Eishockey

Erinnerungen an das Silber-Märchen

Die deutsche Eishockey-Mannschaft verblüfft bei der WM in der Slowakei. Schon werden Erinnerungen an Olympia-Silber wach.

Die Spieler auf der deutschen Bank und Korbinian Holzer (r.) feiern den Siegtorschützen Leon Draisaitl.

Die Spieler auf der deutschen Bank und Korbinian Holzer (r.) feiern den Siegtorschützen Leon Draisaitl.

Foto: DAVID W CERNY / Reuters

Kosice. Nach einem Ständchen für das Geburtstagskind Matthias Plachta um Mitternacht und einem Stückchen Torte gönnten sich die deutschen Eishockeyspieler um Superstar Leon Draisaitl ein paar Bier auf ihren historischen WM-Start. Und manch einer dachte bei der kleinen Feier für den Mannheimer Stürmer im Teamhotel an das olympische Silbermärchen vor 15 Monaten.

Draisaitls Siegtor 27 Sekunden vor Schluss

„Der Ballon ist voll aufgepumpt. Du merkst in der Kabine: Sie wollen mehr. Das erinnert mich an Pyeongchang“, sagte Präsident Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) nach dem dramatischen 3:2 gegen den WM-Gastgeber Slowakei und dem praktisch sicheren Einzug ins Viertelfinale: „Sie wollen immer mehr.“

Dank des Siegtores von Draisaitl 27 Sekunden vor Schluss schreiben die deutschen Puckjäger schon wieder die Eishockey-Geschichtsbücher neu: Mit vier Siegen in eine WM startete Deutschland zuletzt 1930 - als die Berliner und deutsche Eishockeylegende „Justav“ Jaenecke die Mannschaft bis ins Finale im Berliner Sportpalast führte. „Das ist sehr, sehr lange her“, meinte Draisaitl, „es fühlt sich super an.“

Viertelfinale nur noch theoretisch zu nehmen

Bis zu einer Medaille wie damals ist der Weg in der Slowakei allerdings noch sehr weit. Doch die Silbersensation von Südkorea im Februar 2018 hat selbstbewusst gemacht. „Wie es bei Olympia auch war: Wenn wir einen Sahnetag haben und alles zusammenpasst, können wir die auch schlagen“, sagte Verteidiger Yannic Seidenberg, einer von elf verbliebenen Olympiahelden, mit Blick auf die hochkarätigen nächsten Gegner.

Das Viertelfinale und damit die direkte Qualifikation für die Winterspiele 2022 in Peking sind der DEB-Auswahl nur noch theoretisch zu nehmen. Gegen Kanadas NHL-Auswahl am Sonnabend (16.15 Uhr), den schwächelnden Mitfavoriten USA am Sonntag (16.15 Uhr) und zweimaligen Weltmeister Finnland am Dienstag (12.15 Uhr/alle Sport1) geht es in den restlichen Vorrundenspielen darum, sich eine möglichst gute Ausgangsposition für die K.o.-Runde zu sichern. Noch ist die deutsche Mannschaft – aufgrund des leichteren Auftaktprogramms – Tabellenführer der Gruppe A.

Draisaitl spürt Geist von Olympia

„Jetzt kommen die schweren Brocken“, meinte NHL-Verteidiger Korbinian Holzer, „da können wir ein bisschen locker durch die Hose atmen.“ Der Druck ist weg, der Spaß beginnt. Wie nach dem Viertelfinaleinzug bei den Olympischen Spielen. Den Geist von Pyeongchang spürte auch Draisaitl, der beim größten Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte wegen des NHL-Boykotts zuschauen musste. „Die Jungs ziehen an einem Strang. Es macht wirklich Spaß, Teil dieser Mannschaft zu sein“, sagte der Stürmer der Edmonton Oilers.

Ein Geniestreich des 23-Jährigen, in dieser Saison mit 50 Toren und 105 Scorerpunkten zum NHL-Superstar aufgestiegen, hatte das Nervenspiel im Hexenkessel von Kosice entschieden. Bis dahin in seinen Aktionen eher unglücklich und erfolglos, schnappte sich Draisaitl den Puck, zog aufs Tor und schlenzte den Puck an Verteidiger und Torwart vorbei ins Netz.

Noch zu früh, von Medaille zu reden

„Im Rest des Spiels habe ich eigentlich nichts wirklich Gutes hinbekommen“, gab der Matchwinner zu, „da habe ich mir gedacht, eine gute Aktion muss ich noch irgendwie zustande bringen.“ Sie führte die deutsche Mannschaft in die K.o.-Runde und ließ sie von einem weiteren Coup träumen. Bundestrainer Toni Söderholm allerdings wollte noch nicht über eine Medaille reden: „Das ist zu früh. Es ist noch zu viel Eishockey zu spielen.“