Kommentar

Die Eisbären sind in Sichtweite

Trotz der erneuten Niederlagen gegen München zeigen die Eisbären, dass mit ihnen durchaus zu rechnen ist, meint Marcel Stein.

Eisbären-Trainer Serge Aubin (r.) und sein Team haben München im Blick.

Eisbären-Trainer Serge Aubin (r.) und sein Team haben München im Blick.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Don Jackson, der Mann, der mit den Eisbären Berlin fünf Meisterschaften in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gewann, weiß, was sich gehört. Zum Abschied hatte der Trainer des DEL-Spitzenreiters Red Bull München für die Berliner ein paar schöne Worte parat. Sie seien auf einem guten Weg, sagte er.

Zweimal gewann München in dieser Saison bereits gegen die Eisbären, jeweils mit zwei mehr erzielten Toren. Doch in beiden Partien konnten die Berliner der aktuell mit großem Vorsprung besten Mannschaft der Liga über lange Zeit Paroli bieten. Am Sonntag beim 3:5 fehlte dem EHC tatsächlich nicht allzu viel, um die Münchner zu bezwingen.

Noch aber besteht ein Anstand, das zeigte die jüngste Partie ebenso. München kann in den besonderen Situationen eines Spiels seine Klasse punktgenau abrufen. Willensstärke und individuelle Qualität stellen dann den Unterschied zum Gegner deutlich heraus. Das ist das Produkt der herausragenden Arbeit der vergangenen Jahre, zum einen personell, zum anderen mental. Münchens Auftreten ist frei von Selbstzweifeln und voller Überzeugung von der eigenen Stärke.

Jetzt sind zunächst Auswärtssiege gefragt

In beiden Bereichen müssen die Eisbären aufholen. Personell mag das mit geschickten Transfers schnell gelingen. Indizien dafür, dass sie hier ein gutes Stück vorangekommen sind, lassen sich bereits finden. Spielerisch entwickelt die neue zusammengesetzte Mannschaft nach einem schwierigen Start mehr und mehr Harmonie. Das Team, das unter dem neuen Trainer Serge Aubin viele Abläufe erst erlernen musste, wird langsam zu der Einheit, die München seit Jahren bildet.

Mit diesem Prozess verbunden ist die Etablierung einer inneren Haltung, die nur Siege als Option für den Ausgang eines Spiels zulässt. München ist mit dieser Gewissheit in einem hohem Maß ausgestattet, die Eisbären scheinen derzeit immerhin das Potenzial zu besitzen, diese Gewissheit aufzubauen. Sie sind durchaus in Sichtweite der Bayern.

Wichtiger als das ist für den Augenblick aber, am letzten Wochenende vor der Länderspielpause zwei schwere Auswärtsaufgaben mit Erfolg zu erledigen. Der Sprung unter die besten vier Teams wäre psychologisch wertvoll nach den Rückschlägen der Vorsaison und dem holprigen Start. Dann wäre der Weg der Berliner noch ein kleines bisschen besser als nur gut.

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