Formel-1-WM

Ferrari und McLaren blasen zur Jagd auf Vettel

Ferrari verspielte 2010 den sicher geglaubten Fahrertitel für Alonso. McLaren wurde mit zwei Weltmeistern nur Zweiter in der Teamwertung. Das soll sich ändern.

Foto: Getty/AFP

Nach dem vergebenen „Elfmeter ohne Torwart“ sinnt Ferrari auf Rache und Revanche: Dem schillerndsten und traditionsreichsten aller Formel-1-Rennställe schien die Weltmeisterkrone für Fernando Alonso kaum zu nehmen, doch durch ein Taktik-Desaster gaben die Ferraristi ihn noch aus der Hand. 2011 wollen Alonso und Co. nun Sebastian Vettel wieder vom Thron stoßen, die Vorbereitung lief im Gegensatz zum anderen frustrierten Verfolgerteam McLaren mit den beiden Ex-Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button vielversprechend.

Die Briten äußern sich daher sehr vorsichtig, die Kampfansagen aus Maranello sind dagegen deutlich. „Nach dem berühmten Elfmeter ohne Torwart in Abu Dhabi streben wir sehr nach einer Wiedergutmachung“, sagt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. „2011 werden wir wieder die Sieger sein. Wir sind auf Rache aus und wollen beide Titel“, tönt Teamchef Stefano Domenicali. Und auch Alonso übt sich nicht gerade in Zurückhaltung: „Die Erwartungen sind dieselben wie in jedem Jahr. Ich will um beide Titel kämpfen.“

Harte Arbeit und teilweise schmerzhafte Änderungen sollen für die Rückkehr des Erfolgs sorgen. Während der Tests spulte Ferrari die mit Abstand meisten Kilometer aller Teams ab und schien dabei knapp hinter Red Bull, aber vor dem restlichen Feld zu liegen. Zudem richtete das Team laut Domenicali eine „strategische Behörde“ ein und holte unter anderem den Engländer Neil Martin als neuen Chef-Strategen von Red Bull. Der bisherige Chef-Ingenieur Chris Dyer, einst bei Ferrari Renningenieur von Rekordweltmeister Michael Schumacher, wurde entmachtet und teamintern durch Pat Fry ersetzt.

„Wir haben die Meisterschaft verloren, weil wir Fehler gemacht haben. Es gab Schwierigkeiten in der Mannschaft, die man nicht leugnen kann“, sagt Domenicali und sieht die Schwierigkeiten als behoben an. Auch Alonso wird deutlich: „Wir haben es im vergangenen Jahr nicht geschafft, weil wir Entscheidungen getroffen haben, die nicht richtig waren.“ Dem Spanier, der nach einer tollen Aufholjagd über die halbe Saison mit acht Punkten Vorsprung ins Saisonfinale gegangen war, war der geringste Vorwurf zu machen.

Dies galt auch für die beiden britischen McLaren-Piloten. Obwohl das Auto nicht perfekt lief, hatte Hamilton 2010 bis zum letzten Rennen theoretische Chancen auf den Titel, Button immerhin bis zum vorletzten. Gemeinsam sicherten sie dem Traditionsteam Rang zwei in der Konstrukteurs-Wertung hinter Red Bull.

Mit der humorvollen Auto-Präsentation in Berlin - der neue Bolide wurde vor staunenden Passanten am Sony-Center zusammengeschraubt - punktete McLaren vor Saisonbeginn. Schön ist das neue Auto geworden, das Hamilton „Lady“ und Button „Baby“ nennt. Die Stimmung zwischen den beiden Ex-Champions ist kollegial. Auf der Strecke hinken die Briten bisher aber deutlich hinterher.

„Wenn man sich die Kilometerleistung von Red Bull oder Ferrari anschaut, dann liegen wir meilenweit zurück“, sagt Button. Doch Alonso, selbst ein Meister der Psychospielchen, wittert dahinter eine Finte. „Vielleicht hatten sie erwartet, deutlich vor den anderen zu sein, und sehen sich jetzt nur auf dem Niveau der Besten“, sagte er schmunzelnd: „Ganz bestimmt ist McLaren kein Team, das um Platz zehn kämpfen wird. Die werden ganz nahe am Podest sein.“