Eisbären Berlin

Der große Erneuerungsprozess der Eisbären

Zwölf Spieler gingen, acht kamen, zwei Trainer sind ebenso neu. Zudem herrscht ein strengeres Regiment unter Chefcoach Serge Aubin.

Nationalspieler Leonhard Pföderl ist der prominenteste deutsche Zugang beim EHC.

Nationalspieler Leonhard Pföderl ist der prominenteste deutsche Zugang beim EHC.

Foto: Fotostand / Wassmuth / picture alliance / Fotostand

Berlin. Konstanz ist das, was die Eisbären in den vergangenen Jahren bezüglich ihrer Personalpolitik begleitet hat. Lange fuhr man damit gut, doch es gab auch immer wieder Hinweise darauf, vor allem in jüngster Zeit, dass die Verantwortlichen des Klubs untrügliche Zeichen verkannt haben und zu lange an Spielern festhielten, die die Entwicklung der Mannschaft bremsten.

In diesem Sommer nun war deutlich mehr los als gewöhnlich. „Wir haben nicht nur Spieler getauscht, sondern auch unsere Mentalität etwas verändert“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. Der Klub achtet mehr darauf, wie sich die Profis im Sommer betätigen, nimmt mehr Einfluss, übt mehr Kontrolle aus.

Aubin bringt seinen langjährigen Assistenten mit

Dass bei den Berlinern jetzt ein strengeres Regiment herrscht, hat auch mit Serge Aubin (44) zu tun. Der Kanadier verlangt viel Einsatz von den Spielern, brachte den Eisbären in der Vorbereitung ein arbeitsintensives Offensivsystem bei. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Jungs die Idee unseres Spiels verstanden haben“, sagt der neue Trainer des EHC, der in Craig Streu (51) auch einen neuen Co-Trainer mitbrachte, weil Steffen Ziesche zum DEB wechselte und ein Platz im Trainerteam frei wurde. Streu begleitete Aubin bereits auf den vorherigen Stationen in Zürich und Wien als Assistent.

Beide bilden die sportliche Spitze im Erneuerungsprozess der Berliner. Zwei von drei Personen in der Trainerriege gehen damit in ihre erste Saison mit den Eisbären. Beim spielenden Personal tat sich ebenfalls viel. Von den Profis, die vergangene Saison regelmäßig zum DEL-Team gehörten, mussten zwölf gehen.

Für Ramage ist Berlin die erste Europa-Station

Dafür sind bislang acht neue Spieler zu den Eisbären gekommen. Die größten Erwartungen tragen dabei die Stürmer Maxim Lapierre (Kanada/34/zuletzt Lugano), der 694 NHL-Spiele bestritt, und Leonhard Pföderl (26/Nürnberg) als deutscher Nationalspieler. „Ich habe Lapierre oft spielen sehen, er ist sehr effektiv und bringt einfach so viel mit“, sagt Aubin über den Angreifer, der kreativ und enorm kämpferisch ist. Pföderl soll helfen, die zuletzt magere Torquote der deutschen Spieler deutlich zu erhöhen.

In der Abwehr sind Ryan McKiernan (USA/30/Düsseldorf) und John Ramage (USA/28/Binghamton) unter anderem für die Punkteproduktion im Powerplay vorgesehen. „Ich schaue immer zuerst auf mein defensives Spiel, darauf will ich die Saison über aufbauen und mir in der Offensive so Chancen erarbeiten“, sagt Ramage, der erstmals in Europa spielt. „Die Basis hier stimmt, wir haben ein Team mit vielen Fähigkeiten und eine Reihe von Jungs, die alles geben“, findet McKiernan, der Aubin ebenfalls aus Wien kennt und dort mit ihm Meister wurde.

Cüpper nun doch vorerst nach Weißwasser

Im Tor steht mit dem Deutsch-Dänen Sebastian Dahm (32/Iserlohn) ein neuer Mann, der als Teamspieler gilt und Marvin Cüpper sowie Maximilian Franzreb ein Mentor sein soll. Entgegen der ursprünglichen Pläne wird Cüpper (25) wird von den Eisbären aber vorerst nach Weißwasser ausgeliehen, um dort Spielpraxis zu sammeln. „Wir glauben, dass es besser ist, wenn er dort anfängt“, so Richer. Nach vier bis sechs Wochen wolle man überlegen, ob Cüpper, der vergangene Saison verletzt fehlte, nach Berlin zurückkehrt oder weiter in der zweiten Liga bleibt. Bis dahin ist Franzreb (23), der eigentlich in Weißwasser eingeplant war, die Nummer zwei im Tor des EHC.

Nach ausgiebiger Erprobung in der Saisonvorbereitung erhielten auch Pierre-Cédric Labrie (Kanada/32/Wichita) und Sebastian Streu (19/Regina) Verträge beim EHC. Labrie ist NHL-erfahren und körperlich sehr robust, Streu, Sohn des Co-Trainers, ein junger Spieler mit Perspektive. „Labrie ist ein Rollenspieler, der viel Erfahrung mitbringt. Streu hat das gezeigt, was wir von einem Spieler wie ihm erwarten“, so Richer. Letzteres gilt ebenso für Fabian Dietz (20), den die Eisbären vom Kooperationspartner aus Weißwasser holten. „Ich will natürlich in der DEL Fuß fassen und zum Stammspieler werden“, erzählt Dietz, der in den Tests in Unterzahl oft auf dem Eis stand.

Der Trainer sieht viel Positives

Ein weiterer junger Spieler im Team ist Lukas Reichel, der aber nicht neu verpflichtet, sondern aus dem eigenen Nachwuchs befördert worden ist. Der 17-Jährige gilt als großes Talent, durfte in der Vorbereitung schon viel in Überzahl spielen und soll in der DEL nun sein großes Potenzial zeigen. „Unser Ziel ist, dass er nächstes Jahr gedraftet wird in der NHL. Am besten in der ersten Runde. Daran mit ihm zu arbeiten, ist unsere Aufgabe“, so Richer.

Insgesamt wirkt das Team aufgrund der personellen Wechsel nun ausgewogener als zuletzt, es ist jünger, läuferisch stärker und körperlich robuster. „Es gibt sehr viel Positives, auf dem wir aufbauen können. Aber es fängt jetzt erst richtig an“, bilanziert Trainer Serge Aubin nach einer langen Vorbereitung mit einer gewissen Aufregung.

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