Eisbären Berlin

Welcher NHL-Klub schnappt sich Eisbären-Talent Reichel?

Der Draft in der NHL steht bevor: Eisbären-Talent Lukas Reichel könnte heute Nacht in der ersten Runde gewählt werden.

Schnell und technisch stark: Eisbären-Stürmer Lukas Reichel (l.).

Schnell und technisch stark: Eisbären-Stürmer Lukas Reichel (l.).

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die Pläne waren schon weit fortgeschritten, eine kleine „Draft-Party mit der Mannschaft“ schwebte Lukas Reichel vor. Eine ganze Menge Jungs aus dem Team und selbst aus der sportlichen Leitung der Eisbären Berlin hatten vor, die Nacht von Dienstag zu Mittwoch gemeinsam mit dem 18-Jährigen zu verbringen und Zeugen eines großen Moments zu werden. Denn der junge Profi aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) kann als erster aktiver Eisbären-Spieler in der ersten Runde der jährlichen Talentelotterie der nordamerikanischen NHL ausgewählt werden.

Wie groß die Party nun tatsächlich ausfällt, hängt zunächst allerdings von den Coronatests ab, die die Berliner nach einem positiven Fall im Teamumfeld am Montag über sich ergehen lassen mussten. Erst das lange Warten, wann der Draft in der besten Eishockeyliga der Welt überhaupt über die Bühne geht – und jetzt auch noch das. Reichel nimmt es gelassen. „Das einzige, was mich ein bisschen ärgert, ist, den richtigen Tag beim Draft nicht erleben zu können“, erzählt er. Normalerweise hätte der im Sommer in Montreal stattgefunden, die Liga zelebriert ihn, lädt die Spieler samt Familie ein.

Profi-Premiere bei den Eisbären mit zwölf Toren

Nun wird Reichel wegen der Corona-Pandemie vor dem Computer sitzen und warten, bis er ausgewählt und in die virtuelle Show gebeten wird. „Ich hoffe, so hoch wie möglich gepickt zu werden. In der ersten Runde wäre eine Riesenehre, das war von Anfang an mein Ziel“, sagt der Stürmer, der durchaus erwartet hatte, dass die Online-Veranstaltung aus Rücksichtnahme auf die Europäer nicht zur nordamerikanischen Primetime, sondern etwas früher durchgeführt wird. Aber erst um ein Uhr geht es los, und bei 31 Teams, die sich der Reihe nach ein Talent aussuchen können, wird die Nacht schnell lang.

Egal. „Ich freue mich mega drauf“, sagt Reichel. In den vergangenen Tagen sprach der schnelle Flügelspieler noch einmal mit ein paar NHL-Klubs, es ging um die Entwicklung im Sommer. Seine spielerischen Qualitäten, seine tolle Antizipation, seine technische Reife, sein Tempo: Das konnten alle in der vergangenen DEL-Saison sehen. Zwölf Tore und zwölf Vorlagen gelangen ihm im ersten Profijahr, das machte ihn für den Draft begehrt. Im europäischen Ranking lag er auf Platz elf der interessantesten Talente, in der Gesamtliste unter den ersten 25 Spielern.

Eisbären-Chef sieht im Draft ein Signal für den deutschen Nachwuchs

Körperlich aber „weiß, jeder, dass ich noch nicht so weit bin wie manch anderer“. Daher legte er im langen Sommer ordentlich Muskelmasse drauf, steigerte sein Gewicht von 74 auf 82 Kilogramm. „Ich habe die Zeit gut genutzt“, so Reichel, auf den sie bei den Eisbären sehr stolz sind. „Wir hoffen, dass es für ihn gut läuft“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee, der aber auch Tim Stützle (18/Mannheim) und John Peterka (18/München) die Daumen drückt. Stützle liegt sogar an Position eins im europäischen Ranking, Peterka an sieben. Bislang gab es überhaupt erst fünf deutsche Erstrunden-Picks, dieses Jahr könnten gleich drei auf einmal hinzukommen. In dem Jahr, in dem Leon Draisaitl (24) als erster Deutscher zum wertvollsten Spieler der NHL erkoren worden ist.

Stützle könnte Draisaitl, einst an Position drei gezogen, sogar als höchsten deutschen Draftpick aller Zeiten ablösen, Platz zwei wird ihm zugetraut. „Das ist einfach gut für das deutsche Eishockey. Wenn das so weiterwächst, können wir bald mit den großen Nationen mitspielen“, sagt Reichel zu den drei Erstrunden-Kandidaten. EHC-Chef Lee sieht darin einen Ansporn für den Nachwuchs, „das ist ein Signal, dass man hier im Eishockey etwas schaffen kann“. Aus Berliner Sicht ist die spannende Frage jetzt, wer sich am meisten für Lukas Reichel interessiert. Der Klub ist dem Stürmer dabei fast egal, wichtig wäre nur, dass er wirklich in der ersten Runde gezogen wird, nicht später. Denn die restlichen fünf Runden werden erst am Mittwochabend durchgeführt – und noch länger warten will er einfach nicht.

Alles zu den Eisbären Berlin finden Sie hier.