Eisbären Berlin

Eisbären Berlin im Teamcheck: Ein Kader mit viel Potenzial

Mit diesem Team wollen die Eisbären Berlin am Sonntag in Weißwasser in ihr erstes Testspiel gehen.

Stürmer Marcel Noebels (l.) könnte der neue Kapitän der Eisbären Berlin werden.

Stürmer Marcel Noebels (l.) könnte der neue Kapitän der Eisbären Berlin werden.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die Eisbären Berlin wollen am Sonntag in Weißwasser in ihr erstes Testspiel gehen. Es ist der zweite Anlauf, nachdem vergangenes Wochenende ein positiver Corona-Test im Umfeld der Mannschaft die Teilnahme am Turnier in Dresden vereitelte. Statt gegen München, einen der härtesten Konkurrenten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), treten die Berliner nun also zuerst gegen den Kooperationspartner aus der zweiten Liga an.

Die Eisbären starteten ohne elf Spieler aus der Vorsaison in die Vorbereitung, dafür mit sieben neuen Akteuren, die bei den Berlinern bleiben werden. Hinzu kommen sechs Spieler aus Nordamerika: der gebürtige Berliner Leon Gawanke, der vorerst von den Winnipeg Jets aus der NHL ausgeliehen ist, und fünf Talente vom NHL-Bruderklub Los Angeles Kings (gleicher Besitzer wie der EHC). Bei Letzteren werden vielleicht einer oder zwei länger beim EHC verweilen und womöglich auch Spielpraxis in der DEL sammeln. Sicher ist das aber noch nicht. In Weißwasser spielen alle fünf noch nicht, ebenso fehlt Sean Backman, Thomas Reichel läuft für Weißwasser auf.

Daher hier der Überblick über den aktuellen Kader von Trainer Serge Aubin, der sich allerdings noch verändern kann. Schließlich besitzen die Berliner ebenso noch fünf freie Lizenzen, die an ausländische Profis gehen können, aber erst vergeben werden, wenn Klarheit herrscht über den Saisonstart, der auf Mitte Dezember verschoben worden ist. Mit diesem Team aber bestreiten die Berliner zunächst die Vorbereitung auf die neue Saison:

Die Stürmer der Eisbären Berlin:

Maxime Lapierre (35, Kanada): Eine der zentralen Figuren der Eisbären mit seiner riesigen NHL-Erfahrung und spielerischen Klasse. Der Mittelstürmer lenkt das Spiel souverän, gibt den Kollegen Halt und zieht nie zurück. Ein unangenehmer Gegenspieler für alle anderen, ein Gewinn für das eigene Team. Lapierre vereint alles, was einen guten Eishockeyspieler ausmacht.

Marcel Noebels (28): Der Mann der vergangenen Saison, nicht nur bei den Eisbären, sondern in der ganzen Liga. Schließlich wurde Noebels zum DEL-Spieler des Jahres gewählt. Ein große Auszeichnung, die auch vermuten lässt, dass sich der Stürmer gut als neuer Kapitän machen würde, nachdem André Rankel nicht mehr zum Team gehört. Noebels ist ohnehin zum Anführer geworden, spielerisch gereift als Vorbereiter und Torschütze, als Kämpfer nicht wegzudenken. Ein Schlüsselspieler der Eisbären, der mit 49 Punkten (23 Tore, 26 Vorlagen) zuletzt einen Karrierebestwert erreichte.

Mark Zengerle (31/neu): Der Deutsch-Amerikaner ist einer der Neuen im Team. Er spielte nach der Uni in der AHL und kurz auch in Schweden, angekommen in der DEL zeigte er in Bremerhaven seinen wahren Wert und wurde dort zu einem wichtigen Spieler. Deshalb ist er jetzt in Berlin, der Center besticht durch Übersicht und Vorbereiter-Qualitäten, kann aber auch vollenden. In seinem ersten DEL-Jahr war er einer der vier besten Scorer der Liga und soll nun auch den Abgang von James Sheppard auffangen.

Leonhard Pföderl (27): Zum Ende seines ersten Jahres in Berlin wurde der Bayer vergangene Saison immer besser. Mit 21 Toren lag er dicht hinter Noebels, erzielte die meisten Siegtreffer (7) und hatte mit +17 die beste Plus-Minus-Bilanz im Team. Sein Potenzial schien bisher nicht ausgeschöpft, die Phase der Anpassung fällt nun nicht mehr ins Gewicht. Wenn er dort weitermacht, wo er aufgehört hat, sollte Pföderl sich insgesamt sogar noch besser präsentieren können: als Torjäger mit einer besonderen Rolle im Team.

