Eisbären Berlin

Eisbär Pföderl und die Wiederentdeckung der Neugier

Der Torjäger will sich weiterentwickeln und findet bei den Eisbären den passenden Rahmen. Köln ist der nächste Gegner am Freitag.

Leonhard Pföderl soll viele Tore für die Eisbären schießen.

Leonhard Pföderl soll viele Tore für die Eisbären schießen.

Foto: Fotostand / Wassmuth / picture alliance / Fotostand

Berlin. Leo lacht. Die junge Frau beim Training der Eisbären, die unweit der Kabine steht und Unterschriften der Spieler sammelt, trägt einen schwarzen Beutel an ihrer Seite. Das Logo der Nürnberg Ice Tigers prangt auf dem Stoff. Die Vergangenheit lässt Leonhard Pföderl so schnell nicht los. Dabei ist er doch nach Berlin gekommen, um alles hinter sich zu lassen. Auf der Suche nach etwas ganz Neuem.

Kein Problem, die Erinnerung an Nürnberg löst bei dem Stürmer ja keine negativen Assoziationen aus. Sieben tolle Jahre lief er in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für die Franken auf. Aber da hat sich viel Routine entwickelt. „Ich kannte in Nürnberg einfach alles“, sagt Pföderl. Diesbezüglich bietet Berlin natürlich die besten Möglichkeiten, keine Stadt in Deutschland ist größer. Bis es hier langweilig wird, das dauert. Die Eisbären könnten also weit in die Zukunft planen mit dem 26-Jährigen.

München und Mannheim waren an ihm dran

So konkret sind die Absichten der Berliner freilich noch nicht, was die Erwartungshaltung des Klubs aber keineswegs mindert. Pföderl ist Nationalspieler, einer der glorreichen Helden, die 2018 Olympiasilber gewannen. Ein Mann, der für 20 Tore pro Saison gut ist. Einer, den auch die Topklubs aus Mannheim und München gern genommen hätten, der sich aber für die Eisbären entschieden hat.

Weil Berlin einen besonderen Reiz auf ihn ausübt. Pföderl kommt aus Bad Tölz, seine bayerische Heimat kennt er zur Genüge. Er brauchte einfach eine komplett neue Umgebung. „Mir gefällt es sehr gut hier, die Stadt ist überragend, da brauchen wir nicht drüber zu reden. Alles ist super interessant“, sagt er. Da kann auch Mannheim und Umgebung nicht mithalten. Obwohl die sportliche Perspektive dort sicher aktuell eine bessere wäre, ebenso in München.

In Nürnberg kannte er einfach alles

Die sportliche Ebene aber passt sehr gut zu dem Gesamtpaket, für das sich Pföderl entschieden hat. Ebenso wie die Stadt fasziniert ihn auch der Klub. Die Eisbären sind für ihn das Größte in der DEL, obwohl die sieben Meistertitel schon ein paar Jahre zurückliegen. „Hier gibt es eine gute Truppe, gute Trainer“, sagt der Stürmer. Alles fühlt sich gerade so an, wie er es sich vorgestellt hat. Pföderl muss neu anfangen, sich wieder durchbeißen. Genau das wollte er, damit die Entwicklung voranschreitet.

Zuletzt stockte sie, wie er fand. „Ich habe allgemein gemerkt, dass irgendwas gefehlt hat. Vielleicht das Neue, die Herausforderung. Das war gar nicht nur sportlich. Man rostet vielleicht ein wenig ein, wenn man lange irgendwo ist“, sagt er. Mit 17 Toren in der vergangenen Hauptrunde schnitt er zwar gut ab. Sechs weniger als in der Vorsaison waren es trotzdem, was ihn störte. „Ich musste was Neues angreifen, um wieder mehr aus mir herauszukommen.“

Kein Problem mit den Erwartungen

Dass sich das bislang nicht in Toren manifestiert, stört ihn nicht. „Ich glaube, die letzten fünf Jahre habe ich gefühlt noch nie in den ersten zehn Spielen ein Tor geschossen. Das hat immer gedauert, da bin ich ganz entspannt“, so Pföderl. Wichtig ist, dass der Rahmen stimmt, und das tut er. „Sich neu durchzubeißen, finde ich nicht schwieriger, es ist einfach interessanter, es ist aufregender. Die Neugier ist wieder da“, erzählt der Stürmer. Andere Einflüsse wirken auf ihn, auf und neben dem Eis, das bringt ihn als Mensch weiter. Danach hat er sich gesehnt.

Mit den Erwartungen an ihn geht er genauso gelassen um. Bei den Eisbären soll der Nationalspieler die Torproduktion der deutschen Profis, die zuletzt mangelhaft war, deutlich ankurbeln. „Er wird viele Tore schießen, wir werden sicherstellen, dass wir ihn richtig einsetzen“, sagt Trainer Serge Aubin. Diese hohen Vorgaben blendet der Angreifer nicht aus. „Das habe ich schon immer gehabt, das gehört dazu“, so Pföderl. Mit seinem Instinkt und seinem guten Schuss erfüllte er stets die Anforderungen. Nun will er dazu beitragen, dass die Eisbären wieder näher an München und Mannheim heranrücken. Und vielleicht sogar irgendwann vorbeiziehen. Das ist so etwas wie seine Mission, das macht es für ihn so spannend, in Berlin zu sein.

Spannende Wochen liegen vor den Berlinern

Zuletzt in Bremerhaven beim 0:5 sah es noch nicht so aus, als würde es ganz toll laufen beim EHC. „Aber das zieht keinen bei uns runter, das passiert einfach mal“, so Pföderl, der mit den Eisbären nun am Freitag auf die Kölner Haie (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) trifft und danach auf München sowie Mannheim. Es folgt das Testspiel gegen das NHL-Team aus Chicago. „Wir haben jetzt lauter Kracher vor uns. Chicago ist zwar nicht so wichtig, wird aber auch ein Schmankerl“, sagt der Stürmer, der jetzt eventuell andere Reihenpartner bekommt als zuletzt. Der Trainer wollte sich die Option offenhalten, nach der Niederlage etwas zu rotieren. Kein Ding für Pföderl: „Egal, mit wem ich spiele. Ich sage zu jedem, er soll mir einfach die Scheibe geben.“ Leo lacht wieder. Sicher noch mehr, wenn der Puck bald im Netz landet.

Mehr zu den Eisbären finden Sie hier