Rückkehr in die USA

Was sich die Formel 1 von Texas verspricht

Nach Indianapolis 2007 sagte Bernie Ecclestone: "Die Formel 1 braucht dieses Land nicht." Er änderte seine Meinung: Ab 2012 gibt es ein Rennen in Austin.

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Den Traum, die Formel 1 entlang des New Yorker Central Parks rasen zu lassen, musste Bernie Ecclestone begraben. Jahrelang verhandelte der 79 Jahre als Promoter der Rennserie mit dem New Yorker Immobilienkönig Donald Trump über einen geeigneten Stadtkurs.

Bei den Verhandlungen der beiden Milliardäre ging es um viel Geld, am Ende aber sollen Eitelkeiten den Ausschlag gegeben haben. Trump beanspruche die ganze Publicity des Rennens, behauptete sein nicht minder egozentrischer Geschäftspartner. Die Formel 1 würde im Hintergrund verschwinden, dämmerte es Ecclestone: „Das lasse ich nicht zu.“

Nun macht er es eben ein paar Nummern kleiner. Wie er in London bekannt gab, werden ab 2012 in Austin die Formel-1-Motoren dröhnen. Ecclestone nutzte die Mitbieter um die Ausrichtung der Formel-1-Rennen, dem Vernehmen nach auch aus den Metropo-len Las Vegas und Miami, den texanischen Veranstaltern die Zusa-ge für ein „erstklassiges Umfeld“ abzuringen. Seit Watkins Glenn im US-Staat New York wird erstmals auf einer eigens für die Formel 1 konzipierten Anlage gefahren. Konkrete Baupläne gibt es nicht. „Wir hoffen, dass die Formel 1 endlich in Amerika ankommen wird“, sagte Ecclestone. „Das ist mein ehrgeizigstes Ziel und schwieriger zu erreichen als die Erschließung der asiatischen Märkte."

Sein Geschäftsmodell fristete in den Vereinigten Staaten ein Nomadendasein. Nach Watkins Glenn im Bundesstaat New York 1980 schlug der PS-Zirkus in Long Beach seine Zelte auf, danach in Las Vegas, Detroit, Dallas, Phoenix auf so genannten Stadtkursen und zum Schluss im Brickyard von Indianapolis, wo das Oval, Heimat der legendären Indy 500, für die Formel-Wagen mit Schikanen versehen wurde.

Alle Bemühungen, die Grand-Prix-Serie neben Cart- und Nascar-Rennen zu positionieren, schlugen fehl. Einen herben Rückschlag musste der britische Impresario mit dem Ausstieg des US-Autoriesen Ford hinnehmen. Skandale trugen nicht gerade zur Popularität bei. 2005 zog sich die Formel 1 den Zorn der US-Fans zu, als 14 von 20 Piloten aus Protest über eine angebliche Sicherheitslücke bei den Reifen nach der Einführungsrunde in die Boxengasse einscherten und nur Ferrari, Jordan und Minardi das Rennen beendeten. Zwei Jahre später, nach der Abschiedsvorstellung in Indianapolis, stieß Ecclestone die Amerikaner noch einmal vor den Kopf: „Die Formel 1 braucht dieses Land nicht.“ Eine kühne These oder wohl auch eine enttäuschte Liebe: Denn mit durchschnittlich 125.000 Zuschauern an Renntagen sorgte der US-Grand-Prix seit 2000 für eine der größten Kulissen weltweit.

Das erste amerikanische For-mel-1-Team war in diesem Winter Geschichte, bevor es vor die Startampel rollte, und ein Pilot mit amerikanischem Pass fehlt ebenso.

Doch Michael Payne, den Ecclestone vor sechs Jahren als Berater ins Boot holte, glaubt: „Zum Erfolg führen nicht so sehr Fahrer, Teams oder Hersteller aus den USA. Es kommt auf das Interesse der Sponsoren an.“ Der ehemalige Olympia-Vermarkter Payne will Traditionsmarken wie Coca-Cola, Gillette oder McDonald's als Werbepartner gewinnen.

Noch will da Austin nicht so recht hineinpassen, das weiß auch Tavo Hellmund, Geschäftsführer vom lokalen Veranstalter Full Throttle Productions, „Austin ist nicht Monaco oder Singapur, aber es hat seinen eigenen Charme.“ Immerhin werde das Projekt, anders als etwa in China und Malaysia, bis 2021 nicht aus Steuermitteln finanziert.

Wichtiger als Prestige und Charme dürfte Ecclestone die politische Komponente sein. Er sah sich von den Autokonzernen dem Vorwurf ausgesetzt, ihre Interessen zu vernachlässigen. Auf dem wichtigsten Automarkt weltweit, der USA, konnten sie sich nicht mehr präsentieren.

Auch das Red-Bull-Team ist von Ecclestones USA-Plan angetan. Das Team des österreichischen Brausefabrikanten Dietrich Mate-schitz hat in Übersee ganz ähnliche Interessen zur Absatzsteigerung. Schon ist die Rede von ei-nem gemeinsamen Marketingkonzept. Ecclestone-Mann Payne will sich bei einem der nächsten Rennen zu einem Sondierungsgespräch treffen.