Eisbären Berlin

Eisbären gegen München: Der Traum vom Mitspielen

Die Eisbären wollen wieder zu den besten DEL-Teams gehören. Doch der Vorsprung von Spitzenreiter München ist auf vielen Ebenen groß.

Eisbär James Sheppard hat Münchens Konrad Abeltshauser im Griff.

Eisbär James Sheppard hat Münchens Konrad Abeltshauser im Griff.

Foto: EIBNER/Heike Feiner / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Das Lob tut erst einmal gut. „Das Spiel in Berlin wird ein großer Test für unsere Mannschaft und unsere Torhüter“, sagt Don Jackson. Er mag die Stadt, die Eisbären, war selbst jahrelang Trainer des EHC und gewann viele Titel mit den Berlinern. Deshalb fand er in den vergangen Jahren meist anerkennende Worte für seinen alten Klub, obwohl die vielleicht nicht immer der sportlichen Realität entsprachen.

Seine Sicht als Coach von Red Bull München auf die kommende Partie gegen die Eisbären am Sonntag (14 Uhr, Mercedes-Benz Arena) ist diesmal allerdings eine rein realistische. Obwohl die Münchner die Deutsche Eishockey Liga (DEL) gerade regelrecht überrennen. Von 14 absolvierten Spielen gewann Red Bull 13, zwölf Punkte beträgt der Vorsprung auf den Zweiten Straubing, 16 Zähler zurück liegen die Berliner auf Rang sechs.

Aber allein der Blick auf die jüngsten Wochen verändert die Perspektive ein wenig. „Wir treffen auf eine Mannschaft, die in letzter Zeit wirklich gut spielt“, sagt Jackson. Wie München gewannen auch die Eisbären sechs ihrer vergangenen sieben Partien, da kann aktuell kein anderer Konkurrent mithalten. Zudem sind die Berliner als einzige Mannschaft neben München bislang in allen Heimspielen ungeschlagen. Ein sehr interessantes Duell steht also bevor. Eines, das den Berlinern etwas Orientierung gibt bei ihrer Selbstfindung, an deren Ende sie wieder zu den Spitzenteams der DEL gehören möchten.

Der Anspruch

Für Jackson gibt es im Prinzip nur ein Ziel, er will jedes Spiel gewinnen. Am liebsten aber das letzte der Saison. Das ist sein Mantra. Es zu pflegen, fällt unter den Bedingungen in München nicht schwer, gemeinsam mit Mannheim geben die Bayern das meiste Geld aus, 15,5 bis 16 Millionen Euro beträgt der Etat. Die Eisbären liegen deutlich dahinter bei etwa zwölf Millionen. „Wir haben auch gute Möglichkeiten, aber sicher nicht die gleichen. Sie können sich mehr leisten“, sagt EHC-Geschäftsführer Peter John Lee.

Vom Titel mag er ohne weiteres daher gar nicht sprechen. Mitspielen wäre schon schön. Die Eisbären, mit sieben Titeln der Rekordmeister der DEL, haben gelernt, demütig zu sein, nachdem München, zwischen 2016 und 2018 drei Mal Meister, in den vergangenen drei Jahren jeweils Endstation gewesen ist im Play-off. „Wir müssen dieses Niveau erst mal schaffen, dafür kämpfen wir“, sagt Lee.

Der Weg

Natürlich verfügt München über bessere Voraussetzungen, aber diese sinnvoll zu nutzen, ist ebenso eine Herausforderung, die erst einmal gemeistert werden will. Mannheim lieferte hier über Jahre ein schlechtes Beispiel. Die Bayern arbeiten extrem zielorientiert, sie banden viele Nationalspieler an sich, holten überdurchschnittliche Ausländer und förderten den Nachwuchs enorm. „Sie machen immer ziemlich gute Transfers“, muss Lee anerkennen. Bei den Eisbären wurde lange unentschlossen agiert, sich an preiswerten Ausländern orientiert und an altgedienten Profis festgehalten.

München sortierte Spieler, die nicht passten, stets schnell aus und fand bessere Lösungen. Zudem investierte Finanzier Red Bull in eine eigene Nachwuchsakademie bei Salzburg, die alle Möglichkeiten bietet und unaufhörlich Talente produziert. „Das ist ein Glücksfall“, so Lee, der in Berlin mit den Eisbären Juniors zwar auch eine gute Nachwuchsarbeit betreibt, doch auf einer vergleichsweise bescheidenen Stufe. Mit dem neuen Trainer Serge Aubin finden die Talente aber wieder einen guten Zugang zum DEL-Team. Die Berliner folgen dem Plan, die Mannschaft zu verjüngen, auf stärkere Ausländer zu setzen und die Entwicklung der Mannschaft wieder mehr in den Blickpunkt zu rücken als die Belange einzelner Profis.

Der Fortschritt

Wie schmerzhaft das Verlieren sein kann, davon zeugen die oben erwähnten Zahlen. Nachdem Mannheim die Münchner im April nach drei Titeln in Serie als DEL-Champion entthront hatte, begann der Angriff auf den nächsten Titel. Startrekord mit elf Siegen, nach 14 Punktspielen hat RB jetzt zwölf Zähler mehr als im Vorjahr verbucht. Die Eisbären immerhin fünf, auch bei ihnen ist die Tendenz positiv. Während die Bayern wie besessen wirken und die Liga dominieren, arbeiten die Berliner daran, wieder so etwas wie eine Siegermentalität zu etablieren.

Die Unterschiede sind dabei aber noch deutlich. Acht der neun Ausländer des EHC befinden sich unter den besten zwölf Scorern des Teams. Unter den zwölf besten Scorern der Münchner sind nur drei der acht Ausländer. Über die Breite des Kaders ist die Ausgeglichenheit aber ähnlich, beim EHC haben 16 Spieler schon getroffen, bei München 17. Allerdings schafft München das alles trotz einiger Verletzungen.

Die Perspektive

Für die Bayern zählt nur der Titel, selbst Mannheim als einziger Konkurrent mit ähnlichen Bedingungen dürfte Schwierigkeiten dabei haben, die Mannschaft von Jackson aufzuhalten. „Sie haben immer das Gefühl, gewinnen zu können“, sagt Lee. Er kennt diese Attitüde noch aus den guten Jahren mit Jackson, in denen die Berliner die Titel in Serie gewannen. „Das kommt nicht automatisch, das müssen wir wieder aufbauen“, so der EHC-Chef.

Im Play-off waren die Eisbären in den beiden Vorjahren nicht weit weg von München. Wenn die Mannschaft sich auf der aktuellen Basis gut weiterentwickelt, ist vielleicht beim nächsten Aufeinandertreffen im Play-off eine Überraschung möglich. Mehr als sporadische Erfolge scheinen in naher Zukunft aber eher unrealistisch, da Münchens Vorsprung gleich auf mehreren Ebenen groß ist. Ein Sieg in einem Punktspiel daheim wäre immerhin ein Anfang, diesen Rückstand etwas zu verringern. Im Februar 2018 gelang das zuletzt. Beim jüngsten Spiel in München zu Saisonbeginn waren die Berliner zwar über weite Strecken besser, verloren aber dennoch 2:4.

Mehr zu den Eisbären lesen Sie hier