Eisbären Berlin

Wer gewinnt das neue Torhüter-Duell bei den Eisbären?

Wenn die Eisbären gegen München antreten, soll Justin Pogge erstmals im Tor stehen. Konkurrent Dahm freut sich über die Verstärkung.

Justin Pogge soll am Freitag sein Debüt für die Eisbären Berlin geben.

Justin Pogge soll am Freitag sein Debüt für die Eisbären Berlin geben.

Foto: MATHILDA AHLBERG / imago/Bildbyran

Berlin. Kann dieser Mann auch mal sauer sein? Einen Grund würde Sebastian Dahm sicher finden, doch er wirkt wie ein Quell nie versiegender Freude. Dabei ist sein Status als klare Nummer eins bei den Eisbären nicht nur gefährdet, sondern fürs Erste ist er sogar obsolet. Wenn die Berliner am Freitag zum ersten Spiel des Jahres in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen Spitzenreiter München antreten (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena), könnte nur noch ein streikendes Faxgerät dafür sorgen, dass der Deutsch-Däne zwischen den Pfosten steht.

Aber niemand bei den Berlinern rechnet damit, dass mit dem Papierkram etwas schiefgeht. „Die letzten Dinge für die Lizenz werden noch erledigt. Wenn alles da ist, wird Justin spielen“, sagt Trainer Serge Aubin. Er will sehen, wie sich der neue Goalie Justin Pogge (33) im Tor der Berliner macht. Erst am vorletzten Tag des alten Jahres holten die Eisbären den Kanadier aus der zweiten schwedischen Liga. Dahm nimmt das positiv auf. „Sauer? Nein, alles gut. Jetzt haben wir zwei Torhüter mit internationaler Erfahrung. Das ist wichtig für das Play-off, wenn etwas passiert“, sagt der 32-Jährige.

Däne Dahm zeigt seine große Teamfähigkeit

Die erste Annäherung ist schon erfolgt, ein wenig haben Pogge und Dahm bereits geredet. Dahm hat sogar ein paar Erkundigungen eingeholt. „Mein bester Freund in Dänemark, Jesper Jensen Aabo, hatte mal in Schweden mit ihm zusammengespielt. Er sagt, dass Justin ein guter Typ ist“, erzählt Dahm. Der erste eigene Eindruck von Pogge bestätigte diese Einschätzung. Die bisherige Nummer eins scheint sich wirklich auf den neuen Kollegen zu freuen. Selbst wenn das weniger Einsätze für ihn bedeutet.

Dieser Charakterzug des Dänen ist schon oft hervorgehoben worden. Ihm geht es weniger um sich selbst, sondern darum, was für die Mannschaft am besten ist. Der Teamgedanke steht bei ihm im Vordergrund, das Konkurrenzdenken kommt erst an zweiter Stelle. „Man sieht das auch in Mannheim oder München, die bei ihren Meisterschaften immer zwei starke Torhüter hatten“, erzählt Dahm. Derart gut ausgestattet zu sein, ist nun auch die Hoffnung des Tabellenvierten.

Ersatzmann Franzreb wechselt in die zweite Liga nach Tölz

In Pogges Vita stehen sicher ein paar höher einzuschätzende Klubs als in der des dänischen Nationalgoalies. Der Kanadier verbrachte ein kurze Zeit in der NHL, war in der pan-russischen KHL aktiv und viel in Schwedens erster Liga. Eine gewisse Qualität muss also da sein. „Ich versuche, meine Größe zu meinem Vorteil zu machen“, sagt Pogge, der mit seinen 1,92 Meter viel vom Tor abdeckt. Er ist ein Goalie, der gern mitspielt, der „den Verteidigern hinter dem Tor etwas helfen“ will. Zunächst muss er sich aber an die Spielweise in der DEL gewöhnen. „Das ist hier schon ein bisschen anders“, sagt er. Es geht nicht ganz so kompakt vor dem eigenen Tor zu wie in der defensivstarken schwedischen Liga.

Eine kleine Anpassungsphase zwischen Torwart und Feldspielern sieht auch Trainer Aubin voraus. „Jeder Torwart ist ein bisschen anders, Justin spielt den Puck sehr gut. Wir müssen sehen, wie alles sich mit einander verbindet. Auf jeden Fall haben wir einfach mehr Optionen jetzt“, sagt Aubin. Vorher stand Dahm fast immer im Tor, weil Aubin kein Vertrauen in Ersatzmann Maximilian Franzreb hatte. Den 23-Jährigen ließen die Berliner nach der Verpflichtung von Pogge erwartungsgemäß ziehen. Der auslaufende Vertrag wurde aufgelöst, Franzreb wechselt nach Bad Tölz in die zweite Liga.

Dahm wusste, dass noch ein Goalie kommen würde

Dahm überrascht das alles nicht, da der Klub offen mit ihm umging. „Wir hatten ein Gespräch früher in der Saison, dass wahrscheinlich noch etwas passieren wird, wenn ich so viel spiele“, sagt der Goalie und hat dafür volles Verständnis: „Wir sind ein Verein mit hohen Erwartungen. Es ist ein großes Risiko, wenn du nur einen erfahrenen Torwart hast.“ Für Franzreb erkennt er keinen gravierenden Rückschritt mit dem Wechsel. „Ich denke, für seine Entwicklung ist es nicht wichtig, in der DEL zu sein, sondern viel zu spielen“, sagt der Däne, der zuletzt eine aufsteigende Tendenz zwischen den Pfosten zeigte und in den letzten fünf Partien gegen teils sehr starke Gegner im Durchschnitt weniger als zwei Gegentreffer pro Spiel kassierte.

Klein beigeben wird der teamverliebte Dahm also nicht. „Mein Selbstvertrauen ist sehr groß. Jetzt habe ich das nächste Level, das ich erreichen wollte, erreicht“, erzählt er mit Stolz. Er wolle „unbedingt kämpfen“. Dahm kennt die Situation aus Iserlohn, wo er sich den Job im Tor in der vergangenen Saison ebenfalls teilen musste. Trainer Aubin geht nun erst einmal davon aus, „zwei Nummer-Eins-Torhüter“ zu haben.

Torhüter-Konzept der Eisbären auf dem Prüfstand

Insofern werden die nächsten Wochen spannend hinsichtlich der Frage, ob aus dem neuen Torhüter-Duell bei den Eisbären ein Sieger hervorgehen wird oder beide Goalies eher gleichberechtigt bleiben. „Ich freue mich, dass es los geht“, sagt Pogge. Gewonnen hätte der Klub in jedem Fall, wenn die Leistungen im Tor durch den erhöhten Konkurrenzdruck stabiler würden. Wenn das nicht geschieht, könnte vielleicht sogar Sebastian Dahm mal misslaunig werden. Denn er möchte mit den Eisbären etwas erreichen. Noch mehr aber hätte Sportdirektor Stéphane Richer Grund, sauer zu sein. Denn dann wäre sein zu Saisonbeginn avisiertes Torhüterkonzept wieder nicht aufgegangen.

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