GP von Ungarn

Vettels kleine Krise lässt die Konkurrenz hoffen

Vor dem Formel-1-Rennen in Budapest setzt Lewis Hamilton Weltmeister Sebastian Vettel unter Druck. "Ich will den Schwung mitnehmen", sagt der Brite.

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Beim Duell der Giganten zählen längst schon die Feinheiten. Und so darf sich Lewis Hamilton als erster kleiner Sieger der Tage von Budapest wähnen.

Am Freitag jedenfalls bewältigte der Engländer in seinem McLaren im freien Training in 1:21,018 Minuten den Kurs um rund eine halbe Sekunde schneller als WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel und lieferte nur fünf Tage nach seinem Erfolg auf dem Nürburgring einen weiteren Beleg dafür, wie gut es derzeit passt zwischen Fahrer und Material.

Auf dem 4,381 Kilometer langen Hungaroring der ungarischen Hauptstadt möchte Hamilton auch morgen im elften von 19 Saisonläufen (14.00 Uhr, RTL und Sky) nur allzu gern seine aktuelle Topform bestätigen.

Erstmals seit dem Auftakt der Saison – so scheint es – sehen Hamilton und Co. im Kampf um die WM-Krone der Formel 1 wieder ihre Chance gekommen. Vettels erstmaliges Verpassen der Podiumsplätze beim Rennen in Deutschland vor einer Woche nehmen sie nun zum Anlass für wilde Spekulation hinsichtlich des weiteren Saisonverlaufs.

„Man kann nicht erwarten, dass Red Bull immer perfekt ist. Am vergangenen Sonntag haben wir deren Schwäche ausnutzen können“, sagte Hamilton . „Hoffentlich ergeben sich mehr solcher Chancen.“ Nach seinem beeindruckenden Nürburgring-Sieg kann er nun den nächsten Angriff auf den Titelverteidiger kaum mehr erwarten. „Ich will den Schwung mitnehmen“, so der 26-Jährige.

Vettel begegnet der Offensive des Briten mit Sorgen. „Ich glaube, es wird eng hier“, sagte er: „Wenn wir hier ganz vorne sein wollen, müssen wir uns deutlich verbessern und noch zulegen.“ Der Freitag sei „kein einfacher Tag“ gewesen, immerhin habe er viele Runden fahren können, sagte Vettel: „Die Reifen sind sehr weich, damit muss man haushalten.“

Dass er nach einer bislang bis auf den Heim-Grand-Prix am Nürburgring fast tadellos verlaufenen Saison ein bisschen fahrmüde geworden sein könnte, mag der Red-Bull-Pilot aber nicht bestätigen.

Es sei wie mit der Besteigung des Mount Everest, sagt er. Professionelle Bergsteiger würden auch immer wieder zu dieser großen Herausforderung zurückkehren. So sei es auch um ihn bestellt – noch immer verfolge er seine Ziele recht ehrgeizig.

„Wenn die Weltmeisterschaft jetzt bei Null losgehen würde, würde ich sie auch gewinnen wollen“, erklärte der 24-jährige Champion. „Das Ziel ist es einfach, besser zu sein als die anderen. Dass wir das nicht immer sein können, ist klar.“

Gleichwohl hat Vettel die lauernden Gefahren erkannt. „Es gibt keinen Grund, etwas schönzureden, die anderen haben große Schritte nach vorne gemacht.“

Bedenken, dass sein noch immer komfortabler Vorsprung von derzeit 77 Punkten auf seinen Teamkollegen Mark Webber und 82 Zähler auf Hamilton weiter schmelzen könnte, glaubt er aber nicht. „Ich habe keine Bedenken, denn ich weiß ja, was bei uns bald alles kommt. Unsere Leute sind drauf und dran, das Auto schneller zu machen.“

Ob das schon in Ungarn belohnt wird, erscheint zweifelhaft. Es wird wohl auf ein taktisches Rennen hinauslaufen. Denn zum einen ist der Reifenabrieb auf dem Hungaroring für gewöhnlich recht hoch und bedingt mindestens drei, wenn nicht gar vier Boxenstopps.

Zum anderen ist im Kampf um die Spitzenplatzierungen ein „normales“ Überholen auf der als eher leicht eingeschätzten Strecke fast unmöglich. Vettel, in dieser Saison oft Profiteur der besseren Teamtaktik, nimmt’s mit Humor: „Die anderen“, sagte der Weltmeister, „sind auch keine Nasenbohrer.“