Zu teuer

Nürburgring kämpft um neuen Formel-1-Vertrag

Am Wochenende ist Heimspiel für Sebastian Vettel, Michael Schumacher und Co. Es könnte allerdings der vorerst letzte Grand Prix auf dem Nürburgring werden.

Das 25. Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring könnte ein trauriges Jubiläum werden. Denn trotz zweier deutscher Weltmeister , insgesamt sechs deutscher Fahrer und Mercedes als deutschem Nationalteam ist die Zukunft des Traditionskurses in der Königsklasse offen.

Die Veranstalter kämpfen bei Formel-1-Boss Bernie Ecclestone um einen neuen Vertrag zu deutlich reduzierten Kosten, weil sich der Nürburgring sonst die Königsklasse nicht mehr leisten kann.

„Wir wollen die Formel 1 am Nürburgring halten, das hat auch das Land immer klar gesagt, aber zu einem anderen Preis“, sagte Jörg Lindner, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive, vor dem Großen Preis von Deutschland (Sonntag, 14.00 Uhr/RTL und Sky).

2011 ist das letzte Jahr des aktuellen Vertrages mit Ecclestone, in Zukunft will und kann sich das Land Rheinland-Pfalz als 90-prozentiger Teilhaber der Nürburgring GmbH - die restlichen 10 Prozent hält der Landkreis Ahrweiler - Verluste in Millionenhöhe wohl nicht mehr erlauben.

„Die zurzeit noch geltenden Konditionen erzeugen hohe und nicht mehr hinnehmbare Verluste. Deshalb kann es eine Fortsetzung der großen und legendären Tradition der Formel 1 auf dem Nürburgring nur geben, wenn ein künftiger Vertrag wirtschaftlich und politisch vertretbare Regelungen enthält“, stellte Lindner sogar in einer Pressemitteilung klar.

Die private Nürburgring Automotive richtet als Dienstleister gegen ein Honorar für die Nürburgring GmbH, die Besitzer der Immobilien ist und bei der Gründung der Betreibergesellschaft 2010 den Formel-1-Vertrag behalten hat, das Rennen aus. „Das Land trägt die Unterdeckung“, erklärte Lindner.

Laut einem Bericht des Handelsblattes soll die damals noch allein regierende SPD von Ministerpräsident Kurt Beck im Haushalt für dieses Jahr 13,5 Millionen Euro als Strukturhilfe Eifel veranschlagt haben. Wohl auch, um Verluste der Nürburgring GmbH zu decken, die neben dem aktuellen Formel-1-Vertrag auch noch der rund 350 Millionen Euro teure Umbau zum „Nürburgring 2009“ drückt.

Die Grünen als neuer Koalitionspartner der SPD nach der Wahl wollen da offenbar gegensteuern. „Bis 2016 gibt es genau ein Formel-1-Rennen mit finanzieller Unterstützung des Landes - und das ist 2011. Punkt. Danach ist der Geldhahn zugedreht“, zitierte das "Handelsblatt" die seit Mai amtierende grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.

Lindner setzt daher darauf, bei Ecclestone eine Vertragsverlängerung zu besseren Konditionen zu erreichen, und einen Teil seiner Hoffnungen auf seinen neuen Geschäftsführer-Kollegen Karl-Josef Schmidt, der am 1. Juli vom Hockenheimring in die Eifel wechselte. „Für ihn spricht, dass er mit Erfolg einen wesentlich besseren Vertrag mit Bernie Ecclestone ausgehandelt hat als meine Vorgänger“, sagte Lindner.

Schmidt hatte am Hockenheimring, der ebenfalls unter hohen Verlusten durch die Formel 1 litt, einen neuen Vertrag für Rennen 2012, 2014, 1016 und 2018 ausgehandelt. Dabei machte Ecclestone nach langen Verhandlungen nicht nur finanzielle Zugeständnisse, sondern übernahm auch einen Teil des Risikos. In Hockenheim hatte das Land Baden-Württemberg eine Beteiligung abgelehnt.

Genau die wünscht sich Lindner aber weiter von Rheinland-Pfalz und führt dabei als Gegenwert für die Kosten auch einen Umsatz in der Eifel-Region von 50 bis 60 Millionen Euro und daraus resultierende zusätzlich Steuereinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe an.

Lindner geht aber auch noch einen Schritt weiter. „Es muss die Frage erlaubt sein, ob nicht auch der Bund bei einem internationalen Ereignis wie der Formel 1 vergleichbare Unterstützung zu Teil werden lässt wie bei der Fußball-WM oder diversen Olympiabewerbungen“, sagte er.