Eisbären Berlin

André Rankel: „Eine Gewerkschaft würde vieles vereinfachen“

Der langjährige Kapitän der Eisbären Berlin spricht über seine Situation, seinen Abschied und den Gehaltsverzicht in der DEL.

Eines der letzten Spiele als Eisbären-Kapitän: André Rankel (r.) im Einsatz gegen Mannheim.

Eines der letzten Spiele als Eisbären-Kapitän: André Rankel (r.) im Einsatz gegen Mannheim.

Foto: Andreas Gora / dpaDeutsche Presse-Agentur! Honorarfrei für FMG-Tageszeitungen!

Berlin. Als Anfang März die Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) abrupt endete, war das auch der Schlusspunkt einer Ära. 17 Jahre verbrachte André Rankel (34) bei den Eisbären Berlin, sein halbes Leben also. Es war Kapitän, Anführer einer Generation, gewann sieben Meisterschaften. Beim EHC wollte man seine Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen, der Stürmer sucht nun nach einer Alternative. In diesen Tagen ist das aber nicht einfach. Ein Gespräch.

Berliner Morgenpost: Herr Rankel, wie geht es Ihnen?

André Rankel: Mit meiner Schulter habe ich schon seit Jahren Probleme, die probiere ich gerade auszukurieren und die Stabilität wiederherzustellen. Wenn das gegeben ist, würde ich gern weiter Eishockey spielen.

Das heißt, Sie konnten sportlich zuletzt wenig tun und sich um die Kinder kümmern?

Wir haben viel für die Schule getan mit den Kindern. Wobei die Große seit ein paar Tagen schon wieder in die Schule geht. Ansonsten bin ich viel auf dem Fahrradergometer und versuche, mich fit zu halten. Ich kann verschiedene Programme fahren, den Oberkörper darf ich aber nicht so stark belasten, wie ich möchte.

Die deutschen Spieler der Eisbären sind gerade in das Sommertraining eingestiegen. Sie sind erstmals nicht dabei, hätten aber bestimmt aus alter Verbundenheit mittrainieren können. Oder nicht?

Wenn alles in Ordnung gewesen wäre mit der Schulter, hätte ich das gern gemacht. Aber das wäre wohl unter den jetzigen Bedingungen ohnehin schwierig geworden.

Wie erleben Sie die Corona-Zeit?

Man muss sehen, dass man das Positive daraus zieht. Wir probieren als Familie, viel Zeit miteinander zu verbringen, weil wir einfach mehr Zeit haben. Wobei es ungewohnt ist, dass man andauernd aufeinander hockt. Das kann schon mal zu kleinen Reibereien mit den Kindern führen, die ihre Freunde wiedersehen wollen. Im Endeffekt passt aber alles.

Für die Fans soll es noch einen Abschied geben

Wurde Ihnen in den vergangenen Wochen noch einmal präsenter, dass das Kapitel Eisbären nun abgeschlossen ist?

Da ich wusste, dass es in diese Richtung geht, hatte ich vorher schon viel Zeit dazu, das Thema zu verarbeiten. Aber trotzdem, jetzt wo der Alltag nicht ganz normal ist und es nicht viel Freiraum gab, war es so, dass mir alles noch einmal bewusster wurde. Es fühlt sich auch komisch an, weil ich weiter Kontakt zu allen anderen habe. Wenn ich etwa mit Frank Hördler spreche, und er sagt, dass er wieder zum Training muss. Wenn man sich unterhält, merke ich manchmal, dass ich nicht mehr Teil der Eisbären bin.

Sie waren 17 Jahre waren im Klub, lange Kapitän. Was bleibt nach dieser Zeit am meisten im Kopf?

Für mich sind es die positiven Momente, ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, stolz auf die sieben Meisterschaften. Dass ich diese Zeit miterleben durfte und ein großer Teil des Erfolgs war. Was zuletzt vielleicht nicht so gut lief, ist wirklich zweitrangig. Das wird einem gar nicht so bewusst, wenn man noch dabei ist. Jetzt blicke ich zurück und bin echt froh, ein Teil dessen gewesen zu sein.

Vergangene Saison erlebte der siebenfache Meister Jens Baxmann einen emotionalen Abschied mit den Fans. Der bleibt Ihnen nun verwehrt. Wie schade ist das für sie?

Ich bin ein ziemlich emotionaler Mensch, Abschiede liegen mir nicht so. Von daher war ich im ersten Moment nicht unglücklich, es nicht machen zu müssen. Das fällt mir einfach schwer. Aber ich denke, dass es nur aufgeschoben ist. Ich wünsche mir schon, dass ich mich einmal richtig verabschieden kann. Das bin ich den Fans nach der langen Zeit auch schuldig, sie haben mich immer gut behandelt. Es war ja auch wegen ihnen eine so tolle Zeit.

