Qualifying

Sebastian Vettel fährt in seiner eigenen Liga

Sebastian Vettel fängt die neue Formel-1-Saison da an, wo er die alte beendet hat: ganz vorn. Bei Mercedes hingegen ist man ratlos.

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Weltmeister Sebastian Vettel ist auch in der neuen Formel-1-Saison das Maß aller Dinge. Mit beeindruckender Leichtigkeit flog der Red-Bull-Pilot am Samstag in Melbourne förmlich zur ersten Pole Position des Jahres und scheint mit „Kinky Kylie“ beim Saisonstart down under in einer eigenen Liga zu fahren. Seinen frustrierten Teamkollegen Mark Webber, der nur auf Startplatz drei landete, distanzierte er im gleichen Auto um mehr als acht Zehntelsekunden. Der zweitplatzierte Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes war nur unwesentlich schneller als Webber.

„So in die Saison zu starten, ist das, was man will. Wir haben im Winter hart gearbeitet, um das Auto da zu haben, wo es jetzt ist“, sagte Vettel, der nach der 16. Pole seiner Karriere ganz entspannt in die Runde lächelte. „Ich bin sehr glücklich mit diesem Ergebnis, aber wir haben immer noch null Punkte. Doch der heutige Tag war gut, und der morgige wird vielleicht noch besser. Ich mag die Strecke, mein Auto offenbar auch“, sagte Vettel mit Blick auf das erste Saisonrennen am Sonntag (8.00 Uhr MESZ/RTL und Sky).

Dabei hatte Vettel bei seinen Traumrunden in der Qualifikation sogar noch auf das Energierückgewinnungssystem KERS verzichtet, das ihm für 6,7 Sekunden pro Runde noch einmal 82 zusätzliche PS gegeben hätte. „Es stimmt, wird haben KERS in der Qualifikation nicht benutzt“, sagte Vettel und fügte mit einem Grinsen hinzu: „Es war nicht genug aufgeladen.“ Hamilton staunte. „KERS bringt eine halbe Sekunde, dann liegen wir ja 1,3 Sekunden zurück, das ist nicht normal“, meinte der Brite ungläubig: „Mein Auto fühlte sich schon fantastisch an, da kann ich mir kaum vorstellen, wie sich Sebastians anfühlen muss.“

Vettel, der in Melbourne im vorigen Jahr auch von der Pole gestartet, dann aber ausgefallen war, wollte aber noch keine verfrühten Jubelarien anstimmen. „Der Schlüssel ist, das Rennen zu beenden. Aber ich bin sehr zuversichtlich. Unser Auto war von der ersten Minute an zuverlässig und ist offenbar auch schnell“, sagte der 23-Jährige.

Im Gegensatz zu Vettel konnte Webber das Potenzial des Autos nicht nutzen. „Wir hatten einen Plan, der ist offenbar nicht aufgegangen“, meinte der Lokalmatador, der bei seinem Heimspiel noch nie über Platz fünf hinausgekommen ist. Ihn habe der Verzicht auf KERS („Die Gründe dafür bleiben im Team“) „vielleicht“ Startplatz zwei gekostet.

Nicht zufrieden und etwas ratlos war man bei Mercedes nach den Startplätzen sieben für Nico Rosberg und elf für Michael Schumacher. „Ich bin enttäuscht. Für uns hat es an diesem Wochenende bislang nicht zusammengepasst“, sagte Rosberg. Auch für Schumacher, der die dritte Qualifikationsrunde um 89 Tausendstelsekunden verpasste, war es „kein idealer Start in die Saison. „Im Moment sind wir nicht da, wo wir sein wollten. Die Gründe dafür kennen wir noch nicht“, erklärte der Rekordweltmeister, der zudem noch 800 Euro Strafe zahlen musste, weil er im freien Training in der Boxengasse 63,4 statt der erlaubten 60 km/h gefahren war.

Noch enttäuschender verlief die Qualifikation für die übrigen deutschen Piloten. Adrian Sutil verdarb sich im Force-India-Mercedes durch einen spektakulären Dreher auf der Zielgeraden eine bessere Platzierung als Position 16. Renault-Pilot Nick Heidfeld schied als 18. überraschend schon in der ersten Runde aus. Timo Glock belegte im Virgin-Cosworth Rang 21.