Mark Olver (32): Das Schlitzohr kam vergangene Saison überraschend stark zurück nach einer langen Verletzungspause. Olver ist ein Mittelstürmer, der flink ist, giftig und voller Ideen. Dazu spielt er sehr effizient, hat bei den Eisbären zuletzt mit der besten Schussquote geglänzt (19,72 Prozent). Auf ihn kommt es an, der Mannschaft in der dritten und vierten Reihe Verlässlichkeit zu bieten und sie unberechenbarer zu machen. Damit besitzt auch er eine wichtige Rolle.

Pierre-Cédric Labrie (34, Kanada): So verrückt muss einer erst einmal sein. Seinen im Sommer geborenen Sohn nannte Labrie tatsächlich Bären. Das erste Jahr im Klub hat also Spuren hinterlassen, genau wie er selbst. Als große Unbekannte stieß er zur Mannschaft und machte sich mit seinem Teamgeist unverzichtbar. Ein Kämpfer von Natur und Statur aus, ein Mann für die grobe Arbeit, der aber trotzdem auch feine Hände hat und Alleingänge stark abschließen kann.

Sebastian Streu (20): Seine Entwicklung nahm in der zweiten Hälfte der Saison viel Fahrt auf, sechs Tore sprechen für sich. Die läuferische Komponente konnte er schon gut einbringen. Über den langen Sommer konnte er mehr Kraft entwickeln, was sich positiv auf sein Durchsetzungsvermögen auswirken sollte. Mit der Erfahrung der Vorsaison sollte sich der Angreifer jetzt noch mehr einbringen können in der dritten oder vierten Reihe.

Sean Backman (34, USA): Vergangene Saison standen nur 13 Partien in seiner Statistik. Die meiste Zeit fehlte er wegen einer Gehirnerschütterung. Zwar trainierte er im Sommer, ob er alles komplett überwunden hat, wird derzeit noch überprüft. Geht in sein viertes Jahr bei den Eisbären, konnte schon im zweiten nicht mehr an das große erste anknüpfen. Sollte sein Comeback gelingen, müsste Backman seine Position bei Trainer Serge Aubin erst finden. Derzeit kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Gehirnerschütterung noch nicht ausgestanden ist. In diesem Fall würde er nicht lizenziert für die DEL und die Eisbären hätten zunächst nur fünf Ausländer im Kader sowie sechs freie Lizenzen.

Lukas Reichel (18): Für die Eisbären wäre es toll, wenn er in Berlin bleiben könnte, um sich weiterzuentwickeln. Sein furioser DEL-Einstand mit 12 Toren und 12 Vorlagen führt ihn aber zunächst in den NHL-Draft, das Supertalent könnte in der ersten Runde gezogen werden. Reichel ist schnell, treffsicher, hat Fähigkeiten als Spielgestalter, ist technisch stark. Wegen Corona ist derzeit nicht sicher, wie mit den Draftpicks in der NHL verfahren wird, aber die Chancen stehen gut, dass Reichel noch mindestens ein Jahr bleibt, bevor sein großes Nordamerika-Abenteuer beginnt.

Fabian Dietz (21): Sein erstes Jahr in der DEL hatte Höhen und Tiefen, aber daran sollte der Stürmer gewachsen sein. Potenzial ist vorhanden, das zeigte er bereits. Jetzt geht es für ihn darum, sich einen Stammplatz zu erkämpfen und druckvoller zu agieren.

Thomas Reichel (21): Zu zehn Teilnahmen in der DEL reichte es zuletzt beim Bruder von Lukas Reichel in der Vorsaison. Bei ihm hofft man, dass die Entwicklung ihn befähigt, in dieser Saison mehr Einsätze in der DEL zu sammeln. Für den Stürmer dürfte es allerdings nicht leicht werden, sich in der vierten Reihe zu etablieren.

Parker Tuomie (24/neu): Nach sieben Jahren in Nordamerika, drei im Nachwuchs und vier an der Uni, steht er vor seiner ersten Profisaison. Ein Kämpfer, der schon viel erlebt hat, der offensiv stark ist, einsatzfreudig und schnell. Der deutsch-amerikanische Angreifer ist ein sehr interessanter Zugang, hat sogar schon Einsätze im Nationalteam gehabt und sollte sich bei den Eisbären sogar für mehr bewerben als nur Reihe drei.

