Eishockey

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm vor dem Härtetest

Beim Deutschland Cup muss Söderholm zeigen, dass er mit der zweiten Reihe der Nationalspieler gewinnen kann. Zwei Eisbären sind dabei.

Erfolgreicher Start bei der WM: Bundestrainer Toni Söderholm.

Erfolgreicher Start bei der WM: Bundestrainer Toni Söderholm.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Die besten Nachrichten liegen schon wieder ein paar Tage zurück. Über das, was am wichtigsten ist, kann sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) freuen. Über mehr Nachwuchs nämlich. Immer mehr kleine Kinder wollen mit Schlittschuhen und Schläger dem Puck hinterherjagen. Ende Oktober verzeichnete der Verband bei Jungen und Mädchen in der Altersklasse U12 Steigungen von 14 sowie 25 Prozent. Über alle Altersklassen hinweg sind sieben Prozent mehr Spieler vorhanden.

Das Eishockey hierzulande wächst also, es wirkt wieder anziehend. „Es freut mich ganz besonders, dass der Deutsche Eishockeysport den Schwung der Erfolge der Nationalmannschaften, insbesondere den Silbermedaillengewinn von Pyeongchang 2018, den Champions Hockey League-Auftritten der DEL-Klubs und der Vielzahl an Top Spielern in der NHL offensichtlich nutzen konnte. Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg“, sagt Präsident Franz Reindl zur Entwicklung.

WM-Premiere mit Viertelfinale und Olympia-Qualifikation

Wohin der Weg führen soll, hat Reindl schon vor Jahren im Programm „Powerplay26“ festgehalten. Ein deutsches Team, das ab 2026 bei Weltmeisterschaften regelmäßig um die Medaillen mitspielt, wird darin proklamiert. Dafür braucht es noch mehr Fortschritte, noch mehr Nachhaltigkeit in der täglichen Arbeit. Einen Anhaltspunkt für den Zustand des Projekts liefert nun der Deutschland Cup in Krefeld. Das Nationalteam trifft dort auf Russland (Donnerstag, 19.45), die Schweiz (Sonnabend, 13 Uhr, beide Sport1) und die Slowakei (Sonntag, 14.30, alle Magentasport).

Es wird die erste Pflichtaufgabe für Bundestrainer Toni Söderholm, nachdem er bei der WM im Mai mit der Kür gestartet war. Kaum Verletzungen, viele NHL-Profis – der Auftakt des Finnen verlief ohne größere Hürden, das Viertelfinale und damit die direkte Olympia-Qualifikation waren ein guter Einstand. Nun aber folgt die schwerere Aufgabe, die Sichtung der Spieler aus der zweiten Reihe, der Talente. Und im besten Fall deren Etablierung auf der höchsten Ebene.

Eishockey-Verband mit guter Trainerauswahl

Reindl scheint nicht nur ob der jüngsten Zahlen euphorisiert, auch bezüglich seiner Wahl Söderholms schwelgt er. „Er hat Riesenschritte nach vorn gemacht. Für mich hat er sich als internationaler Coach präsentiert und entwickelt. Das war von der Geschwindigkeit her schon überraschend“, so der DEB-Präsident. Söderholm (41) wurde im Dezember 2018 aus der dritten Liga verpflichtet, ohne höhere Erfahrungen als Cheftrainer. Obwohl er in Marco Sturm, der die DEB-Auswahl zum sensationellen Olympiasilber führte, einen äußerst erfolgreichen und beliebten Vorgänger beerben musste, hat sich der Finne schnell allseits Respekt erarbeitet. Die Kooperation mit den Klubs verläuft reibungslos, der Austausch ist intensiv.

Ein unbedarfter Start muss nichts Schlechtes sein. Uwe Krupp und Sturm, der inzwischen in der NHL als Assistent fungiert, gingen ebenfalls ohne Trainermeriten in ihr DEB-Abenteuer und feierten große Erfolge. Gerade die Aufbauarbeit unter Sturm verschafft Söderholm eine bessere Basis. Das soll sich nun auch in Krefeld zeigen. „Wir haben einen hochinteressanten und jungen Kader zusammen. Die nominierten Spieler haben in dieser Saison bereits gezeigt, wie viel Potenzial in ihnen steckt. Wir werden eine schnelle Mannschaft auf dem Eis sehen, die viel Energie besitzt“, erzählt Söderholm.

Eisbären Müller und Noebels sind im Kader

Von den Eisbären Berlin stehen mit Jonas Müller und Marcel Noebels ein Verteidiger und ein Stürmer im Aufgebot. Angreifer Leonhard Pföderl musste leicht angeschlagen absagen. Noebels und Müller sind zwei von nur sechs WM-Akteuren, fünf Debütanten gehören zum Team. Viele Spieler von Meister Mannheim und DEL-Tabellenführer werden geschont, die NHL-Profis fehlen ohnehin. Eine Chance für andere also. „Wir müssen Alternativen haben“, so Söderholm vor seiner Premiere beim Deutschland Cup. Er muss das Team unabhängiger machen von den NHL-Profis, es noch breiter aufstellen.

Bislang ließen sich seine Vorstellungen, sein strukturiertes und offensives System gut umsetzten, denn bei der WM hatte er fast alle Topspieler dabei. In Krefeld, wo das deutsche Team im Vorjahr Letzter wurde, ist die Herausforderung deutlich größer. Vermutlich wird sie es bei der nächsten WM auch, wenn Superstar Leon Draisaitl mit Edmonton in der NHL so weiter spielt und in der Schweiz nicht zur Verfügung stehen sollte.