Eishockey

Der Sommer der Veränderung bei den Eisbären

Berliner müssen mehr Abschiede hinnehmen, als ihnen lieb ist. Der Kader der Eisbären erscheint nach einer Verschlankung gut gerüstet.

Maxim Lapierre (l.) 2018 bei den Olympischen Spielen in Südkorea.

Maxim Lapierre (l.) 2018 bei den Olympischen Spielen in Südkorea.

Foto: Julio Cortez / picture alliance/AP Photo

Berlin.. Zweieinhalb Wochen sind es noch, bis sich die Spieler des EHC Eisbären wieder im Wellblechpalast versammeln. Die medizinischen Tests sind dann absolviert, die Vorbereitung auf die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) beginnt mit dem ersten gemeinsamen Eistraining der neuen Mannschaft. Am 2. August starten die Berliner damit auch in eine neue Zeit – nach einem Sommer, der nicht wie jeder andere war.

Die einen versprühen schon jetzt große Vorfreude. „Es gibt nur ein Ziel: Ich möchte eine Meisterschaft gewinnen“, sagt etwa Maxim Lapierre, den die Berliner erst am Sonntag verpflichtet haben. Fast 700 Partien in der nordamerikanischen NHL sprechen für den Mittelstürmer, der zuletzt beim HC Lugano in der Schweiz spielte. Mit seinen 34 Jahren bringt er viel Erfahrung und Führungsstärke in das Team. Der neue Torhüter Sebastian Dahm möchte der Mannschaft „helfen, wieder unschlagbar zu sein in der Mercedes-Benz Arena und mit viel Selbstvertrauen zu spielen“.

Zwölf Abgänge, bisher sechs Neue

Viele derjenigen, die schon länger im Klub sind, werden beim ersten Eistraining erst realisieren, wie viel sich in den vergangenen Monaten tatsächlich verändert hat beim Rekordmeister der DEL. Ein großes Anliegen der Berliner ist personelle Kontinuität, die hat sie über mehr als ein Jahrzehnt ausgezeichnet. Doch ab und an lassen sich die eigenen Maxime nicht mehr einhalten, dann sind etwas größere Modifikationen nötig. Wie jetzt.

Das führt auf der einen Seite zu gleich zwölf Abgängen, zwei Spieler (Daniel Fischbuch und Martin Buchwieser) wurden sogar trotz laufender Verträge abgegeben. „Wir haben gesagt, dass wir uns alles genau anschauen und dann reagieren“, so Sportdirektor Stéphane Richer. Die insgesamt durchwachsenen Leistungen der vergangenen beiden Hauptrunden boten genug Anlass für Korrekturen im Kader.

Mehr auf eigene Talente setzen

Doch im gleichen Umfang nachgerüstet wird nicht. Lapierre war der sechste Zugang – und dabei soll es vorerst wohl bleiben. Aufgrund der vielen Verletzungen und dadurch bedingten Teamerweiterung in der Vorsaison muss der Kader nun reduziert werden. Weitere deutsche Spieler zu verpflichten, planen die Berliner nicht. Von den vier offenen Lizenzen für Ausländer (sieben Plätze sind vergeben, neun Importspieler dürfen eingesetzt und elf lizenziert werden) wird vermutlich nur eine zum Saisonbeginn am 13. September noch vergeben werden. „Wir werden in der Vorbereitung einen Tryout-Spieler dabei haben“, sagt Richer, der gemäß dem nach der vergangenen Saison verkündeten Credo wieder vermehrt auf die Einbindung von eigenen Talenten ins DEL-Team setzen will.

Mit dem Transfer von Lapierre zeigt sich der Sportdirektor sehr zufrieden: „Er ist ein Mann für wichtige Situationen, solche Spieler hatten wir in der letzten Saison zu wenig.“ Durch sein vorheriges Engagement in der Schweiz kennt auch Trainer Serge Aubin den Angreifer, der ebenso außen spielen kann. Er sei dessen Wunschspieler unter den auf dem Markt befindlichen Akteuren gewesen.

Kader wirkt etwas ambitionierter

Mit Aubin ist auch die zweite Ebene der Veränderung erreicht bei den Eisbären. In der Trainerriege stehen mit ihm und Assistent Craig Streu zwei neue Personen in der Verantwortung. Aubin geht als Nachfolger von dem im Dezember entlassenen Clément Jodoin in die Saison, Streu übernimmt den Posten von Steffen Ziesche, der jetzt als U18-Bundestrainer arbeitet.

Bleibt noch eine dritte Ebene, die einiges nicht mehr so wie vorher erscheinen lässt bei den Eisbären. Im Juni verstarben in Chris Lee (39) und Hartmut Nickel (74) zum einen ein Nachwuchstrainer sowie Sohn von Klubchef Peter John Lee und eine Vereinslegende.

Abschiede gab es also weit mehr als gehofft. Auf die sportliche Stufe bezogen wirkt der Kader allerdings ein wenig ambitionierter mit den neuen Leuten. Wobei hinter dem Torhütergespann Sebastian Dahm und Marvin Cüpper ein kleines Fragezeichen bezüglich der Qualität steht. Aber auch da bestünde durch die freien Lizenzen noch Spielraum.

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