Formel 1

Vierte Poleposition für Sebastian Vettel

In Istanbul geht Sebastian Vettel trotz seines schweren Trainingsunfalls zum vierten Mal in Folge von Startplatz eins ins Rennen. Auch Nico Rosberg überzeugte im Qualifying.

Sebastian Vettel hat sich nach seinem spektakulären Unfall eindrucksvoll zurückgemeldet und am vierten Rennwochenende des Jahres nach Melbourne, Sepang und Schanghai in Istanbul die vierte Poleposition erobert. „Ich muss mich bei meinen Mechanikern entschuldigen. Ich habe das Auto komplett kaputt gemacht, und sie haben es wieder super gut repariert“, bedankte sich der 23 Jahre alte Red-Bull-Star bei seiner Mannschaft. Vettel war im freien Training in der berühmten Kurve acht auf dem Kurs unweit der türkischen Hauptstadt von der Strecke abgekommen und hatte unter anderem seiner für die Elektronik zuständigen Ingenieurin Gille Jones eine arbeitsreiche Nacht beschert. Die 35-jährige Britin ist die einzige Frau bei den „Bullen“, die einen Job im Hochtechnikbereich ausübt.

„Ich hoffe, dass ich wieder hier sitzen und alle Mütter grüßen kann“, sagte Vettel mit Blick auf das Rennen am Muttertag (14 Uhr RTL und Sky): „Es war keine einfache Situation, so ganz ohne Training loszufahren. Aber ich habe mich von Anfang an gut gefühlt und am Ende sogar noch einen Satz Reifen gespart. Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben, aber das schwerere Stück Arbeit kommt noch.“ Ganz im Gegensatz zum sonstigen Prozedere fuhr der Heppenheimer schon Mitte der letzten Qualifikationseinheit seine letzte schnelle Runde und stieg danach überraschend aus dem Auto. Als die karierte Flagge geschwenkt wurde, war Vettel in der Box und sah grinsend, dass keiner seiner Gegner auch nur annähernd an seine Zeit von 1:25,049 Minuten herankam. Der noch für das Qualifying bereitgelegte Satz frischer Reifen steht somit für das Rennen zur Verfügung.

Mit dem nach dem Totalschaden runderneuerten Red Bull war der Titelverteidiger nach einem „total verhauenen Tag“ im Qualifying vier Zehntelsekunden schneller als Teamkollege Mark Webber (1:25,454), der Vettels schnellste Runde neidlos „perfekt“ nannte.

Sorgen um Funkverbindung

Mercedes-Pilot Nico Rosberg (1:25,574) liegt als Dritter auf Podestkurs. Er steht vor den Ex-Weltmeistern Lewis Hamilton (1:25,595), Fernando Alfonso (1:25,581) und Jensen Button (1:25,982). Michael Schumacher (1:26,646) ist im zweiten Silberpfeil Achter direkt vor Nick Heidfeld (1:26,659) im Renault. Vettel führt die Weltmeisterschafts-Wertung nach zwei Siegen und einem zweiten Platz mit 68 Punkten vor Hamilton (47), Button (38) und Webber (37) an.

Eine Garantie für den Sieg sei die vierte Poleposition im vierten Rennen jedoch nicht. „Ich drücke nur die Daumen, dass diesmal der Teamfunk klappt.“ Dieser hatte in Schanghai gestreikt – einer der Gründe dafür, dass sich Vettel erstmals in diesem Jahr Hamilton im McLaren geschlagen geben musste.

Immer näher an die Spitze rückt auch Rosberg. Nach seinen 14 Führungsrunden von China setzte der Wahl-Monegasse ein weiteres Highlight. „Es ist toll zu sehen, wo wir nach dem schlechten Saisonstart plötzlich stehen“, sagte er: „Dritter hinter Red Bull, das ist super. Wir lernen aus unseren Fehlern und kommen immer näher dahin, wo wir hinwollen.“ In China war er wegen nicht ausreichender Spritmenge letztlich nur Fünfter geworden. In Istanbul scheint Rosberg gute Chancen auf eine Podiumsplatzierung zu haben, zumal er ebenfalls einen Satz neuer Reifen aufsparen konnte. „Eine Klasseleistung von Nico“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Der achte Startplatz von Michael Schumacher mit neun Zehntelsekunden Rückstand auf Teampartner Rosberg wirkt dagegen ernüchternd und Schumacher wirkte ratlos. Warum er einen so bemerkenswerten Rückstand auf den Kollegen aufweise, müsse er „erst einmal gründlich analysieren“. Der 42-jährige Rekordweltmeister ließ jedoch durchblicken, dass es an einem nicht optimalen Reifensatz gelegen habe könnte.

Der dreifache Weltmeister Niki Lauda analysierte pragmatisch: „Mercedes ist vorne dabei, das ist schön zu sehen. Aber Michael will zu viel. Er muss seine Fahrweise mehr den Möglichkeiten des Autos anpassen.“

Adrian Sutil (Gräfelfing) nimmt das Rennen im Force India von Position zwölf auf. Timo Glock (Wersau) startet im Virgin von Rang 21 und steht nur deshalb vor seinem belgischen Teamkollegen Jerome d'Ambrosio, weil dieser wegen Ignorierens einer gelben Flagge im Training ans Ende des Feldes versetzt wurde.

Neuordnung der Besitzverhältnisse

Neben der Jagd nach Zehntelsekunden beschäftigt sich die Formel 1 derzeit massiv mit der möglichen Veränderung der Besitz- und Einflussverhältnisse innerhalb der Königsklasse. Konkrete Gespräche um die anstehende Neuordnung der Formel-1-Rechte hat es bislang, nach Aussage von Martin Whitmarsh, Chef der Teamvereinigung (Fota), noch nicht gegeben. Der Brite, zugleich McLaren-Teamchef, bestätigte aber das Interesse von News Corporation (unter Führung des britischen Medienmoguls Rupert Murdoch) und die Investmentgruppe Exor der Familie Agnelli (u.a. Ferrari) die kommerziellen Rechte der Formel 1 zu kaufen.

Diese sind derzeit im Besitz der Finanzgruppe CVC (Bernie Ecclestone). Whitmarsh erklärte zugleich, er könne Spekulationen über ein anstehendes Treffen der vier Top-Teams Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren am kommenden Wochenende in Stuttgart nicht bestätigen. Fest steht: Es wird um Milliarden gepokert. Ende 2012 läuft das derzeit geltende Concorde Agreement aus. Das ist eine Art Verfassung der Formel 1, in der auch die Verteilung der gigantischen Einnahmen geregelt wird.

Die Rennställe, die bisher etwa 50 Prozent des Geldes erhalten, wollen angeblich ab 2013 eine Aufstockung auf 80 Prozent. Außerdem wollen sie eine bessere Kontrolle über den Sport, auch mit dem Blick darauf, dass der allseits anerkannte Ecclestone schon 80 Jahre alt ist.