Hamilton, der sich nur kurz als Pole-Mann fühlen durfte. Der Weltmeister von 2008 hielt seine Hoffnungen dennoch am Leben: „Wir wussten vorher nicht so ganz, wo wir stehen.“ Hamilton war in einen Vorfall mit Pastor Maldonado aus Venezuela verwickelt. Die beiden Autos kollidierten, obwohl die zweite Phase des Qualifyings bereits beendet war. Maldonado muss deshalb am Sonntag fünf Plätze weiter hinten starten und beginnt den Grand Prix damit von Rang 21.