Eishockey

Eisbären Berlin: Von Aufbaugegnern und hohen Hürden

Die Eisbären sammeln gegen Köln Belege für die eigenen Ansprüche. Dies auch Sonntag in München zu tun, wäre noch etwas wichtiger.

Marcel Noebels (l.) hat als einziger Berliner bislang zwei Tore erzielt.

Marcel Noebels (l.) hat als einziger Berliner bislang zwei Tore erzielt.

Foto: EIBNER/Uwe Koch via www.imago-images.de / imago images/Eibner

Berlin. Verlierer haben selten etwas zu lachen. Insofern überraschte die strenge Miene von Mike Stewart zunächst auch nicht. Doch als er Trainer der Kölner Haie so erzählte über das 2:3 nach Verlängerung bei den Eisbären Berlin, wurde schnell klar, dass ihn weniger die Niederlage wurmte. Was ihn schwerer traf, war die Tatsache, dass er seine Mannschaft zu ganz anderen Dingen befähigt sieht. „Wir waren weit weg von dem, was ich sehen will“, brummte Stewart.

Wie unterschiedlich manchmal die Perspektiven sein können. Weil Stewart deutsch sprach, bekam EHC-Coach Serge Aubin wohl nicht alles genau mit, was sein Gegenüber so sagte. Er habe ein tolles Spiel zweier toller Teams gesehen, befand anschließend Aubin und schlug damit eine etwas andere Richtung als Stewart ein. Nun kann Aubin sicher schwer einschätzen, wie gut die Haie wirklich sind. Aber sie gelten eben als eines der Topteams der Deutschen Eishockey Liga (DEL), und dieses hatten die Berliner niedergerungen. Aubin durfte also sehr zufrieden sein – zumal nach einem 0:5 zuvor in Bremerhaven. „Die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt“, konstatierte sein Stürmer und Siegtorschütze Marcel Noebels.

Die Mannschaft bleibt trotz Rückstand kompakt

Ob die Kölner es tatsächlich besser können, ist für den Augenblick nebensächlich. Inwieweit sich die erwünschte Wirkung erzielen lässt, ist dennoch auch abhängig von der Gegenwirkung. Und davon boten die Berliner eine Menge. „Wenn wir mit allen fünf Mann so spielen, haben viele Mannschaften Probleme, uns im offensiven Drittel zu halten“, so Noebels. Eine Erkenntnis, die gerade durch das Auftreten gegen eines der Spitzenteams an Wert gewinnt. Die das Selbstvertrauen steigen lässt. Zumal der Erfolg sehr hart erkämpft werden musste.

Darin steckt vielleicht der eigentliche Gewinn. Mitte des letzten Drittels gerieten die Berliner in Rückstand. Da spürte Aubin deutlich, dass „die Bank gelebt hat. Wir sind dran geblieben“, so der Trainer. Die Eisbären verloren sich nicht in Aktionismus, sondern folgten ihrem Plan. „Da hat sich der Charakter gezeigt, der in der Mannschaft vorhanden ist. Wir haben nicht aufgemacht, wie es in der Vergangenheit vielleicht passiert wäre, wir waren weiterhin kompakt“, erzählte Noebels. Solche Erlebnisse schweißen ein Team zusammen, bauen es auf.

München fertigt Meister Mannheim ab

Sie sind vielleicht auch ein Beleg dafür, dass der eigene Anspruch, selbst zu den besten Vier der Liga zu gehören, nicht zu hoch gegriffen ist. Wie realistisch die eigene Einschätzung ist, darüber könnten schon die nächsten Partien nähere Auskunft geben. Die Hürden werden noch höher. Am Sonntag gastieren die Eisbären in München beim Vizemeister (17 Uhr, Sport1), am Donnerstag beim Titelverteidiger in Mannheim. Die Adler verloren gerade 2:7 gegen den vorherigen Serienmeister, der ein klares Ziel für diese Saison hat. „Nach letztem Jahr haben wir etwas zu beweisen. Das ist die Herausforderung“, so Don Jackson, der frühere Berliner und jetzige Münchner Trainer.

Jacksons Team ist auf Kurs, als einziges in der DEL noch ungeschlagen nach drei Partien. Neun Mal in Folge konnten die Eisbären in Punktspielen nicht mehr in München gewinnen. „Wir müssen bereit sein, um nicht direkt im eigenen Drittel zu spielen“, warnt Noebels vor dem Angriffsdruck der Bayern, bei denen die Berliner der Außenseiter sind. Diesen Status wollen die Eisbären endlich hinter sich lassen. Ob sie schon weit genug dafür sind, weiß auch Serge Aubin nicht: „Wir versuchen immer noch, ein Team zu werden und machen viel Gutes. Aber es ist ein Prozess.“ Verglichen mit den Haien sind sie dabei aber schon ein kleines bisschen weiter vorangekommen.

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