Eisbären Berlin

Eisbären-Neuling Wiederer: Schmerzfrei in die Zukunft

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Marcel Stein
Zuletzt spielte Manuel Wiederer (l.) bei seinem Heimatklub Deggendorf in der Oberliga.

Zuletzt spielte Manuel Wiederer (l.) bei seinem Heimatklub Deggendorf in der Oberliga.

Foto: Stefan Ritzinger via www.imago-images.de / imago images/Stefan Ritzinger

Eisbären-Zugang Manuel Wiederer brauchte eine Auszeit, um sich zu erholen. In Berlin will der talentierte Stürmer nun durchstarten.

Berlin. Ein bisschen Respekt nimmt er mit in die ersten Spiele. Es wird bestimmt nichts Wildes, die Eisbären Berlin absolvieren in Italien am Sonnabend und Sonntag beim Dolomitencup ihre ersten Testpartien. Aber Tempo und Einsatz müssen trotzdem da sein. „Das wird hart für mich vom Timing her und von der Kondition“, sagt Manuel Wiederer. Während die Kollegen von einem kurzen Sommer erzählen, kommt der Stürmer aus einer langen Pause. Was sie genau bewirkt hat, muss sich zeigen. Aber eines weiß Wiederer: Der Anfang dürfte schwierig werden.

Dennoch geht der Bayer mit Freude mit den Berlinern in die Vorbereitung auf die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), mit ganz viel Zuversicht. Sein Talent ist unbestritten, seine Karriere zeigte eher in Richtung NHL. Bis Wiederer einen Entschluss fasste, den mancher nicht verstehen konnte. Der aber unumgänglich war. Über Jahre plagten ihn Schmerzen, die selbst mit den üblichen Mittelchen nicht mehr unterdrückt werden konnten. „Das hat mich fast in den Ruin getrieben“, sagt der 24-Jährige. Wie ein alter Mann habe er sich gefühlt. Deswegen musste er Schluss machen.

Den Eisbären-Profi plagten jahrelang Schmerzen

Vorübergehend nur, an ein Ende der Karriere dachte der Stürmer nie. Aber er wusste, dass sie nicht mehr lange dauern würde, wenn er nichts unternimmt. Wiederer spielte früh auf hohem Niveau, war mit 17 schon für Straubing in der DEL im Einsatz, wechselte 2015 nach Kanada in eine Nachwuchsliga und schaffte 2017 den Sprung zu den San Jose Barracuda in die AHL. Die Liga unterhalb der NHL, die der Traum aller Eishockey-Profis ist. „In Kanada ist es losgegangen, immer kleine Sachen“, sagt er. Knie oder Ellenbogen, irgendwas tat ständig weh. Am Knie musste er vor zwei Jahren sogar operiert werden.

Gespielt hat Wiederer trotzdem viel. „Die Schmerzgrenze ging immer weiter nach oben. Die Pausen waren kurz“, so der Angreifer, der jede Position ausfüllen kann, sich aber als defensiver Mittelstürmer am wohlsten fühlt. Corona zwang ihn ab Mitte März 2020 schon zu einer längeren Auszeit. Doch als er sich Ende vergangenen Jahres in seinem Heimatverein Deggendorf in der dritten Liga durch eine Leihe auf die AHL vorbereiten wollte, spürte Wiederer, dass er Zeit braucht. „Ich habe gemerkt, dass es im Kopf nicht mal mehr für die Oberliga gereicht hat“, erzählt er. Die Schmerzen hatten ihn auch psychisch ausgelaugt.

Als Mitte Januar die Rückkehr nach San Jose anstand, war ihm klar, dass das keinen Sinn machte. Er löste stattdessen den Vertrag auf. „Das war kein einfacher Schritt, man weiß ja nie, wie es dann weitergeht. Aber Gott sei Dank war ich so ehrlich zu mir“, sagt der Profi, für den die Jahre in Nordamerika „unglaublich“ waren, weil er so viel gelernt und erlebt hat. Doch nun musste er etwas anderes tun, sich erholen, „das Eishockey komplett vergessen“. Wiederer war in seiner Heimat viel in der Natur, unterwegs auf dem Rad: „Ich habe nur gemacht, worauf ich Lust hatte. Das habe ich genossen.“ Kopf und Körper konnten sich regenerieren, neue Energie sammeln.

Die Zeit bei den Eisbären soll ihn zu Olympia bringen

Jetzt fühlt sich der Angreifer so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr, ist voller Tatendrang. Es gab einige Gespräche mit Klubs, das Paket der Berliner sagte ihm am meisten zu. „Rekordmeister, aktueller Meister, wir haben wieder eine Wahnsinns-Mannschaft“, da kann man schwer absagen. „Er kann einer der besten Deutschen in der Liga werden“, glaubt EHC-Sportchef Stéphane Richer. Außerdem ist die enge Verbindung zum NHL-Klub Los Angeles Kings durch den gemeinsamen Besitzer Anschutz nicht uninteressant. „Ich will wieder rüber, wenn es sich ergibt“, so Wiederer, der zunächst für ein Jahr in Berlin unterschrieben hat.

Die Zeit bei den Eisbären soll ihn aber auch zurück in das Nationalteam bringen, mit dem er bereits 2018 bei der WM spielte. Die Olympischen Spiele im Februar 2022 reizen ihn. Wiederer weiß, dass der Sprung in die Truppe, die gerade WM-Vierter geworden ist, nicht leicht wird nach eineinhalb Jahren ohne Profispiele. „Aber wenn ich an meine Leistungen anknüpfen kann, habe ich reale Chancen“, erzählt er mit ganz viel Überzeugung.

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