Eishockey

Die kleinen Fortschritte der Eisbären

Obwohl einmal mehr verloren wurde gegen München, zeigen die Eisbären, dass sie dazugelernt haben.

Harte Bandagen: EHC-Kapitän André Rankel (r.) muss sich mächtig ins Zeug legen gegen München.

Harte Bandagen: EHC-Kapitän André Rankel (r.) muss sich mächtig ins Zeug legen gegen München.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Die Lage der Liga verblüfft Marcel Noebels. Weil alles so eng zusammen ist, zeitigen positive Ergebnisse nur langsam auch eine positive Veränderung in der Tabelle. Verlorene Spiele hingegen, so Noebels, werfen einen gleich wieder zurück. „Es ist sehr interessant dieses Jahr“, sagt der Stürmer der Eisbären Berlin zur Konstellation in der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Im Groben mag die Wahrnehmung stimmen, gerade im Mittelfeld. Doch nicht immer sind die Folgen von Niederlagen gleich mit einen Platzverlust verbunden. Mit ihren sechs Siegen in den jüngsten acht Spielen haben die Eisbären sich stabilisiert in der Tabelle und liegen trotz des 3:5 am Sonntag gegen Spitzenreiter Red Bull München weiter auf Platz sechs.

In absoluten Punkten ist der Rückstand auf München groß, 19 Zähler nach 15 Partien. Trotzdem hinterließ Don Jackson, der Trainer, der mit den Eisbären fünf Meisterschaften gewann, als Coach der Bayern eine Respektsbekundung: „Serge ist mit den Eisbären auf einem guten Weg.“ Wohin der Weg mit Trainer Serge Aubin führen soll, das offenbarten die Münchner schon zum zweiten Mal nach dem 4:2 im ersten Saisonduell. Red Bull kann in den besonderen Momenten eines Spiels seine Klasse auf den Punkt abrufen. Willensstärke und individuelle Qualität stellen dann den Unterschied zum Gegner deutlich heraus.

Spielerischer Reifeprozess ist zu beobachten

In beiden Partien allerdings konnten die Berliner der aktuell mit großem Vorsprung besten Mannschaft der Liga über lange Zeit Paroli bieten. Vor allem am Sonntag fehlte tatsächlich nicht allzu viel, um die Münchner zu bezwingen. „40 Minuten gutes Eishockey“ hätten die Eisbären gespielt, so Noebels. In diesen 40 Minuten waren die Berliner sogar weitgehend besser als der Gegner. Nur haben man „es in entscheidenden Situation nicht geschafft, die Scheibe über die Linie zu bekommen“, erzählt Noebels.

Münchens Vorsprung, personell und mental, ist das Resultat der herausragenden Arbeit der vergangenen Jahre. Das Auftreten der Bayern ist frei von Selbstzweifeln und voller Überzeugung von der eigenen Stärke. Da müssen die Berliner zweifelsohne aufholen. Personell mag das mit geschickten Transfers schnell gelingen. Indizien dafür, dass sie hier ein gutes Stück vorangekommen sind, lassen sich bereits finden. „Das erste Viertel der Saison ist relativ gut ausgefallen, nachdem wir erst mal in einem Loch waren und da herauskommen mussten“, so Noebels. Spielerisch zeigt sich mehr und mehr Harmonie, die Mannschaft wird zu einer Einheit, nachdem sie in großen Teilen neu aufgestellt worden ist und unter dem neuen Trainer viele Abläufe erst hatte erlernen müssen.

Zwei schwere Spiele in der Fremde stehen bevor

Die nächste Stufe dieses Prozesses ist es, ähnlich wie die Bayern eine innere Haltung zu etablieren, die keine Zweifel an den eigenen Fähigkeiten erlaubt. Die eine ganz eindeutige Körpersprache hervorbringt. Die spielerischen Voraussetzungen dafür scheinen die Eisbären zu besitzen, das sollte in der Entwicklung über die nächsten Monate auch das Selbstvertrauen stärken. Dann könnten die Berliner an die Bayern heranrücken, in Sichtweite dürfen sie sich schon wähnen.

Die nächste große Prüfung auf diesem Weg steht den Eisbären in den beiden Partien vor der Länderspielpause bevor. Sie müssen am Donnerstag nach Nürnberg, am Sonntag zum überraschend starken Zweiten nach Straubing, zwei große Herausforderungen. „Ich glaube, wenn wir jetzt noch zwei gute Spiele absolvieren, können wir ganz beruhigt ins nächste Viertel der Saison gehen“, sagt Stürmer Noebels. Starke Leistungen sind da unabdingbar, soll der Trend nach oben aus den vergangenen Wochen fortgesetzt werden. In diesen Spielen geht es nicht nur darum, den Anschluss an die besten vier Teams zu halten, sondern das eigene Selbstverständnis zu schärfen, auf dem Weg zu einem Spitzenteam zu sein.