Eishockey

Eisbären Berlin: Endlich auf Kurs

Eisbären haben nach Startschwierigkeiten ihren Weg gefunden. Doch auswärts muss der Ertrag besser werden, will man unter die Top Vier.

EHC-Zugang Landon Ferraro (l.) führt sich im ersten Heimspiel gegen Nürnberg stark ein.

EHC-Zugang Landon Ferraro (l.) führt sich im ersten Heimspiel gegen Nürnberg stark ein.

Foto: O.Behrendt via www.imago-images.de / imago images/Contrast

Berlin. Irgendwann hatte Niklas Treutle einfach genug. Mit mehreren Hieben gegen den Pfosten zertrümmerte der Torwart der Nürnberg Ice Tigers seinen Schläger. Das Spiel war eng gewesen, kurz vor Schluss war sogar noch die Chance auf einen Punkt da, doch dann brach sein Team nach einem weiteren Gegentreffer zusammen, 2:4, 2:5, 2:6. Alles binnen 59 Sekunden. Ein bitteres Ende für den Goalie, während hinter ihm auf den Rängen die Fans des EHC Eisbären aus dem Kreischen gar nicht mehr herauskamen.

Heimspiele der Eisbären waren in der jüngeren Vergangenheit so eine Sache, oft gingen die Fans enttäuscht nach Hause, weil das Team nicht mehr tat als nötig – und deshalb häufig verlor auf eigenem Eis. In dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gibt es aber bislang eine Jubelgarantie, fünf Siege in fünf Partien, die Berliner sind nicht nur heimstark, sie kämpfen bis zum Schluss. Nach dem ersten Viertel der Hauptrunde ist das ein sehr positiver Aspekt. „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung“, sagt Trainer Serge Aubin, der im Sommer angetreten war, die Leidenschaft auf dem Eis derjenigen auf den Rängen wieder anzugleichen.

Der Schritt nach vorn ist nicht sehr groß

Allerdings muss der Trainer einschränken. „Nach der Enttäuschung vom Freitag“, lautete im Anschluss an das 6:2 gegen Nürnberg sein Nachsatz. Davor hatten die Berliner in Düsseldorf gespielt, 0:4 verloren. Es gibt eine Diskrepanz zwischen den Auftritten auswärts und denen daheim. Daher finden sich die Eisbären nach dem ersten Quartal nur auf Rang sechs der Tabelle wieder. Aber sie haben ein Spiel weniger absolviert als die Konkurrenz. Dies und auch die Tatsache, dass einige Topteams ebenso durchwachsen gestartet sind, relativiert den Tabellenstand ein wenig.

Dominiert wird die DEL bislang von Red Bull München. Die Mannschaft des früheren EHC-Meistertrainers Don Jackson hat sich in 13 Partien bislang lediglich eine Niederlage erlaubt und ist der Konkurrenz weit enteilt. Dahinter überrascht Straubing, der Klub aus dem kleinsten Standort der Liga, gerade mit ungewohnter Konstanz auf Platz zwei. Sieben Zähler liegen die Eisbären hinter Straubing. Aber nur zwei hinter Titelverteidiger Adler Mannheim und drei vor Herausforderer Kölner Haie. Doch diese Zahlen sind nur Nebensache für Aubin.

Für den Coach ist es wichtiger, dass Überzahl und Unterzahl nach einem schwachen Beginn zu einem verlässlichen Faktor geworden sind. Die Mannschaft fühlt sich sicherer im Spielsystem. „Die Fehler sind weniger geworden, wir kommen nicht für zu lange Zeit vom Weg ab“, sagt der Kanadier. Die Stärke seines Teams liegt im Tempospiel, im schnellen Umschalten. So erzielen die Berliner die Mehrzahl ihrer Tore. Dafür ist noch einiges Potenzial vorhaben bezüglich des Kreativspiels in der offensiven Zone.

Spitzenreiter München prüft nun die neue Heimstärke

Ein weiterer Pluspunkt der Eisbären liegt in der Abwehr, die sehr stabil steht und selten Konter zulässt. „Wir werden gerade ein Team, jeder kennt seine Rolle und weiß, dass alle Rollen wichtig sind, egal wie viel einer spielt“, sagt der Trainer, sicher auch mit Blick auf den jüngsten Zugang Landon Ferraro. Um die Einsatzzeiten muss mehr gekämpft werden, das treibt die Mannschaft an. „Landon ist eine gute Ergänzung“, so Aubin über den Angreifer, der gegen Nürnberg im zweiten Spiel zwei Tore erzielte und zwei vorbereitete.

Die Eisbären und Trainer Aubin sind also nach ein paar Startschwierigkeiten, die auch mit der größeren Anzahl an Auswärtsspielen zu tun haben, angekommen in der Saison. „Das ganze Team bewegt sich in die richtige Richtung, nicht nur ein paar Leute“, so der Coach. Jetzt müssen sie allerdings den Sprung unter die besten vier Teams der Tabelle schaffen, um den eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Der Schritt ist nicht groß, aber umso schwerer, weil die Aufritte in der Fremde dringend mehr Ertrag bringen müssen. Und weil nach der Partie in Ingolstadt am Freitag im nächsten Heimspiel München der Gegner ist.