Ernst-Happel-Stadion

Warum der Platzwart nicht an Deutschland glaubt

Alfred Melcher dämpft die deutschen Hoffnungen vor dem Finale gegen Spanien. „Der Rasen im Happel-Stadion ist super geeignet für technisch perfektes und schnelles Spiel – so wie es die Spanier spielen", sagt er. Melcher muss es wissen: Der 52 Jahre alte Deutsche ist als Platzwart für das Grün zuständig, auf dem Deutschland seinen vierten EM-Titel gewinnen will.

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Die DFB-Elf habe sich in der Vorrunde beim 1:0 gegen Österreich in Wien „sehr schwer getan“, gibt Melcher noch zu bedenken, „aber das lag nicht am Rasen.“ Die Halme in der Endspielarena werden den höchsten internationalen Ansprüchen gerecht, als Ausrede für eine mögliche Niederlage taugen sie nicht. Auch nach den heftigen Regenfällen beim Halbfinale der Spanier am Donnerstag gegen Russland (3:0) sei der Rasen „sehr, sehr gut in Schuss. „Er hat ziemlich viel geschluckt.“ Greenkeeper Melcher berät ein Team von 15 Leuten, die sich im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr um das Gras kümmern.

Wenn Melcher über seine Arbeit spricht, redet er Rasenlatein. Begriffe wie Vertikutieren (Ausdünnen), Aerifizieren (Belüften) und Vertidrainieren (Regeln der Wasserzufuhr) fallen dann. Melcher geht nicht gegen Unkraut, sondern gegen Ungräser vor. Schließlich ist er „Fach-Agrarwirt für Golfplatzpflege“. Als solcher hat er den Blick für das perfekte Grün – und in Wien hat er es gefunden.

Anders als noch bei der WM vor zwei Jahren in Deutschland war jeder Spielort für die Rasen-Auswahl selbst verantwortlich. „Wenn der Rasen gut ist, kann er liegen bleiben“, lautete neben der Länge der Halme (23 Millimeter) die einzige Vorgabe der Europäischen Fußball-Union (Uefa).