Wie gestaltet sich denn die Situation bezüglich der Verhandlungen mit anderen Klubs gerade? Sie hatten kurz nach Saisonende über gute Gespräche berichtet.

Kontakte gibt es immer noch. Für mich steht aber an erster Stelle, dass ich meine Schulter in den Griff bekomme. Jetzt spielen jedoch viele Fragezeichen eine Rolle. Wann startet die Saison? Wie sieht der Vertrag aus? Viele Dinge sind in der Schwebe. Ich finde es auch richtig von den Klubs, dass sie jetzt einen Transferstopp vollzogen haben. Alles andere wäre scheinheilig.

Druck auf die Spieler beim Gehaltsverzicht ist sehr hoch

Bis Ende Juni sollen keine Spieler mehr verpflichtet werden. Was danach kommt, weiß niemand. Wie sehr spüren Sie den Einfluss der Corona-Pandemie auf die ursprünglichen Pläne?

Die Verhandlungen wären im Normalfall wohl grundsätzlich weiter fortgeschritten. Aber wegen meiner Schulter könnte ich derzeit ohnehin keinem Verein einfach so zusagen. Natürlich belastet die Situation, man hat weniger Gespräche mit Vereinen. Aber meine Lage hätte sich wohl nicht so großartig verändert.

Könnte es sein, dass die Schulter die weitere Karriere sogar infrage stellt?

Sagen wir es so, ich hatte viele Probleme damit. Ich hatte schon einige Schulter-OPs und muss ein bisschen mehr aufpassen als früher. Wenn ich spiele, würde ich gern zu 100 Prozent fit sein. Das kann ich im Moment nicht garantieren. Aber das Gute gerade ist, dass ich Zeit habe, daran zu arbeiten. Ich will definitiv weiterspielen.

Die DEL-Klubs wollen nun krisenbedingt 25 Prozent weniger an Spielergehältern zahlen. Wie stehen Sie dazu?

In der jetzigen Situation gibt es wohl nur wenige, die nicht auf etwas verzichten müssen. Ich glaube, dass es definitiv notwendig ist, dass das passiert. Ansonsten wird das schlecht für das Eishockey sein. Die Spieler müssen Abstriche machen, damit wir Eishockey spielen können. Aber ob es nun 25 Prozent sein müssen, oder ob 10 Prozent gereicht hätten, da habe ich keinen Einblick. Die Spieler können nicht in die Bücher schauen. 25 Prozent hört sich viel an. Wenn so viel eingespart werden muss, dass überhaupt weitergespielt werden kann, dann ist das schon dramatisch.

Die Zustimmung der Profis wird sogar an die Lizenzvergabe gebunden.

Es wird relativ viel Druck ausgeübt auf die Spieler, um den Erhalt des Eishockeys zu sichern. Aber auf der anderen Seite kann niemand absehen, was passieren wird. Gehaltsverzicht ist wahrscheinlich die einfachste Lösung. Wenn man aber irgendwann weiß, was tatsächlich möglich ist bei den Einnahmen, muss man sich vielleicht Gedanken machen, wie man noch anders Umsatz generieren kann, damit sich diese 25 Prozent vielleicht etwas verringern lassen.

Stimme der Spieler hätte mit einer Gewerkschaft mehr Gewicht

Vielleicht bleiben Topspieler der DEL unter den neuen Bedingungen lieber fern, eventuell können junge Deutsche davon sogar profitieren. Glauben Sie, die aktuellen Umstände könnten die DEL langfristig verändern?

Es wird bestimmt nicht jeder dazu bereit sein, auf Geld zu verzichten, vielleicht wird auch nicht jeder die Situation verstehen. Generell wird man auf verschiedenen Ebenen umdenken müssen. Eine Spielergewerkschaft wäre zum Beispiel in so einer Situation wichtig. Das hat über die Jahre immer gefehlt. Leute, die sich damit beschäftigen, für die Interessen der Spieler zu kämpfen und das Beste für sie herauszuholen. Das würde in der jetzigen Zeit vieles vereinfachen für die Profis, gerade bei solchen Verhandlungen wie aktuell, wo nun jeder für sich allein ist.

Wäre das etwas für Sie?

Ich bin kein guter Verhandlungspartner, glaube ich. Aber es wäre gut und einfacher für alle, wenn die Spieler mit einer Stimme sprechen könnten. Dann hätte diese Stimme ein größeres Gewicht.

Denken Sie, dass es einen regulären Saisonstart geben wird am 18. September?

Stand jetzt nicht. Aber wir wissen nicht, wie es in einem Monat aussieht. Vielleicht ändert sich das noch.