Eisbären Berlin

Eisbären Berlin: Raus aufs Eis

Die Eisbären Berlin starten in die Vorbereitung auf die neue Saison. Vieles ist allerdings noch ungewiss bei den Berlinern.

Frank Hördler (r.) ist bei den Eisbären Berlin der letzte verbliebene Profi aus der goldenen 85er-Generation.

Frank Hördler (r.) ist bei den Eisbären Berlin der letzte verbliebene Profi aus der goldenen 85er-Generation.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Wenn die ganze Meute wieder raus aufs Eis stürmt, wird es still sein im Wellblechpalast. Ganz anders also, als die Eisbären Berlin es gewohnt sind. Normalerweise kommen hunderte Fans, wenn die Profis ihr erstes Mannschaftstraining zur Vorbereitung auf die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) absolvieren. Doch die Umstände lassen das diesmal nicht zu.

Allerdings waren sie kreativ beim DEL-Rekordmeister, kein Anhänger muss verzichten auf diese ersten Eindrücke der neuen Mannschaft. Ab 17 Uhr können alle Interessierten die erste Trainingseinheit live auf sportdeutschland.tv verfolgen. „Wir haben überlegt, was wir machen können. Das ist eine gute Möglichkeit“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee. Schließlich ist die Sehnsucht nach Eishockey inzwischen ins Unermessliche gestiegen. Ursprünglich hatte die Saison bereits am vergangenen Freitag starten sollen.

Stattdessen lag wegen der Corona-Pandemie bei den Berlinern seit dem 8. März vieles auf Eis. Damals beendeten die Eisbären die Hauptrunde auf Platz vier, das Play-off wurde zwei Tage später abgesagt, die neue Saison unlängst auf den Starttermin 13. November verschoben. „Ich hatte noch nie so eine lange Pause“, sagt Sportdirektor Stephané Richer. Jetzt liegen sieben Wochen Vorbereitung vor dem Team – begleitet von der Hoffnung, dass die Saison tatsächlich Mitte November beginnen kann.

Ultimatum der DEL zum Saisonstart

An sich arbeiten konnten die Profis schon länger, die Eisbären stellten Kraftraum und Eiszeiten zur Verfügung. Gerade für die Nordamerikaner, die in der Heimat kaum Zugang zu Trainingsmöglichkeiten hatten, war dies ein Grund, schon lange vor dem eigentlichen Auftakt der Vorbereitung nach Berlin zu reisen. „Die Jungs haben versucht, unter nicht einfachen Umständen durch den Sommer zu kommen. Dass sie auf das Eis zurückkehren, ist wichtig für sie und den Klub“, sagt Lee, der am Montag in Frankfurt bei der DEL-Sitzung weilte, auf der es um die Modalitäten des Neustarts ging, um Szenarien mit begrenzten Zuschauerzahlen. Dort beschloss die Liga, dass sie nur in die Saison starten wird, wenn bis zum 2. Oktober Garantien über staatliche Hilfen vorliegen, mit denen wegfallende Einnahmen durch Zuschauerbegrenzung ausgeglichen werden können.

Das Team wird nun zunächst zwei Tage in Hohenschönhausen üben, anschließend für gut zwei Wochen in die Mercedes-Benz Arena wechseln, weil es dort zweimal am Tag trainieren kann. Für Coach Serge Aubin beginnt eine Phase, in der er sehr vorsichtig sein muss. Am liebsten würde er gleich voll durchstarten mit den Spielern. „Aber sie waren lange nicht auf dem Eis. Das muss ich berücksichtigen, damit es keine Verletzungen gibt“, sagt der Kanadier, der in seine zweite Saison mit den Berlinern geht. Sie wird anders werden. Zum einen natürlich wegen der vielen Ungewissheiten, die mit der Pandemie einhergehen. „Wir müssen mental sehr stark und fokussiert sein, denn keiner weiß, was passieren wird. Das wird eine große Herausforderung“, sagt Aubin.

Nach acht Jahren wird es einen neuen Kapitän geben bei den Eisbären

Zum anderen ist schwer zu sagen, wie sich die Mannschaft letztlich darstellen wird. Aktuell gibt es elf Abgänge, auf der anderen Seite stehen bislang acht Zugänge, darunter Leihgabe Leon Gawanke, der auch schnell wieder weg sein kann. Sechs Ausländer gehören bislang zum Kader, fünf Lizenzen sind noch frei. „Solange wir nicht wissen, wann es wirklich losgeht, werden wir mit Transfers warten“, sagt Richer. Das Gesicht des Teams kann sich noch sehr verändern.

Mit der Grundstruktur des Teams sind die Berliner allerdings zufrieden. „Wir sind jünger geworden und schneller“, sagt Richer, der neben den Etablierten Mark Zengerle (31), Stefan Espeland (31) und Mathias Niederberger (27) vor allem Talente zum EHC holte. Was bezüglich der deutschen Spieler zu einer kleinen Neugewichtung führt. Nachdem die Verträge von André Rankel (35) und Florian Busch (35) nicht mehr verlängert worden sind, trägt in Frank Hördler (35) nur noch ein Profi der goldenen 1985er-Generation das EHC-Trikot. „Es gibt einen frischen Wind bei den deutschen Spielern“, so Richer. Da Rankel in den vergangenen acht Jahren der Kapitän des Teams war, wird es auch einen neuen Spielführer geben.

Gute Chancen auf Verbleib von Lukas Reichel bei den Eisbären

Vielleicht auch bald Spiele, in denen sich diesbezüglich einen Tendenz ablesen lässt. Vor dem DEL-Testturnier, das vor dem Saisonstart stattfinden soll, wollen sich die Berliner noch um weitere Testspiele bemühen. Ob dann auch Sean Backman (34) wieder mitwirken kann, entscheidet sich in diesen Tagen. Der Stürmer, der in der Vorsaison nur 13 Partien absolvierte und dann mit einer Gehirnerschütterung ausfiel, wurde am Montag in Berlin noch einmal untersucht.

Zuversichtlich sind die Eisbären hingegen bei Lukas Reichel (18). Für das Supertalent steht Anfang Oktober der Draft in der NHL auf dem Plan. Nach bisherigen Informationen belässt die beste Liga der Welt, deren Start frühestens Mitte Dezember erwartet wird, die Talente, die in Europa unter Vertrag stehen, bei ihren Vereinen. Was für die Berliner bedeutet, dass sie die ganze Saison mit Reichel, der in seinem DEL-Premierenjahr zwölf Tore erzielte, planen können. Insofern bringen die aktuellen Umstände, mit denen auch das Eishockey zu kämpfen hat, den Eisbären durchaus auch einen Vorteil.

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