Eisbären Berlin

Eisbären-Stürmer Lapierre: „Ich will Lukas nichts versauen“

Angreifer Lapierre zeigt seinen großen Wert für die Eisbären. Mit seiner Erfahrung hilft er auch einem Talent dem Weg in die NHL.

Maxim Lapierre (r.) zeigt bei den Eisbären seine Stärken als Spielgestalter.

Maxim Lapierre (r.) zeigt bei den Eisbären seine Stärken als Spielgestalter.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Viel gesehen und erlebt hat Maxim Lapierre, nervös macht ihn daher nichts mehr so schnell. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind die ersten Wochen wieder Vergangenheit, sie boten reichlich Abwechslung für die Eisbären Berlin. Doch der Kanadier begegnet dem Auf und Ab ganz seelenruhig. Der letzte Platz der Berliner vor zwei Wochen? Egal. Nach vier Siegen in Folge, mit nur noch vier Zählern Rückstand zu Platz zwei und bei einem Spiel weniger sieht alles schon wieder viel freundlicher aus. „Ich denke, das war einfach ein normaler Fortschritt“, sagt Lapierre sehr unbeeindruckt.

Die Umwälzungen bei den Eisbären waren groß, vieles musste sich erst finden. „Du denkst anfangs über so viel nach“, sagt der 34-Jährige. Zweifel kamen ihm aber nicht, denn sein Blick auf die Kollegen und das Umfeld führte ihn zu der Einschätzung, dass die Berliner viel Potenzial besitzen. „Hier gibt es tolle Fähigkeiten, ein tolles Team und gute Trainer. Wir mussten nur alle Teile zusammenfügen. Wir sind genau da, wo wir sein wollen“, sagt der Mittelstürmer. Die Defensive steht sehr sicher, der zunächst schwer anlaufenden Offensive gelangen am vergangenen Wochenende gleich zehn Treffer. Selbst Über- und Unterzahlspiel funktionieren langsam besser.

Topscorer des Teams: Vier Tore und fünf Vorlagen

Eng mit dem Auftreten der Mannschaft verbunden ist seine eigene Leistung. Starke Führungsspieler, davon träumte sportliche Leitung des EHC, denn davon gab es jüngst immer ein paar zu wenig. Lapierre bot alle Voraussetzungen, hat fast 700 Partien in der nordamerikanischen NHL absolviert, ist läuferisch und technisch stark, besitzt einen ausgeprägten Ehrgeiz. Als er seinen Vertrag in Lugano im Frühjahr auflöste, wollte der neue EHC-Trainer Serge Aubin, der Lapierre aus der Schweiz kannte, den Kanadier unbedingt haben.

Warum, das zeigt der Routinier nun. Mit vier Treffern und fünf Vorlagen führt er die Scorerliste der Eisbären an. „Ich versuche immer, strukturiert zu spielen, das System zu halten“, erzählt der Angreifer, der beim 4:2 in Ingolstadt zwei Tore beisteuerte. Lapierres physische Stärke und seine Spielintelligenz sind auffällig, er verteilt die Pucks und verwertet die Zuspiele. Vor allem geht er voran, nie einem Zweikampf aus dem Weg.

Dabei bleibt jedoch das aus, was viele vermutet haben. Lapierre kam mit dem Ruf, auch ein Strafbankkönig zu sein. Nun werden lediglich zwei Strafminuten für ihn aufgelistet. Geht es in der DEL grundsätzlich sehr zahm zu? „Das nicht. In der Schweiz war es oft so, dass ich die Strafminuten bekommen habe, wenn die Spiele schon entschieden waren. Ich will mein Team nicht unnötig in eine schlechte Position bringen“, sagt der Center, der lieber seinen Kampfgeist einbringt.

Beeindruckt vom halb so alten Kollegen

Vielleicht ist es auch die große Fürsorge, die ihn ein bisschen friedvoller agieren lässt. An seiner Seite spielt der halb so alte Lukas Reichel, ein besonderes Talent, wie sich mehr und mehr herausstellt. Mit nur 17 Jahren liegt er in seiner ersten Profisaison mit nur einer Vorlage weniger hinter Lapierre in der Scorerliste. „Seine große Stärke ist, dass du ihm nur einmal etwas sagen musst und er setzt das sofort um“, findet Lapierre, der als Mentor auftritt.

Da Reichel im nächsten Sommer bei der Auswahl der besten Talente in der NHL gezogen werden könnte, sieht Lapierre viel Verantwortung bei sich. „Einen direkten Einfluss zu haben auf einen Spieler, der bald gedraftet wird, das ist speziell. Als ich in seinem Alter war, war ich noch nicht so weit, mit Männern zu spielen“, erzählt der Stürmer, der seinen jungen Kollegen gar nicht mehr nach dem Alter bewerten möchte: „Sein Wert für das Team ist sehr hoch.“

Das Zusammenspiel mit Reichel sei für ihn durchaus eine Herausforderung. „Ich habe immer im Kopf, dass ich alles geben muss, um ihm zu helfen. Er hat eine große Chance“, sagt Lapierre: „Und ich will ihm das nicht versauen.“ Diese Gefahr dürfte gering sein. Der Kanadier traut Reichel viel zu, ebenso der Mannschaft: „Ich denke, wir haben noch eine Menge mehr drin.“

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