Eisbären Berlin

Frank Hördler: „Freue mich, dass sie an mich gedacht haben“

| Lesedauer: 5 Minuten
Marcel Stein
Kapitän Frank Hördler fühlt sich geehrt über das neue Amt bei den Eisbären Berlin.

Kapitän Frank Hördler fühlt sich geehrt über das neue Amt bei den Eisbären Berlin.

Foto: Matthias Balk / picture alliance/dpa

Eher unerwartet wurde Frank Hördler der neue Kapitän der Eisbären. In Iserlohn soll er die Berliner zum ersten Auswärtssieg führen.

Berlin. Es ist ein bisschen wie früher. Flugreisen sind aktuell nicht drin, Bahnfahren ist wegen der vielen Kontakte auch schwierig. Daher touren die Eisbären, sonst als Vielflieger bekannt, nun wieder mit dem guten, alten Reisebus durch die Republik. Das ist zwar weniger bequem, „aber wir sind in unserer eigenen kleinen Blase unterwegs“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. Und für den Teamgeist kann die kuschelige Atmosphäre in einem Reisebus ja durchaus förderlich sein.

Schon am Montag waren die Berliner unterwegs nach Iserlohn, wo sie am Dienstag in der Gruppe Nord der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei den Roosters gastieren (19.30 Uhr, Magentasport). „Das wird schwierig, sie stehen mit oben, haben viel Selbstvertrauen“, sagt Frank Hördler. Seine Aufgabe ist es, das Team der Berliner auf dem Eis anzuführen. Das macht er im Prinzip schon lange, Hördler hat jede Menge Erfahrung und genießt viel Respekt in der Mannschaft. In dieser Saison allerdings trägt der Verteidiger zum ersten Mal in seiner Karriere offiziell das „C“ des Kapitäns auf der Brust.

Eisbären-Top-Scorer Noebels soll sich auf sein Spiel konzentrieren

Obwohl Hördler alles schon gesehen und erlebt hat, obwohl die Saison schon etwas läuft, wirkt der Abwehrspieler noch immer gerührt ob dieser doch unerwarteten Ehre. „Ich freue mich wirklich sehr über das Vertrauen, darüber, dass sie an mich gedacht haben“, erzählt der älteste Profi im Kader der Berliner. Seit 2003 spielt er für den EHC, gewann sieben Meistertitel in der DEL, war Olympia-Zweiter, nahm an etlichen Weltmeisterschaften teil. Reputation ohne Ende, allseits anerkannt im Klub. „Franki war immer schon eine Art Kapitän“, sagt Trainer Serge Aubin, der Hördler ein wenig überreden musste, damit er das Amt nun übernimmt.

Sein Ziel ist das nämlich nie gewesen. „Ich hatte Spaß dabei, André zu unterstützen“, sagt Hördler, der bislang auch als Assistenzkapitän wirkte. Doch André Rankel, acht Jahre Spielführer der Eisbären, hat seine Karriere nun beendet. Es musste also ein neuer Kapitän her. Dabei hätte man durchaus auf andere Spieler tippen können, jüngere, die den Job perspektivisch länger ausfüllen. Top-Scorer Marcel Noebels (28) etwa, der in der Vorsaison zum DEL-Spieler des Jahres gewählt worden ist. Hördler befindet sich schließlich im letzten Vertragsjahr, wird in drei Wochen 36 Jahre alt. Für Aubin hat die Wahl des Routiniers allerdings „in vielerlei Hinsicht Sinn gemacht“.

Zwar darf man es natürlich ebenso als eine Art Belohnung für viele erfolgreiche Jahre im Klub verstehen, doch für den Coach waren auch andere Dinge wichtig. „Er ist zwar eher ruhig, kann aber gut mit jungen Spielern umgehen, er versteht sich mit allen, er weiß, worum es bei den Eisbären geht“, so Aubin, der sich in Gesprächen mit anderen Spielern seine Meinung gebildet hat. Und dabei auch gemeinsam mit Noebels feststellte, dass es für diesen besser ist, sich allein auf sein Spiel zu konzentrieren und keine zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen.

Neue Rolle motiviert den Eisbären-Kapitän

Hördler, angetan auch von der Fürsprache der Kollegen, von der Aubin ihm bei einem Essen berichtete, willigte schließlich ein. „Der Trainer wusste, dass ich nicht unbedingt der bin, der das forciert. Aber ich bin überzeugt von Serge, seinem Team und der Mannschaft, daher habe ich gesagt, dass ich es mache“, so der Kapitän. Das neue Amt verleiht dem alten Haudegen sogar noch mal einen speziellen Antrieb: „Es ist eine andere Rolle als all die Jahre zuvor, das gibt eine andere Motivation. Ich hoffe, dass ich das noch lange genießen kann.“ Es muss ja nicht sein, dass das letzte Vertragsjahr nun auch das letzte Karrierejahr wird für den Verteidiger. Vielleicht steigt mit der neuen Aufgabe die Aussicht auf eine Verlängerung des Kontrakts.

Normalerweise wäre jetzt die Zeit, um über solche Dinge nachzudenken. Doch statt kurz vor dem Ende der Hauptrunde zu sein, sind bedingt durch die Pandemie gerade mal drei Spiele absolviert für die Berliner. „Die Gedanken an den Kader für die nächste Saison liegen noch in einiger Ferne“, erzählt Richer, dem aber bislang gefällt, wie Hördler alles handhabt. „Wenn ich sehe, wie Franki das macht, war es die richtige Entscheidung“, so der Sportdirektor, der auf die Fahrt nach Iserlohn verzichtet hat. Er weiß das Team in guten Händen, und hofft, dass Kapitän und Trainer die Mannschaft der Eisbären bei den starken Roosters zum ersten Auswärtssieg der Saison führen können.