Eisbären Berlin

Eisbären Berlin: Die Angst vor dem Winterschlaf

Die Eisbären Berlin wollen nach vorn schauen. Doch nach dem Ultimatum der DEL herrscht banges Warten auf eine Reaktion.

Eisbären-Trainer Serge Aubin kann sein Team endlich wieder anleiten.

Eisbären-Trainer Serge Aubin kann sein Team endlich wieder anleiten.

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance/dpa

Berlin. Es sieht schon komisch aus, wenn die Spieler für den kurzen Weg von der Kabine zur Eisfläche im Wellblechpalast eine Maske tragen müssen. Oder wenn sie durch die Halle zum Kraftraum laufen. Fieber messen vor der Ankunft in der Umkleide gehört ebenso zu den Dingen, an die sich alle gewöhnen müssen. Vieles ist neu, aber notwendig geworden in den Zeiten der Pandemie. Doch damit kann sich jeder arrangieren, wichtig ist allen bei den Eisbären Berlin, dass sie wieder gemeinsam trainieren dürfen.

Selbst die jüngste Nachricht von der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wird für den Moment davon in den Hintergrund gedrängt. „Wir haben einiges zu tun, deshalb können wir nicht so viel darüber nachdenken“, sagt Trainer Serge Aubin. Bei der Gesellschafterversammlung am Montag in Frankfurt/Main hatte die DEL beschlossen, die Saison nur dann wie geplant am 13. November zu starten, wenn es bis zum 2. Oktober verbindliche Zusagen der Politik für finanzielle Hilfen gibt. Jüngst war eine Zuschauerauslastung von 20 Prozent erlaubt worden, zu wenig für die Klubs, um solide zu wirtschaften. Deshalb nun das eiskalte Ultimatum.

Eisbären-Chef registriert Sorgen bei den Spielern

Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee spürt auch im Team einige Sorgen. „Die Spieler sind alle froh, dass sie wieder auf dem Eis sein können. Aber die Nachricht war für sie nicht einfach hinzunehmen. Sie merken schon, dass die Lage ernst ist“, erzählt Lee. Auf Basis der 20-prozentigen Auslastung der Arenen wurde die Saison neu durchkalkuliert, bliebe es die komplette Spielzeit bei dieser Marke, würden den 14 Klubs rund 60 Millionen Euro im Vergleich zu einer normalen Zuschauerkalkulation fehlen. „Wir werden keinen wirtschaftlichen Selbstmord begehen“, sagt Ligen-Chef Gernot Tripcke. In der DEL machen die Zuschauereinnahmen bis zu 80 Prozent der Etats aus.

Was bedeutet das Ultimatum nun konkret? Noch gibt es keinen Beschluss, dass überhaupt nicht gespielt wird, wenn bis zum 2. Oktober keine Sicherheiten garantiert werden. „Wir wollen am 13. November mit allen 14 Klubs starten, das ist unser Ziel“, sagt Lee. Den Berlinern selbst erscheint das aktuelle Szenario sehr pessimistisch, sie hätten den Ausgangswert von 20 Prozent gern als einen Anfang in Kauf genommen. Jedoch sieht sich ein Teil der Klubs nicht dazu in der Lage. Zumal das Risiko durch kurzfristige Zuschauerausschlüsse bei entsprechenden Infektionslagen hoch ist.

Eisbären beantragen vorerst keine Kurzarbeit mehr

Für die Berliner steht die Solidarität innerhalb der DEL jedoch im Vordergrund. „Wir als Eisbären brauchen die Liga. Und wir müssen auch an die nächste Saison denken. Es hilft uns nicht, jetzt einfach anzufangen und unterwegs gehen vier oder fünf Klubs pleite. Wir versuchen, auf den Schirm zu bringen, das Zuschauer ein ganz großer Teil unserer Budgets sind“, sagt der EHC-Geschäftsführer. Selbst der 800.000 Euro pro Verein aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung können sich viele Klubs nicht sicher sein, weil die Hürden laut EU-Recht hoch sind.

Vorerst machen die Eisbären mit ihrer Vorbereitung uneingeschränkt weiter, sogar die Kurzarbeit für das Team wird aufgehoben, es werden Testspiele geplant. „Hoffentlich wissen wir am 2. Oktober, in welche Richtung es geht. Wir brauchen ein Signal, dass Unterstützung kommt. Wir müssen wissen, welche Möglichkeiten wir haben“, sagt Lee. Gibt es bis zum Ablauf des Ultimatums keine Zugeständnisse, wird neu überlegt und diskutiert werden. Eine Verlegung des Saisonstarts in den Dezember wäre eine Option, samt Anpassung des Spielplan-Formats vielleicht. Als letzter Ausweg bliebe aber sogar die Absage der Saison. In diesem Fall könnten Klubs und Liga komplett in Kurzarbeit gehen, die rechtlichen Grundlagen dafür sollten vorhanden sein. Dann aber würde der Staat ebenso die Kosten tragen. Bleibt die Frage, was der Politik lieber ist: Spiele oder eine Eishockeyliga im Winterschlaf?

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