Eisbären Berlin

„Die Eisbären-Fans werden mich bald lieben“

Mit dem Ex-NHL-Profi Maxime Lapierre haben die Eisbären einen besonderen Spieler verpflichtet, der in der DEL bald auffallen wird.

Maxim Lapierre (in weiß) provoziert gern und ist bei den Gegnern unbeliebt. Der Kanadier hat bei den Eisbären Berlin einen Vertrag bis 2021.

Maxim Lapierre (in weiß) provoziert gern und ist bei den Gegnern unbeliebt. Der Kanadier hat bei den Eisbären Berlin einen Vertrag bis 2021.

Foto: Ennio Leanza / picture alliance/KEYSTONE

Berlin. Ist er das wirklich? Mit einem charmanten Lächeln steht Maxim Lapierre vor der Kabine im Wellblechpalast, erzählt von seiner Familie. Inzwischen, mit 34 Jahren, sagt der Kanadier, bestimme nicht mehr allein der Sport seine Entscheidungen, sondern das Wohlergehen seiner Lieben genieße Priorität. Frau und drei kleine Töchter, fünf und drei Jahre sowie sechs Monate alt, hat er gerade mit nach Berlin gebracht. Mit seinen rehbraunen Augen und dem leichten Silberblick wirkt er wie ein liebevoller Vater, ein Mann mit sanftem Gemüt.

Die Dinge, die man über ihn hört und liest, vermitteln in Teilen ein ganz anderes Bild. 438 Strafminuten in der Schweizer Topliga in 175 Partien lassen manchen Fan des EHC Eisbären mit einer gewissen Ungeduld auf die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) warten. Wann kommt Lapierre das erste Mal so richtig in Fahrt? Ein respektabler Ruf eilt dem Stürmer voraus.

Maxim Lapierre: Vertrag bis 2021 bei den Eisbären

Maxim Lapierre lächelt wieder, und er versucht, sich zu beschreiben. „Es gibt dieses Klischee, mit Herz und Seele zu spielen. Aber das ist es wirklich, was ich tue, was ich bin. Ich gebe einfach alles da draußen. Manchmal kommen dabei ein paar Emotionen durch. Ich bin bereit, alles für den Sieg zu tun, denn es verletzt mich tief, wenn ich verliere“, erzählt der Angreifer. Seine Leidenschaft lässt keinen Raum für Kompromisse, mit dieser Attitüde geht er in jedes Spiel. Das macht ihn so wertvoll.

Als der Kanadier im Sommer auf den Markt kam, war das für viele eine Überraschung. „Es gab viele Veränderungen in Lugano, neues Management, neue Trainer. Für mich hat es sich angefühlt, als wäre es an der Zeit, etwas Neues zu tun“, sagt der Stürmer, der erst im Dezember seinen Vertrag dort bis 2021 verlängert hatte. Dreieinhalb Jahre war er in der Schweiz. Vergangene Saison sah ihn auch Serge Aubin dort, der neue Trainer der Eisbären, der zuvor in Zürich arbeitete. Er wollte sofort wissen, ob es möglich sei, Lapierre zu holen. „Ich habe ihn oft spielen sehen, er ist sehr effektiv und bringt einfach so viel mit“, sagt Aubin. Nun besitzt er in Berlin einen Vertrag bis 2021.

Maxim Lapierre mit imposanter Karriere in der NHL

Allein seine Erfahrung hat Seltenheitswert in der DEL. In der nordamerikanischen NHL absolvierte Lapierre 694 Spiele, schoss dabei 72 Tore, gab 82 Vorlagen. Mit Vancouver stand er 2011 im Finale, gewann Olympiabronze mit Kanada 2018. Aubin sieht in dem flexiblen Stürmer, der mehrere Positionen einnehmen kann, einen „sehr kompletten Spieler, er macht die kleinen Sachen auf dem Eis, betreibt großen Aufwand“. Trotz seines Alters sei er in einer „phänomenalen Verfassung“.

Wie wichtig Lapierre in Lugano war, belegt die Tatsache, dass er trotz der 438 Strafminuten noch die Zeit fand, 48 Tore zu schießen und 72 Vorlagen zu geben. Er war Play-off-Topscorer, führte das Team zweimal ins Finale. Er war die Schlüsselfigur, die mehr darstellte als nur einen guter Spieler. „Seine größte Qualität ist, dass er ein unfassbarer Wettkämpfer ist“, findet EHC-Trainer Aubin. Zuweilen schlägt er in seinem Ehrgeiz aber etwas über die Stränge.

Maxim Lapierre hat ganz spezielle Qualitäten

Deshalb gehört er zu jener Sorte von Spielern, die man lieber nicht zum Gegner haben möchte. So wie Steve Pinizzotto in der DEL vielen ein rotes Tuch war, polarisiert auch Lapierre. Er stänkert gern, provoziert mit wüsten Worten. „Man kann ihn leicht hassen, weil er so hart spielt und dir unter die Haut geht. Darum wollten wir ihn auf unserer Seite haben“, erzählt Aubin. Lapierre bringt den Kontrahenten und dessen Fans gegen sich auf, sein höhnisches Grinsen ist zu einem Markenzeichen in der Schweiz geworden. Kein Spieler in der NLA habe in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Lapierre, heißt es.

Ähnlich verhält es sich mit Pinizzotto in der DEL, drei Titel gewann er mit München. Mancher Gegenspieler wurde schon nervös, wenn er nur das Eis betrat. Selbst bei den Eisbären. Trotz allem zeigte Pinizzotto immer auch seine spielerische Klasse, war ein wichtiger Teil der Münchner Erfolgsserie. „Wir haben zusammen in Vancouver gespielt. Ich dachte, er wäre ein guter Junge im Vergleich zu mir“, sagt Lapierre und grinst.

Maxim Lapierre: Einer, den man zum Gewinnen braucht

Es ist sicher eine verheißungsvolle Kombination an Eigenschaften, die der Kanadier in sich vereint. Spieler wie er können am Ende den Ausschlag für den Erfolg einer Mannschaft geben. „Er bringt die Energie und die Emotionen, die wir brauchen“, glaubt EHC-Coach Aubin. Er und der Klub verfolgen hohe Ziele, ebenso der neue Stürmer: „Die Konkurrenz in der DEL ist hart. Auch wenn es wieder ein Klischee ist, am Ende setzt sich das Team durch, das es am meisten will. Ich denke, meine Rolle in unserem Team ist es, sicherzustellen, dass wir es am meisten wollen.“

In Lugano trauern die Fans dem Kanadier derweil hinterher, er war eine Identifikationsfigur. „Ich hatte eine tolle Verbindung zu den Fans, das hat meine Zeit dort sehr besonders gemacht“, erzählt Maxim Lapierre: „Ich bin aber zuversichtlich, dass es nicht lange dauert, die Liebe der Eisbären-Fans zu gewinnen.“ Er lächelt, spitzbübisch diesmal. Wahrscheinlich dauert es auch nicht lange, bis der Rest der DEL-Fans ihn hasst.