Hockey

Die furiose Rückkehr von Thies Prinz

Thies Prinz wurde in Berlin ausgebildet und wechselte dann nach Köln. Jetzt kommt das Hockey-Juwel zur EM zurück nach Berlin.

Hockey-Nationalspieler Thies Prinz (Mitte) in Aktion.

Hockey-Nationalspieler Thies Prinz (Mitte) in Aktion.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin. Der Begriff des Führungsspielers bekommt bei Thies Prinz in diesen Tagen eine ganz neue Bedeutung. Nur wenige in der deutschen Mannschaft waren vor der Hallenhockey-EM im Horst-Korber-Zentrum bereits mit der Spielstätte vertraut, die nach der Unterbringung tausender Flüchtlinge erst seit Anfang 2018 wieder für den Sportbetrieb freigegeben ist.

Prinz und Teamkapitän Paul Dösch sind die einzigen, die schon einmal dort gespielt haben: Als Jugendliche waren sie dort mit der Berliner Landesauswahl aktiv. Logisch, wer in den verschlungenen Gängen der Arena eine Führungsrolle übernahm. Trotzdem hatte der 21-Jährige zunächst noch ein mulmiges Gefühl. Das Parkett ist bei dieser EM langsamer, als er es aus der heimischen Liga gewohnt ist. Die Gefahr bestand, dass Prinz sein Tempo und seine überragende Technik nur bedingt würde ausspielen können.

Prinz erzielt Traumtor zum EM-Auftakt gegen Belgien

Doch schon nach dem Abschlusstraining gab Prinz Entwarnung: „Mir liegt dieser Boden total“, meinte er. Das gilt offenbar für das gesamte DHB-Team. Am Freitag jedenfalls gelang den Gastgebern ein Auftakt nach Maß. Gegen Belgien gewann Deutschland mit 12:1, zu dem Prinz den wohl schönsten Treffer des Tages beisteuerte – einen frechen Lupfer über den gegnerischen Torhüter.Beim anschließenden 12:2 gegen Tschechien traf er sogar doppelt.

Durch die beiden deutlichen Siege hat Deutschland vorzeitig das Halbfinale erreicht.Auch der zweite Berliner im Kader – Paul Dösch – war in beiden Spielen erfolgreich. Einst liefen sie gemeinsam für Blau-Weiss auf, doch inzwischen haben sich ihre Wege getrennt.

Während Dösch weiterhin in der Hauptstadt spielt, jetzt allerdings im Trikot des BHC, hat es Prinz 2018 zum Spitzenteam Rot-Weiss Köln verschlagen. Schon seit er 16 Jahre alt war, waren ihm regelmäßig Anfragen anderer Klubs ins Haus geflattert, die er bis dahin aber stets abgelehnt hatte. Das Umfeld in Berlin schien ideal, um als Talent weiter zu reifen.

Köln bot dem Berliner Talent das beste Gesamtpaket

„Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich etwas verändern muss, wenn ich es bis nach ganz oben schaffen will“, sagt Thies Prinz. Köln bot dafür das beste Gesamtpaket, sowohl finanziell als auch sportlich. Der Klub zählt zu den besten hierzulande, holte seit 2010 vier Mal den Titel und ist in der Halle sogar Rekordmeister. Etliche Nationalspieler stehen im Kader der Kölner.

In Köln musste er sich erst einmal hinten anstellen

Für Prinz eine ganz neue Herausforderung: Bei Blau-Weiss war er schon in jungen Jahren Führungsspieler gewesen, bei Rot-Weiss musste er sich erst einmal hinten anstellen. „Im ersten halben Jahr habe ich mich schwer getan, weil ich nicht genau wusste, was meine Position in der Mannschaft ist“, sagt er. Erst in der Rückrunde der vergangenen Feldsaison bekam er mehr Verantwortung und ist aus dem Kölner Team jetzt nicht mehr wegzudenken. „Ich habe mich in vielen Dingen stark verbessert und noch nie so gutes Hockey gespielt, meint Thies Prinz. Im vergangenen Jahr schaffte er sogar erstmals den Sprung ins A-Nationalteam.

Entsprechend groß war die Enttäuschung, als er im Herbst nicht für den Olympiakader für Tokio nominiert wurde. „Das war schon ein Schlag ins Gesicht“, sagt er. Die Hallen-EM ist für ihn trotzdem mehr als nur ein Trostpflaster. „Ich freue mich, dass ich hier vor meiner Familie und Freunden spielen darf“, sagt er. Die Auftritte am Freitag haben gezeigt, dass Prinz seine Führungsrolle auch auf dem Parkett gern annimmt.