Kommentar

Die Eisbären machen wieder Spaß

Nach verkorkster Vorsaison gehören die Eisbären wieder zur DEL-Spitze. Das erlaubt im Play-off große Hoffnungen, findet Marcel Stein.

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Platz vier also, mehr wollten die Eisbären Berlin gar nicht zu Saisonbeginn. Sie hatten sich nach einer schwachen Saison vorgenommen, besser zu werden und mit dem Heimrecht in das Viertelfinale zu gehen. Kein Zittern, kein Pre-Play-off, keine Pfiffe von den Rängen. Diese Ziele haben die Berliner erreicht, sie lieferten eine anständige Hauptrunde ab und erspielten sich damit wieder den Respekt der Fans. Dazu darf man zunächst gratulieren.

Mit der Einschränkung vielleicht, dass sogar etwas mehr drin gewesen wäre. Ein Plätzchen oder auch zwei. Aber dazu fehlte in zwei oder drei entscheidenden Spielen ein wenig Glück. Der Rest, also die schwierigen Phasen, die es in dieser Saison durchaus gab, war den großen Veränderungen nach der Vorsaison geschuldet. Das neue Team und der neue Trainer Serge Aubin mussten sich finden, gemeinsam ihren Stil entwickeln.

Der brachte vielen Fans den Spaß am Spiel der Eisbären zurück. Sie erfreuten sich an offensivem Eishockey, an teilweise spektakulären Auftritten, an Kampfgeist und Einsatz. Trainer Aubin, zunächst von Zweifeln begleitet, überzeugte mit seiner Arbeit, führte die Mannschaft wieder in den Kreis der besten Teams der DEL. Dazu probierte er viel, suchte immer wieder nach neuen, noch besseren Formationen. Er scheute auch nicht davor zurück, öffentlich Kritik zu üben, wenn ihm der Lernprozess nicht schnell genug ging. Das schmälerte sein Ansehen nicht, vielmehr wirkt die Mannschaft vor dem Play-off überaus harmonisch.

Die Hauptrunde zeigte das große Repertoire des Teams

Und sie besitzt ein großes Repertoire, kann enorm dominieren, den Gegner einschnüren, ihn kontrollieren. Ebenso aber auch enge Spiele erfolgreich bestreiten, geduldig sein. Sie lässt sich vor allem von keinem Gegner beeindrucken, kann sehr gut mit Rückständen umgehen. Auf der Torwartposition fanden die Berliner mit Justin Pogge ebenso zu Stabilität. Alles wertvolle Attribute im Play-off.

Dennoch bleiben einige Punkte, die hin und wieder die guten Eindrücke trüben. Das Wechselhafte, das dem Team innewohnt, zeigt sich zwar selten, aber dann meist heftig. Dann können ein paar verschlafene Minuten ganze Spiele zerstören. Die Disziplin als wichtiger Faktor in der K.o.-Runde kann ebenso wie das – zuletzt zwar bessere – Überzahlspiel zur Achillesferse werden.

Mit dem Blick auf die Fähigkeiten der Konkurrenz verfügen die Berliner dennoch über ein insgesamt sehr stimmiges Paket. Das lässt das Halbfinale trotz des als sehr intensiv zu erwartenden Viertelfinales schon fast wie eine Pflicht wirken. Verbunden mit der Aussicht, dass die Eisbären das Potenzial für noch mehr haben. Es scheint sehr vieles möglich für diese Mannschaft. Gute Unterhaltung.

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