Eisbären Berlin

Eisbären Berlin: NHL-Klub Chicago holt sich Reichel

Mit einem lauten Jubelschrei reagierte Eisbären-Talent Lukas Reichel, als die Blackhawks ihn an 17. Stelle im NHL-Draft auswählten.

Eisbären-Stürmer Lukas Reichel trägt stolz das Trikot der Chicago Blackhawks.

Eisbären-Stürmer Lukas Reichel trägt stolz das Trikot der Chicago Blackhawks.

Foto: DEL / City-Press GmbH

Berlin. Die Party war fast beendet, als eine SMS auf dem Telefon von Lukas Reichel aufpoppte. Patrick Kane, der Star der Chicago Blackhawks, sendete Glückwünsche und ließ den 18-Jährigen wissen, dass er sich freue, bald mit ihm zusammenzuspielen. Gegeneinander sind sie bereits angetreten, und zwar vor gut einem Jahr, als das NHL-Team einen Test gegen die Eisbären Berlin absolvierte. Es waren Reichels erste Schritte ins Profi-Leben. Nun öffnete sich für den Stürmer sogar der Weg zu einer Karriere in der besten Eishockeyliga der Welt.

Es war schon tief in der Nacht, doch Reichel saß hellwach da. Als die Blackhawks in der jährlichen Talentewahl der NHL in der ersten Runde an 17. Stelle an der Reihe waren, sprang der Stürmer der Eisbären plötzlich auf und stieß einen lauten Schrei aus. Der Klub hatte sich die Rechte an dem 18-Jährigen gesichert. „Als ich meinen Namen gehört habe, was das ein unbeschreibliches Gefühl. Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagte Reichel, „ich bin überglücklich und kann es noch nicht wirklich begreifen.“ Für den Angreifer, der vergangene Saison in seinem ersten Profijahr in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwölf Tore erzielte, waren die Blackhawks immer eines seiner Lieblingsteams. „Wenn ich mir ein Team hätte aussuchen dürfen, wären es die Blackhawks gewesen“, so der Berliner, der als erster aktiver Eisbären-Profi in der ersten Runde des Drafts gezogen worden ist.

Eisbären absolvieren am Sonntag ein Testspiel in Weißwasser

Zusammen mit der EHC-Mannschaft und seiner Familie hatte Reichel die Internet-Draft-Show in der Nacht zum Mittwoch unweit der Mercedes-Benz Arena verfolgt. Das war möglich, da die Tests am Montag nach einem Corona-Fall im Team-Umfeld allesamt negativ ausgefallen sind. „Es gibt einen Schub, in der ersten Runde gezogen worden zu sein. Man darf jetzt nicht aufhören zu arbeiten und muss noch härter trainieren“, so Reichel, der am Donnerstag wieder mit dem EHC-Team ins Training einsteigt und am Sonntag in Weißwasser nun das erste Testspiel absolviert (16 Uhr).

Chicago entschied sich aus gutem Grund für den Spieler aus Berlin. „Wegen seiner Spielintelligenz. Wir denken, dass er ein Profi mit großem Einfluss auf unser Team werden kann, ein Spieler für die Top Sechs“, so Mark Kelley, Vize-Präsident für das Scouting der Blackhawks. EHC-Geschäftsführer Peter John Lee findet, dass Reichel „diese Draftposition absolut verdient hat. Chicago ist eine Top-Organisation, in welcher er eine große Chance hat, sich weiterzuentwickeln und sich für die NHL zu empfehlen. Ich bin mir sicher, dass er das Zeug dazu hat.“

Mannheimer Stützle wird an dritter Stelle von Ottawa gezogen

Gleich drei Deutsche hatten gute Chancen, in der ersten Runde von den NHL-Teams ausgewählt zu werden. Der Mannheimer Tim Stützle wurde an Nummer drei von den Ottawa Senators gezogen und damit an gleicher Position wie 2014 Leon Draisaitl, der aktuelle MVP der NHL von den Edmonton Oilers. John Peterka aus München, der sogar höher gelistet war als Reichel, fand in der ersten Runde keinen Abnehmer und wird nun Mittwochabend in der zweiten Runde an der Reihe sein. Zum ersten Mal sind damit zwei Deutsche in der ersten Runde gezogen worden. „Das ist ein hohes Prädikat, nicht nur für die Spieler, sondern auch für die harte und effektive Nachwuchsarbeit in unserem Sport in Deutschland“, sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes. Reichel ist zudem nach Draisaitl und Stützle der dritthöchste deutsche Draftpick aller Zeiten.

Zunächst soll Reichel allerdings weiter bei den Eisbären spielen. Wegen der ungewissen Situation durch Corona dürfen die europäischen Talente mit Verträgen bei ihren Klubs verweilen. „Ich finde das gut, so kann ich eine größere Rolle im Team und mehr Spielpraxis bekommen“, so der Berliner, der sich nach dem Draft „erst einmal beruhigen“ will und dann vielleicht nächstes Jahr mit den ganz Großen spielen.

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