Nino Kinder (19/neu): Der Stürmer kam über die Preussen zu den Eisbären, hat sogar schon fünf DEL-Spiele in seiner Statistik und wollte sich zuletzt ein Jahr lang in Nordamerika in einer Juniorenliga verbessern. Fortschritte hat er gemacht, so heißt es beim EHC nach der Rückkehr. Ob das schon konstant für die DEL reicht, muss sich zeigen.

Haakon Hänelt (17/neu): Er ist wie Kinder gebürtiger Berliner, ging früh nach Salzburg zur Red-Bull-Akademie und pendelte dort noch zwischen Abwehr und Angriff. Für ihn dürfte eher Zweitliga-Kooperationspartner Weißwasser die Perspektive sein, aber ebenso ein paar Partien in der DEL. Die Berliner sehen zumindest das notwendige Potenzial.

Die Verteidiger der Eisbären Berlin:

Stefan Espeland (31, Norwegen/neu): In Schweden hat er in seinen Jugendjahren viel gelernt, war dann lange in der Heimat aktiv und verweilte jeweils kurz in Finnland sowie Österreich. Vergangene Saison verbrachte er mit Zengerle in Bremerhaven – und schlug im ersten DEL-Jahr gleich voll ein. Mit neun Toren und 29 Vorlagen wurde er zweitbester Verteidiger der Liga. Sechs Treffer erzielte er in Überzahl, eine Belebung des Powerplays ist das, was man sich von ihm erhofft – gemeinsam mit Zengerle.

Ryan McKiernan (31, USA): Unter anderem hinter Espeland der viertbeste Verteidiger der Liga nach Punkten (6/29), was zeigt, dass die Berliner in der offensiven Ausrichtung der Defensive jetzt deutlich besser aufgestellt sind als in der vergangenen Saison. Er macht das Spiel von hinten schnell und sorgt damit für viel Gefahr, vergisst dabei aber nicht, was seine eigentliche Aufgabe ist. McKiernan spielt sehr verantwortungsvoll, ist ein unermüdlicher Mitstreiter (meiste Eiszeit im Team in der Vorsaison).

Frank Hördler (35): Der letzte Verbliebene aus dem goldenen 85er-Jahrgang der Eisbären. Der Abwehrroutinier zeigte zuletzt, dass er immer noch sehr solide spielen und der Mannschaft damit viel Stabilität verleihen kann. Seine Ruhe am Puck zeichnet ihn aus, ebenso seine clevere Spielweise.

Jonas Müller (24): Punkterekord ohne eigenen Treffer, das war das Resultat der vergangenen Saison. Damit ist klar, wo sich Müller verbessern kann. Allerdings ist sein Metier ohnehin eher die Defensive. Hier wäre es wünschenswert, wenn Müller noch konzentrierter agieren würde, noch zupackender. Die Anlagen sind vorhanden, um auch offensiv mehr beizutragen, er darf dabei aber nicht zu risikoreich werden.

John Ramage (29, Kanada): Der Verteidiger ist das Berliner Bollwerk vor dem Torwart. Spielt sehr körperlich und kraftvoll, räumt die Gegner aus dem Weg. Ist defensiv der beste der Berliner Abwehrspieler und damit ein sehr wichtiger Faktor im Spiel des EHC.

Kai Wissmann (23): Hat für sein Alter schon einige Erfahrung, wirkt allerdings noch immer häufig leicht gehemmt im Spiel. Was er an sich nicht nötig hat, die körperlichen Voraussetzungen des Verteidigers stimmen. Es wäre an der Zeit, die Entwicklung noch ein Stück voranzutreiben und das Spiel der Berliner stärker mitzubestimmen.

Constantin Braun (32): Die Position als siebter Verteidiger könnte dem altgedienten EHC-Recken wieder blühen – oder auch das phasenweise Vorrücken in eine hintere Angriffsreihe. Das Hin und Her liegt ihm nicht besonders, aber der Konkurrenzdruck in der Abwehr ist groß. Mit seinen Kämpfer-Qualitäten und seiner Energie kann er dem Team aber immer wieder Schwung verleihen.

Eric Mik (20): Der Verteidiger war vergangene Saison in vier Partien dabei. Angesichts der Fülle an Verteidigern dürfte er seinem Job überwiegend in der zweiten Liga bei Kooperationspartner Weißwasser nachgehen.

Die Torhüter der Eisbären Berlin:

Mathias Niederberger (27/neu): Die Eisbären konnten den aktuell besten Torwart DEL für sich gewinnen. Zweimal bereits wurde Niederberger als Torhüter des Jahres in der DEL ausgezeichnet (2016 und 2020), der Nationalspieler soll nach zwei turbulenten Jahren wieder für Ruhe zwischen den Pfosten sorgen. Es ist sein zweiter Anlauf in Berlin, nachdem er 2014/15 hinter Star-Goalie Petri Vehanen keine Perspektive sah, reifte er in seiner Heimatstadt Düsseldorf zu einem großen Rückhalt und soll nun die Titel-Perspektiven der Berliner deutlich erhöhen.

