Eishockey

Eisbär Wissmann reift in Berlin zum Top-Verteidiger

Kai Wissmann (23) ist für die Abwehr der Eisbären Berlin unverzichtbar geworden. Dabei begann er seine Eishockey-Karriere als Stürmer.

Kai Wissmann (l.) behauptet gegen den Iserlohner Erik Buschmann den Puck.

Kai Wissmann (l.) behauptet gegen den Iserlohner Erik Buschmann den Puck.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Es war ein dummer Zufall, oder wie Kai Wissmann es ausdrückt: „Einfach Pech.“ Gerade erst war der Verteidiger der Eisbären von einer Fingerfraktur wieder genesen, als er sich in der vergangenen Saison im ersten Spiel nach seiner Rückkehr prompt erneut den Finger brach – an derselben Stelle wie zuvor. Wochenlang fiel der 23-Jährige aus, es war die erste größere Verletzung seiner Karriere. Inzwischen ist der Finger wieder verheilt.

Aus der Berliner Abwehr nicht wegzudenken

Doch wer ganz genau hinschaut, kann die Folgen der Verletzung immer noch erkennen: in Form einer kleinen Plastikplatte, die seitdem seinen Handschuh verstärkt, damit ihm so etwas nicht noch einmal passiert. Ein kleines Accessoire mit großer Wirkung. Nach seiner Rückkehr ist Wissmann in dieser Saison aus der Berliner Abwehr nicht wegzudenken, ohne dabei jedoch sonderlich aufzufallen. Das mag sich anhören wie ein Widerspruch, ist aber in Wirklichkeit als Kompliment gemeint.

Kai Wissmann fliegt bei den Eisbären immer ein wenig unter dem Radar. Er verrichtet seine Defensivarbeit unauffällig, aber solide. „Meine Aufgabe ist es zuallererst, hinten dichtzumachen und dafür zu sorgen, dass die Mannschaft mit guten Pässen in die andere Zone kommt“, sagt er. Das schnelle Umschaltspiel zählt sicherlich zu seinen Stärken. Vor dem gegnerischen Kasten lässt er dagegen meist anderen den Vortritt. Sein Tor vor zwei Wochen gegen die Kölner Haie war ein seltenes Erfolgserlebnis und erst sein dritter Treffer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seit 2014. Davor hatte er zuletzt im April 2018 im siebten Finalspiel gegen Red Bull München getroffen.

2012 zu den Eisbären Juniors gewechselt

„Ich bin nicht derjenige, der fürs Toreschießen zuständig ist. Ich messe meine Leistung an anderen Dingen“, sagt er. Dass ihm seine Tore trotzdem besonders in Erinnerung geblieben sind, liege wohl eher daran, dass es noch nicht allzu viele waren. „Da fällt es nicht sonderlich schwer, sich an jedes einzelne zu erinnern.“

Dabei hatte Wissmann seine Laufbahn in Schwenningen einst sogar als Stürmer begonnen. Erst nach seinem Wechsel nach Berlin zu den Eisbären Juniors wurde er ab 2012 zum Verteidiger umgeschult und reifte zu dem Spieler heran, der er heute ist. „In Schwenningen habe ich die Grundlagen gelernt. Aber für meine weitere Entwicklung war der Schritt nach Berlin der absolut richtige“, sagt er. An diesem Sonntag (17 Uhr, Mercedes-Benz Arena) trifft er mit dem EHC auf seinen Heimatverein. Und obwohl er jetzt schon so lange in der Hauptstadt lebt, ist ein Wiedersehen mit den Wild Wings für ihn immer noch etwas Besonderes.

Wiedersehen mit Wehmut für Wissmann

„Das ist doch klar, ich bin dort aufgewachsen“, sagt er. Beim Blick auf die aktuelle DEL-Tabelle dürfte bei ihm daher durchaus etwas Wehmut aufkommen, stehen die Schwenninger dort momentan doch auf dem letzten Tabellenplatz. Nach dem 3:2-Erfolg nach Penaltyschießen am Freitag gegen Spitzenreiter München geht es für die Eisbären nun also gegen das andere Extrem der Liga. „Wir müssen dieses Spiel genauso konzentriert angehen. Die Tabelle hat da erst einmal nicht viel zu sagen“, so Wissmann.

Tatsächlich schien es zuletzt so, als ob sich die Berliner gerade gegen die Teams auf den hinteren Plätzen besonders schwer tun – gegen Iserlohn, Krefeld und auch gegen Schwenningen setzte es in den vergangenen Wochen unnötige Niederlagen. „Am Anfang der Saison war es eher umgekehrt: Da haben wir gegen die vermeintlich Kleinen viel gewonnen und nicht gegen die Großen. Jetzt läuft es gerade eher umgekehrt. Aber natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen“, sagt er. Seine Handschuhe hat der Abwehrmann dafür schon entsprechend präpariert. In Schwenningen gelang vor einer Woche immerhin schon ein 5:3.

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