Eisbären Berlin

Die Eisbären und das Ende der Probezeit

Die Eisbären müssen sich entscheiden, ob die Probespieler Labrie und Streu bleiben dürfen. Tests gegen Pardubice und Wolfsburg.

Trainer Serge Aubin muss sehen, ob die Probespieler in sein Team passen.

Trainer Serge Aubin muss sehen, ob die Probespieler in sein Team passen.

Foto: Fotostand / Wassmuth / picture alliance / Fotostand

Berlin. Wer nicht richtig hinschaut, könnte leicht einer Verwechslung unterliegen. Von der Tribüne nämlich und mit dem Helm samt Visier auf dem Kopf sieht Pierre-Cédric Labrie ziemlich genau wie Florian Busch aus mit seinem hellbraunen, buschigen Bart. Obwohl Labrie das kaum glauben kann: „Buschi hat bestimmt 15 Kilogramm weniger als ich.“ Doch die fallen unter der dicken Panzerung der Eishockeyprofis kaum auf.

Am Freitag, wenn der EHC Eisbären im Wellblechpalast sein einziges Testspiel in der Vorbereitung auf die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Berlin gegen Dynamo Pardubice absolviert (19.30 Uhr, Sportdeutschland.TV), muss Labrie trotz der äußerlichen Ähnlichkeit vor allem als er selbst in Erscheinung treten. Ebenso am Sonntag, wenn die Berliner in Halle gegen DEL-Konkurrent Wolfsburg antreten. „Ich brauche zwei gute Spiele am Wochenende“, weiß auch der Kanadier. Vor einem Monat kam er als Probespieler nach Berlin, um sich für einen Vertrag beim EHC zu bewerben. Am Sonntag endet die Probezeit.

Der dritte Mann war nach einer Woche weg

Zum Start der Vorbereitung gaben die Eisbären drei Spielern die Chance, sich für die DEL zu empfehlen. Sébastien Sylvestre (25) durfte nach einer Woche bereits wieder gehen. Labrie (32) und Sebastian Streu (19) dagegen sind gekommen, um zu bleiben. „Ich möchte wirklich eine Saison hier in Berlin spielen. Ich denke, dass es gut aussieht“, so Labrie. Der bullige Linksaußen hat bisher einige Argumente für seinen Verbleib gesammelt, legte ein Tor auf, traf beim einzigen Sieg in den bisherigen fünf Testspielen am vergangenen Sonntag in Hradec Kralove (2:1).

Etwas weniger euphorisch klingt im Augenblick Angreifer Streu. „Ich bin ein bisschen unglücklich mit der Verletzung jetzt, einer Verstauchung des Handgelenks“, sagt der Stürmer. Er wird zumindest am Freitag nicht spielen können. Doch auch er fiel positiv auf, war in Wien (3:8) einer der Besten im Team der Eisbären und überraschte sich damit selbst ein wenig.

Streu wollte eigentlich nur nach Kanada

Streu ist bereits länger in Berlin. „Durch meinen Vater konnte ich schon im Sommer mit den deutschen Spielern hier mittrainieren“, sagt der Sohn des neuen EHC-Assistenztrainers Craig Streu. Ursprünglich war das nur als Vorbereitung auf sein letztes Juniorenjahr in Kanada gedacht, wo er auch die vergangenen beiden Jahre verbracht hatte. Danach sollte der Sprung zu den Profis erfolgen. „Meine Priorität war Nordamerika, weil ich einfach nicht gedacht hatte, dass diese Chance jetzt schon da sein würde“, sagt Streu.

Bei den Eisbären sehen sie aber bereits Verwendungsmöglichkeiten für sein Talent. „Er hat gut gespielt, ist schnell und hat viel Potenzial. Das ist genau das, was wir wollen“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. Zwei U23-Spieler müssen ab dieser Saison in jedem Spiel im Kader stehen, bald werden es drei sein. Darauf bereiten sich die Eisbären vor, die ohnehin mehr nationale Talente einbinden wollen. Streu, der auch deutscher U20-Nationalspieler ist, passt damit genau in das Profil: „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich hier fest bleiben könnte.“

Labrie betätigte sich zuletzt sogar als Co-Trainer

Ganz so einfach liegt die Sache bei Labrie nicht. Zwar haben die Eisbären erst sieben Lizenzen vergeben, können also noch vier Ausländer verpflichten. „Aber wir müssen überlegen, ob wir jetzt schon eine weitere Lizenz vergeben oder noch warten, bis in der NHL die Camps enden“, sagt Richer. Von der besten Liga der Welt war Labrie zuletzt ein Stück entfernt, spielte in der Vorsaison in der dritten nordamerikanischen Liga. Jedoch freiwillig, weil er nebenbei in seinem Team auch als Assistenztrainer tätig sein wollte.

Vielleicht wäre er schon komplett auf die Trainerschiene abgebogen, wenn die Eisbären sich nicht gemeldet hätten. „Da dachte ich: Okay, ich habe noch ein paar gute Jahre drin. Jetzt will ich es hier schaffen“, erzählt Labrie, der zuvor viele Jahre in der AHL spielte und sogar auf 46 Partien in der NHL für Tampa Bay kam. Mit seinem Tempo, seiner Durchsetzungsfähigkeit und seiner Einstellung bringt er gute Komponenten in das Spiel der Berliner. Die wollen sich Anfang nächster Woche entscheiden, ob die Probespieler einen Vertrag erhalten. Deshalb wird Richer am Wochenende ganz genau hinschauen.

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