Eisbären Berlin

Zukunftstendenzen im Eisbären-Tor

Die Eisbären müssen sich auf eine Strategie bei den Goalies festlegen. Offenbar würden sie gern Mathias Niederberger zurückholen.

Nationaltorhüter Mathias Niederberger (r.) von der Düsseldorfer EG ist bei den Eisbären im Gesp+

Nationaltorhüter Mathias Niederberger (r.) von der Düsseldorfer EG ist bei den Eisbären im Gesp+

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Richtig viel Leben steckte in den Kölner Haien nicht mehr. Bis Alexander Oblinger einen eher verzweifelten Schuss auf das Tor von Justin Pogge abgab und der Berliner Goalie ihn am kurzen Pfosten ins Netz rutschen ließ. Das brachte eine neue Dynamik in ein Spiel, das acht Minuten vor dem Ende und bei einem 3:0 für die Eisbären Berlin längst entschieden schien. Verunsicherung hier, ein letztes Aufbäumen dort, zwei weitere späte Gegentore und ein Sieg in der Verlängerung. Die Schlussphase im Duell zwischen Haien und Eisbären hatte es in sich. „Wir freuen uns über die zwei Punkte, sind aber natürlich enttäuscht über das Ende des Spiels“, sagte Trainer Serge Aubin nach dem 4:3.

Wieder ein verschenkter Zähler also nach dem ebenso unnötigen 1:2 zuvor in Düsseldorf. Diesmal ließ sich die entscheidende Situation auf den Torhüter zurückführen. „Er hat beim ersten Gegentor nicht gut ausgesehen“, gibt Stéphane Richer zu. Die Leistung des Goalies will der Sportdirektor allerdings nicht zu sehr schmälern, obwohl er die Haie erst wieder in die Partie hat kommen lassen. Richer sieht in ihm schon einen wichtigen Teil des Aufbauspiels. Mit seiner Angewohnheit, dem Puck entgegenzugehen und viel zu passen, verbuchte er in Köln sogar eine Vorlage. „Er ist ein offensiver Goalie“, so Richer.

Deutsche Torhüter sind auf dem Markt

Ein solider durchaus auch. Pogge, der zum Jahreswechsel nachverpflichtet wurde, kann seine Größe zu seinem Vorteil nutzen, er steht recht ruhig im Kasten. Was offenbar Trainer Aubin gefällt. In jedem der vier Spiele in diesem Jahr startete der 33-Jährige im Tor, der Coach zeigt also eine Tendenz zu einer neuen Nummer eins. Wobei Pogge insgesamt nicht mehr oder weniger überzeugte als Sebastian Dahm, der bisherige Stammtorwart. Zwei sehr unglückliche Gegentreffer kassierte Pogge, wurde in Iserlohn sehr früh ausgewechselt und seine Fangquote ist mit 88,76 Prozent sogar schwächer als die von Dahm (90,66). Beim Gegentorschnitt sieht es ähnlich aus, 3,23 Gegentreffer pro Partie musste Pogge hinnehmen, Dahm 2,68.

Die sportliche Leitung der Eisbären wird diese Zahlen in den nächsten Tagen und Wochen genau bewerten. Für den Augenblick mag Pogge die Tiefe im Tor absichern und zusammen mit Dahm ein ordentliches Gespann bilden. Eines für die Zukunft dürfte es allerdings nicht sein. „Wir müssen jetzt entscheiden, in welche Richtung wir im Tor wollen. Ob wir mit deutschen Torhütern spielen oder mit einem Ausländer. Es gibt deutsche Torhüter auf dem Markt“, sagt Richer mit Blick auf die strategische Ausrichtung. Klar ist, dass die Berliner sich nicht lange Zeit lassen können in ihrer Meinungsfindung, denn die freien deutschen Torhüter sind bis zum Saisonende der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sicher vergeben.

Deshalb laufen im Hintergrund die Überlegungen. Und offenbar zeichnen sich auch hier schon erste Tendenzen ab. Während der Wolfsburger Felix Brückmann bereits in Mannheim unterschrieben haben soll und der Schwenninger Dustin Strahlmeier in Wolfsburg im Gespräch ist, soll der Düsseldorfer Mathias Niederberger ein Angebot aus Berlin vorliegen haben. Der 27-Jährige überzeugt seit Jahren in der DEL, vereitelte auch am Freitag gegen den EHC wieder viele Chancen. Doch die DEG kann es sich anscheinend nicht leisten, den auslaufenden Vertrag zu deutlich besseren Konditionen zu verlängern. Und andere potente Klubs wie München oder Köln sind derzeit nicht im Rennen um den Torhüter, weil sie bereits perspektivische Nummer-1-Goalies haben.

Talent Ancicka könnte Backup werden

Der Nationalspieler war bereits 2014/15 in Berlin, sah aber hinter Petri Vehanen keine Chance für sich. Deshalb ließen die Berliner ihn trotz Vertrag ziehen, wofür Niederberger dankbar war. Jetzt würde alles passen. Bei den Eisbären besitzt kein Torwart einen Vertrag für die neue Saison. Niederberger könnte die Nummer eins werden. „Wir haben auch noch ein Supertalent in Finnland und müssen überlegen, was für Tobias Ancicka das Beste ist“, so Richer. Der 18-Jährige spielt in Rauma in der finnischen U20-Liga und trainiert dort bei Vehanen. Eine Rückkehr als Backup mit zusätzlichen Einsätzen in der zweiten Liga beim Kooperationspartner Weißwasser wäre denkbar.

Dort soll demnächst auch Marvin Cüpper wieder erste Spiele bestreiten. Für den 25-Jährigen sieht es mit einer Weiterbeschäftigung beim EHC eher schlecht aus. Nach zwei Spielzeiten voller Pech und Verletzungen braucht er vor allem Spielpraxis, die er in der DEL nicht bekommen würde. Eher ließe sich vorstellen, dass Dahm (32) ein weiteres Jahr in Berlin bleiben darf. Dann aber als zweiter Mann hinter Niederberger. Zumindest für den Fall, dass die Eisbären auf Torhüter mit deutschen Pässen setzen. In den vergangenen beiden Spielzeiten haben sie das zu Saisonbeginn versucht, mussten ihren Kurs dann aber immer wieder anpassen. Mit Niederberger als Nummer eins könnte der Plan endlich aufgehen.

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