Eisbären Berlin

Eisbären Berlin: Das Herz im Sturm erobert

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Marcel Stein
Der neue Verteidiger der Eisbären Berlin: Simon Després zeigt ein gutes Debüt.

Der neue Verteidiger der Eisbären Berlin: Simon Després zeigt ein gutes Debüt.

Foto: Andreas Gora / dpa

Das Debüt von Verteidiger Simon Després bei den Eisbären Berlin zeigt, dass er eine langfristige Perspektive für den Klub sein kann.

Berlin. Herzen zu erobern kann manchmal so einfach sein. Fast ein Jahr lang hatte Simon Després kein Spiel mehr absolviert, kam ein bisschen nervös nach Berlin, musste seine Quarantäne aussitzen und konnte nur ein wenig mit den neuen Kollegen bei den Eisbären üben. Doch Trainer Serge Aubin sendete sofort Signale des Vertrauens, stellte Després in die Starting Six im Spiel gegen Wolfsburg. „Das hat das Eis gebrochen“, so der Verteidiger, der anschließend ein sehr ordentliches Debüt im Trikot des EHC zeigte.

Die erneute Niederlage (2:3 nach Verlängerung) gegen die Niedersachsen konnte der Kanadier zwar nicht verhindern, für ein paar wesentliche Beobachtungen reichte es dennoch. „Das Team hat einen guten Charakter, hier steckt eine Menge Teamgeist drin und viel Talent“, so Després, der mit dem Tabellenführer der Gruppe Nord der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein 0:2 egalisierte und so immerhin einen Punkt mitnehmen konnte. Auch mit seiner persönlichen Bilanz war er zufrieden: „Ich habe mich gut gefühlt und versucht zu tun, was ich kann.“ Bis die Form wieder seinen Erwartungen entspricht, dauert es nach der langen Pause allerdings noch etwas.

Der Eisbären-Zugang überzeugt mit Stellungsspiel und Erfahrung

Trainer Aubin ließ aber bereits jetzt keinen Zweifel daran, dass er voll auf Després setzt. Er brachte ihn in Überzahl, gab ihm viel Eiszeit. Després durfte in wichtigen Situationen ran und deutete seine Fähigkeiten an. In der Abwehr zeigte er in gutes Positionsspiel, verfügt aber auch über offensives Potenzial, gab fünf Schüsse hab, verzeichnete sogar einen Alleingang. „Er ist groß, kann sehr gut Schlittschuhlaufen, macht gute Pässe“, lobt der Trainer, der auch die enorme Erfahrung des 29-Jährigen schätzt, der vor eineinhalb Wochen zunächst bis Saisonende verpflichtet wurde, weil der Norweger Stefan Espeland die Berliner nicht überzeugte und gehen durfte.

Für Després, der am Donnerstag mit dem Team in Bremerhaven antritt (18.30 Uhr/Magentasport), tat sich damit die Option auf, auf die er lange gewartet hatte. Zwar lagen ihm einige Angebote vor. „Aber wegen Corona hat er sich genau überlegt, was er tut. Er hätte auch in die KHL gehen können, aber nach Russland wollte er nicht“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. Die Nähe seiner franko-kanadischen Landsleute war ihm deutlich lieber, ließ der Abwehrspieler durchblicken. Außerdem dürfte auch die Perspektive interessant sein. Despés ist im besten Alter und kann dem Verein noch viel geben, wenn ihm das Umfeld zusagt. Aubin jedenfalls scheint es ihm so angenehm wie möglich machen zu wollen.

Die Liga kennt der Verteidiger bereits, spielte zum Ende der vorvergangenen Saison bei den Kölner Haien. „Diese Zeit habe ich genossen. Das half mir, jetzt sofort zuzusagen“, erzählt der mit gut 100 Kilogramm bei 1,93 Metern Körpergröße sehr wuchtige Defensivmann. Die vorige Spielzeit verbrachte er in Schweden, hat zudem ein Jahr für Slovan Bratislava in der KHL gespielt. Den größten Teil seiner Profikarriere absolvierte Després jedoch in der NHL, der besten Liga der Welt. Für Pittsburgh und Anaheim kam er in 222 Partien zum Einsatz und verbuchte für einen Verteidiger dort passable 50 Punkte (7 Tore/43 Vorlagen).

Der junge Eric Mik muss wieder öfter die Bank hüten bei den Eisbären

Nach der langen Auszeit wäre Després auch glücklich gewesen, wenn er sich erst einmal hätte hinten anstellen müssen. „Ich nehme es, wie es kommt und mache alles mit einem breiten Lächeln“, sagt er und klingt dabei sehr aufgeräumt. Die vergangenen Monate veränderten den Fokus. Trainieren konnte er nicht viel, deshalb hat er sich „um mein Leben gekümmert. Das war die längste Zeit, die ich seit Langem ohne Reisen daheim verbracht habe. Das war komisch, hat mir aber auch viel gegeben.“ Doch nun steht der Sport wieder im Vordergrund – und seine Vorzüge erachtet der Coach als zu wertvoll, um sie zu lange zu verstecken. „Ich weiß, wie ich mich einsetzen kann, wo ich sein muss“, sagt der Kanadier, der stark ist in der Spieleröffnung, eine große Reichweite besitzt und das Spiel schnell machen kann.

Für Eric Mik (21) hat das erst einmal keine schönen Auswirkungen. Der junge Verteidiger verdrängte zwar Espeland, musste mit dem Debüt von Després allerdings wieder viel Zeit auf der Bank verbringen. Die Hoffnung, über eine längere Phase eine größere Rolle einnehmen zu können, zerschlug sich damit zügig. Hoffentlich hat Aubin mit seiner Sympathie für den Neuen nicht gleich ein anderes Herz gebrochen.

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