Eisbären Berlin

Eisbären Berlin: Foucaults Umweg zum Glück

| Lesedauer: 5 Minuten
Marcel Stein
Ästhet auf dem Eis: Stürmer Kris Foucault (l.) trifft zuverlässig für die Eisbären Berlin.

Ästhet auf dem Eis: Stürmer Kris Foucault (l.) trifft zuverlässig für die Eisbären Berlin.

Foto: Eibner-Pressefoto / Beaut.Sports / Wunderl / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Stürmer Kris Foucault hatte andere Pläne und landete unbeabsichtigt bei den Eisbären Berlin. Davon profitieren beide Seiten.

Berlin. Vier Jahre ist Theo erst alt, aber schon ein echter Eishockeyfan. Wenn sein Vater die Schlittschuhe schnürt, feuert er ihn leidenschaftlich an. Zuletzt drehte sich die Welt allerdings ganz schön schnell für den Kleinen. Vor einem Jahr litt er mit dem ERC Ingolstadt, vor ein paar Monaten mit den Krefeld Pinguinen, und seit ein paar Wochen bedeuten ihm die Eisbären Berlin alles. „Es ist gar nicht so leicht, ihm verständlich zu machen, dass wir zu einem anderen Team gehen, wo er doch gerade dem anderen so zugejubelt hat“, erzählt Kris Foucault mit einem gewissen Schuldgefühl.

Immerhin sieht es so aus, als hätte sich die kleine Rundreise durch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) für den Stürmer gelohnt. Mit zehn Treffern ist der 30-Jährige gemeinsam mit Leonhard Pföderl der beste Torschütze der Eisbären und gehört zu den besten Drei der Liga. „Die Umstellung fiel mir nicht schwer. Hier sind relativ viele Spieler neu dazugekommen, dadurch konnte ich schnell meinen Platz finden“, sagt der Kanadier. Die Stadt kannte er auch schon ganz gut, da er während seiner Zeit in Wolfsburg (2016 bis 20019) öfter Ausflüge in das nahe Berlin unternahm. Und Kinder gewöhnen sich ohnehin meist fix an neue Dinge.

Ein technisch und läuferisch starker Stürmer für die Eisbären Berlin

Im Prinzip können sich beide Seiten als Gewinner fühlen. Für Foucault waren die Eisbären die Chance, schnell aus einer misslichen Lage zu kommen. Den Berlinern bot sich mit dem Angreifer plötzlich eine Option, die überhaupt nicht absehbar gewesen ist. „Jetzt zeigt er bei uns seine Torjägerqualitäten. Für uns ist das gut gelaufen“, freut sich Sportdirektor Stéphane Richer, der den Landsmann erst kurz vor dem Saisonstart in die Hauptstadt holen konnte.

Ursprünglich wollte Foucault die Spielzeit in Krefeld verbringen, mehr aus der Not heraus, denn voller Überzeugung. Vergangene Saison war er mit 16 Toren und 26 Vorlagen zweitbester Stürmer in Ingolstadt, verhandelte über eine Verlängerung. „Dann wurde wegen der Pandemie alles auf Eis gelegt. Ingolstadt konnte zunächst nichts mehr machen, dann kam ein Angebot aus Krefeld. Es machte für mich wegen der Familie mehr Sinn, das anzunehmen, als auf etwas zu warten, von dem ich nicht weiß, ob es dazu überhaupt kommt“, so der Angreifer.

Bei den Pinguinen ging nur leider ziemlich viel schief. „Ich mochte die Truppe und habe großen Respekt vor den Spielern. Aber nach Gesprächen mit dem Manager war es besser, woanders hinzugehen“, berichtet Foucault diplomatisch. Die Wirklichkeit war jedoch aufregender. Beim Magenta Cup in der Vorbereitung wurde von den Spielern kurzfristig vor einer Partie in der Kabine ein weiterer Gehaltsverzicht verlangt. Daraufhin kam es zum Krach, die Spieler bestreikten sogar das Warmmachen. Und Foucault fand schließlich bei den Eisbären, die gerade eine enttäuschende Vorbereitung spielten, umgehend einen Interessenten.

Die Eisbären Berlin spielen am Donnerstag in Krefeld

Am Donnerstag treten die Eisbären nun in Krefeld an (19.30 Uhr, Magentasport). Während die Pinguine das schwächste Team der Liga sind, können die Berliner mit Foucault die Tabellenspitze erklimmen in der Gruppe Nord. Der Kanadier gehört zu jener Sorte Profis, die in jeder Partie auffallen: technisch stark, mit manchmal leichtem Hang zum Übermut, läuferisch enorm schnell. Beides vereint der in Calgary geborene Spieler zudem mit einem extremen Drang zum Tor, großer Handlungsschnelligkeit und einem präzisen Schuss. „Er besitzt überragende offensiven Fähigkeiten“, findet Richer.

Die hätten Foucault vielleicht sogar weiterbringen können. Einmal wenigstens durfte er in der NHL auflaufen, bei den Minnesota Wild. Zu mehr als einer Nebenrolle reichte es jedoch nicht in der besten Liga der Welt, und die mochte er nicht dauerhaft annehmen. Also wagte er den Schritt nach Europa, fing zunächst in Wien an. „Ich wollte in einer der besten Ligen hier spielen, in Schweden oder der Schweiz, in Deutschland oder Finnland“, sagt Kris Foucault. So wurde es nur ein Jahr in Österreich, leider auch nur eines in der Schweiz. Immerhin drei Saisons in Wolfsburg folgten. Nun also Berlin, und der andere Wunsch. „Als Familienmensch würde ich mich freuen, jetzt länger irgendwo zu bleiben“, sagt der Vater zweier Kinder. Vor allem für Eishockeyfan Theo wäre es schön, sich ganz einem Team hingeben zu können.

Noch mehr zu den Eisbären Berlin lesen Sie hier.