Tobias Ancicka (19/neu): Der junge Goalie gilt als großes Talent, war bereits drei Jahre im EHC-Nachwuchs und wurde vergangene Saison nach Finnland ausgeliehen, wo er bei Petri Vehanen in Rauma lernen konnte. Der U20-Nationalspieler geht in sein erstes Profijahr, soll mit Niederberger ein Gespann für die Zukunft bilden und nun von diesem viel mitnehmen für seine Entwicklung.

Von den Eisbären Berlin ausgeliehen sind:

Leon Gawanke (21/neu): Für den Verteidiger wäre es ein Traum, mal das Trikot der Eisbären in einem Pflichtspiel zu tragen. Ob es dazu kommt, hängt von der Situation in Nordamerika ab. Dort etablierte sich der gebürtiger Berliner in seinem ersten Profijahr in der AHL, war punktbester Verteidiger der Manitoba Moose. Sein NHL-Klub Winnipeg lieh ihn vorerst nach Berlin aus. Das könnte der EHC-Defensive anfangs zu noch mehr Offensivkraft verhelfen.

Alex Turcotte (19/neu): Der Stürmer, der zuletzt am College spielte, gilt als eines der größten Talente der USA und wurde von den LA Kings 2019 an fünfter Stelle im Draft gezogen. Er gewann mit der U18-Nationalmannschaft sowohl WM-Silber als auch Bronze.

Aidan Dudas (20/neu): Center Aidan Dudas wurde von den LA Kings im NHL Draft 2018 an 113. Stelle ausgewählt und war Mitglied der U20 Kanadas, die die Goldmedaille bei der U20-WM 2019 gewann. Dudas hat bereits ein wenig Profi-Erfahrung sammeln können, spielte aber zuletzt in einer Nachwuchsliga.

Akil Thomas (20/neu): Auch er ist amtierender U20-Weltmeister. Im Finale der WM 2019 in Prag erzielte er das entscheidende Tor zum 4:3-Sieg gegen Russland. Der Kanadier spielte zuletzt ebenfalls bei den Junioren, die LA Kings sicherten sich im Draft 2018 die Rechte an Thomas in der 2. Runde an Position 51.

Tyler Madden (20/neu): Zwei Jahre verbrachte der Stürmer zuletzt am College. Im Draft hatten ihn die Vancouver Canucks 2018 an 68. Position ausgewählt, dieses Jahr wurde der Amerikaner an LA weitergegeben. Für ihn und die anderen Kollegen aus dem Programm der Kings gilt, dass sie für Testspiele eingesetzt werden können, ebenso in der Champions Hockey League (CHL). Eines oder zwei der Talente könnten im Zweifelsfall auch die gesamte Saison in Berlin verbringen, wobei sie für die DEL aber mit einer Ausländerlizenz ausgestattet werden müssten. Die Entscheidung darüber treffen die Berliner erst später.

Jacob Ingham (20/neu): Er ist ein Torhüter aus der Organisation der LA Kings. Ingham wurde an 175. Stelle gedraftet und spielte die Saison 2019/20 für die Kitchener Rangers in der OHL. Einsätze dürften für ihn nur in Testspielen oder eben eventuell in der CHL infrage kommen.

Das Fazit zum Kader der Eisbären Berlin:

Die Eisbären haben eine Mannschaft zusammengestellt, die sich verjüngt hat – und damit natürlich in ihrem Tempo mehr Möglichkeiten haben sollte. Zudem wurde daran gedacht, das schwache Überzahlspiel zu verstärken. Bei vielen der jungen Spieler lässt sich allerdings noch nicht sagen, wie sie sich tatsächlich in der DEL machen werden. Und die Vielzahl an freien Ausländerlizenzen lässt eher die Annahme zu, dass hier nachgelegt wird, wenn es Planungssicherheit gibt. Ansonsten könnte es schwer werden, Abgänge wie Austin Ortega, Louis-Marc Aubry oder Landon Ferraro, der wohl noch einmal zu einer Option werden könnte, zu ersetzen. Insgesamt stimmt die Basis allerdings, das Team hat viel Potenzial. Gut erscheint zudem, dass die Berliner bei der Kaderplanung auch die Zukunft im Blick haben.

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