Eisbären Berlin

Eisbären-Stürmer Noebels: Ein Anführer, der kein Amt braucht

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Marcel Stein
Topscorer bei den Eisbären: Angreifer Marcel Noebels prägt das Spiel der Berliner.

Topscorer bei den Eisbären: Angreifer Marcel Noebels prägt das Spiel der Berliner.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Stürmer Noebels hat sich bei den Eisbären zum Dreh- und Angelpunkt des Spiels entwickelt. Das Team sieht er noch in der Findungsphase.

Berlin. Es hat schon etwas, dass nun jeden Abend Eishockey im TV läuft. Also schaltete Marcel Noebels am Montag ein, schaute sich das letzte Drittel zwischen Düsseldorf und Krefeld an. Nicht unbedingt, weil die DEG die Eisbären Berlin mit einem Sieg von Platz zwei hätte verdrängen können und am Mittwoch der nächste Gegner des EHC ist (18.30 Uhr, Magentasport). Sondern mehr aus Heimatliebe, der Stürmer kommt aus der unmittelbarer Nähe von Krefeld, ist bei den Pinguinen groß geworden. „Da leidet man schon ein bisschen mit, wenn man sieht, was da in den letzten zwei, drei Jahren passiert ist“, sagt er. Diesmal schlug der Tabellenletzte, der so katastrophal in die Saison gestartet ist, die DEG (3:1). Für Noebels war die Freude der Krefelder greifbar.

Er selbst hat gerade mit gemischten Gefühlen zu kämpfen. Einerseits zeigt sein Team in der Gruppe Nord der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sehr gegensätzliche Darbietungen, trumpft daheim souverän auf, kann aber auswärts keine Stabilität finden. Andererseits steht sein persönlicher Beitrag außerhalb jeder Kritik, Noebels prägt das Spiel der Eisbären, ist die wichtigste Figur im Gefüge.

Über sich selbst redet der 28-Jährige nicht mit Vorliebe, er lässt lieber seine Taten sprechen. „Sicher wollte ich immer dahinkommen, in so einer Position zu sein“, sagt der Stürmer, dessen Entwicklung beeindruckt. Kontinuierlich steigerte er in den vergangenen Jahren seinen Wert für die Mannschaft. Seit er 2014 nach Berlin kam, sprach er stets davon, in eine Führungsrolle wachsen zu wollen. Das hat Noebels längst getan, und er reifte überdies zu einem Spitzenspieler, der in der vergangenen Saison mit dem Titel „Spieler des Jahres“ der DEL ausgezeichnet worden ist.

Noebels ist wieder Topscorer bei den Eisbären

Das scheint für ihn ein Antrieb zu sein. Mit 23 Toren und 26 Vorlagen war er in der vergangenen Saison so effektiv wie nie zuvor, der erfolgreichste EHC-Profi. „Das hat mir noch mal viel Selbstvertrauen mitgegeben“, so Noebels, der die Erwartungen an sich in dieser Spielzeit noch einmal auf einer höheren Ebene ansiedelt. Seine eigenen, die des Vereins. Wie er dem gerecht wird, das verlangt Respekt. Er ist Topscorer mit drei Toren und zwölf Vorlagen, erhält die meiste Eiszeit im Team (21:33 Minuten pro Spiel), spielt in Über- und Unterzahl.

Nicht nachzulassen, das Niveau zu halten, das macht für den Stürmer „einen guten Spieler aus“. Dabei hat er nicht nur Tore und Vorlagen im Kopf. „Alle sollen auch wissen, dass ich defensiv ein gutes Spiel machen kann“, so Noebels. Denn die Arbeit nach hinten ist für den Erfolg des Teams unheimlich wichtig. Dass der gebürtige Rheinländer sie sehr gut leistet, lässt sich an seiner Plus/Minus-Statistik ablesen. Er steht bei deutlich mehr Treffern auf dem Eis als bei Gegentreffern, mit plus 12 führt er sogar die Liga an.

Gute Voraussetzungen, um ein persönliches Ziel zu erreichen. „Ich möchte gern den Titel als Spieler des Jahres noch ein zweites Mal gewinnen“, erzählt der Berliner, der mit seinen vielen Stärken und Tugenden, mit seinem Kampf- und Teamgeist sowie Ehrgeiz gut getaugt hätte, um die Nachfolge von André Rankel als Kapitän nach dessen Karriereende anzutreten. Doch im Gespräch mit Trainer Serge Aubin seien beide zu dem Schluss gekommen, dass „ich das nicht brauche, um Verantwortung zu zeigen“. Perspektivisch allerdings sei es für ihn schon interessant, vielleicht nach Frank Hördler das Amt zu übernehmen.

Eisbären treffen am Mittwoch auf die Düsseldorfer EG

Zusammen müssen sie zunächst einmal aber dafür sorgen, dass die Mannschaft endlich ihren Kurs findet. Das Team erfuhr vor der Saison viele Veränderungen, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. „Das hätte keiner gedacht“, sagt der Nationalspieler, der zum Dreh- und Angelpunkt des Berliner Spiels avanciert ist, und erkennt darin auch einen Grund für die aktuellen Schwierigkeiten: „Wir sind aufgestellt, um jedes Spiel genug Tore zu schießen. Ich glaube, dass wir noch in der Findungsphase sind, wir haben in manchen Situationen unsere Rollen noch nicht richtig aufgeteilt.“ Das Team agiert insgesamt zu offensiv und muss noch lernen, als Mannschaft zu verteidigen.

Vor allem auswärts, wo zudem die Einstellung nicht immer stimmt, stellt sich das als problematisch dar. „Ich hoffe wirklich, dass jetzt langsam so ein Punkt kommt, an dem wir selbst merken, dass wir auswärts die gleiche Mentalität haben müssen wie zu Hause“, sagt der Angreifer, der aufgrund der auffälligen Höhen und Tiefen noch kein klares Ziel für diese Saison vor Augen hat. „Wir werden kein einfaches Jahr haben und müssen noch an uns arbeiten, bis wir sagen können, dass wir bis zum Schluss mitspielen wollen“, glaubt Noebels, der auch in der DEG ein Team sieht, das den Eisbären gefährlich werden kann in der Endabrechnung. Am Mittwoch geht es aber erst einmal darum, nach zwei bitteren Auswärtsniederlagen gegen Düsseldorf daheim eine Rechnung zu begleichen.

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