Eisbären Berlin

Anspruch und Realität: Ambitionierte Eisbären am Ende

Weil die Eisbären kaum Tore schießen, müssen sie darum kämpfen, ein Saisonziel nicht früh aus den Augen zu verlieren.

Lukas Reichel (weißes Trikot) trifft derzeit am besten bei den Eisbären.

Lukas Reichel (weißes Trikot) trifft derzeit am besten bei den Eisbären.

Foto: EIBNER/Michael Bermel / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Es gibt durchaus einen Anlass zur Freude. Einen Grund, die Weitsichtigkeit und den Mut der Eisbären Berlin zu loben. Sie haben ihr Vertrauen einem Talent geschenkt vor dieser Saison, und nach sieben Spieltagen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) steht Lukas Reichel an der Spitze der Scorerliste der Berliner. Mit nur 17 Jahren. Eine kleine Erfolgsgeschichte.

Doch diese Geschichte besitzt ein dunkles Kapital. Zwei Tore erzielte Reichel, eines am Mittwoch in Iserlohn, eines zuvor in Mannheim. Aber dort traf jeweils kein anderer Berliner, beide Spiele wurden verloren (1:3 und 1:4). Das führte die Eisbären, immerhin mit Ambitionen auf einen Platz unter den besten Vier der Hauptrunde gestartet, nun auf den letzten Platz der Tabelle. „Wir sind weit weg von unserem Ziel. Das geht nicht“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer.

Auch vergangene Saison begannen die Berliner schwach, waren nach zwei Spieltagen am Ende. Aufgrund vieler Verletzungen wurde es die ganze Hauptrunde über nicht wirklich besser. Diesmal aber gibt es kaum Ausfälle, die Mannschaft sollte stärker sein als im Vorjahr und wieder dem Selbstverständnis des Klubs entsprechend auftreten. Doch nun passieren ständig dieselben Fehler, außerdem treffen die Eisbären vor allem auswärts das Tor nicht. „In der Offensive suchen viele ihre Form. Lukas war unser bester Spieler in Iserlohn“, so Richer. Aber ein 17-Jähriger kann kaum sein ganzes Team retten.

Dumme Strafen und schwaches Überzahlspiel

Vor allem dann nicht, wenn es irgendwie beratungsresistent wirkt. Im dritten DEL-Spiel in Folge mussten die Eisbären einen frühen Rückstand in Unterzahl hinnehmen. Mit weiteren Strafzeiten nimmt sich die Mannschaft immer wieder den Schwung. Und in eigener Überzahl ist die Harmlosigkeit erschreckend hoch. Auch in dieser Kategorie sind die Berliner aktuell das schwächste Team der DEL mit nur zwei Treffern, was einer Quote von 6,67 Prozent entspricht. „Gerade auswärts brauchst du deine Special Teams“, sagt Richer, dessen Truppe bei null Punkten in vier Auftritten in der Fremde logischerweise die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga ist.

Es sind ziemlich viele Negativ-Superlative, die die Eisbären gerade auf sich vereinen. Der Schwung, den das Testspiel am Sonntag gegen das NHL-Team der Chicago Blackhawks bringen sollte (1:3), wurde in Iserlohn zu Ernüchterung. „Das hätte auf jeden Fall nicht sein müssen. Wir stellen uns teilweise einfach zu dumm an“, sagt Verteidiger Kai Wissmann. Das betrifft die unnötigen Strafzeiten, die immer wieder kassiert werden und dem Team schaden. Aber auch das Verhalten vor dem Tor. Viel zu oft wird um das Tor herum gespielt, als mit vollem Elan und eben mit Zug zum Tor agiert. In Überzahl zeigen die Berliner nur äußerst selten Schüsse von der blauen Linie.

Nächstes Spiel am Freitag in Augsburg

Für diese Probleme muss die Mannschaft, muss der Trainer nun Lösungen finden. „Wir hatten genug Chancen, dieses Spiel zu gewinnen. Wir müssen jetzt zusammenkommen und weiterarbeiten. Wir müssen jetzt auch Tore schießen! Es geht für uns darum, diese Chancen zu verwerten“, so Trainer Serge Aubin, dem die nächste Herausforderung am Freitag in Augsburg bevorsteht. Seine Arbeit mit dem Team muss sich langsam auszahlen, soll seine Position nicht bald reichlich Diskussionsstoff bieten.

„Ich glaube schon, dass wir die Qualität haben, Tore zu schießen“, sagt Sportdirektor Richer. Abgeneigt, sich hier um weitere Kräfte zu bemühen, scheint er dennoch nicht: „Noch ist es früh in der Saison. Wir müssen alles analysieren und dann sehen, was wir brauchen.“ Bei schon acht Punkten Rückstand auf Platz vier benötigen die Eisbären auf jeden Fall mehr als ein Versprechen auf die Zukunft in Form eines 17-Jährigen. Sonst ist die Krise nicht mehr weit.

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